Harburger Seniorenresidenz nutzt Kunst als Ausdrucksform

„Zusammen sind wir Wald“

Der Weg in die Seniorenresidenz und so zum letzten Lebensabschnitt ist für viele schwer. Kunst kann hier helfen. Ein Beispiel …

Die neue Seniorenresidenz in Harburg am Helmsweg 32 hat im November 2018 ihre Tore geöffnet. Die Bewohner*innen sind erst vor kurzem in ihr neues zu Hause gezogen. Das ist für Angehörige ebenso wie für die alten Menschen eine sehr schwere Zeit. Denn die Familienstrukturen sortieren sich ganz neu. Altes muss losgelassen werden und mit dem Umzug beginnt für alle Beteiligten nicht mehr übersehbar der allerletzte Lebensabschnitt. Damit steht auch das Thema Abschied und Tod im Raum.

Die Einrichtungsleiterin Monika Sonnenberg und die Kunsttherapeutin Ulrike Hinrichs waren sich schnell einig, dass ein „kreativer Begegnungsraum“ an dieser Stelle anknüpfen kann, um intuitiv spielerisch Lebensthemen zu verdauen.

Immer mittwochs wird nun der Rollator in die Ecke gestellt und am großen Tisch im Gruppenraum Platz genommen. Wie immer geht es bei den Projekten von Ulrike Hinrichs nicht um die Vermittlung von Maltechniken, sondern um die Kunst als Sprache und Ausdrucksform.

„Wir genießen die gemeinsame Zeit, inspirieren uns wechselseitig, lernen von- und miteinander. Das ist für mich erst einmal das höchste Ziel. Dafür bringe ich einfache Ideen mit. Ich möchte die Kreativität wecken. Daher bestehe ich auch darauf, dass selbst gemalt und nicht „abgepaust“ oder nach Malbüchern verlangt wird. Die Menschen sind teilweise über 90 Jahre und habe seit ihrer Kindheit nicht mehr gemalt. Die Glaubenssätze sitzen tief. Auch nach Monaten höre ich daher jedes Mal wieder „das kann ich nicht“. Dafür sind die Bewohner*innen umso begeisterter, wenn sie ihr fertiges Bild in den Händen halten und es dann doch etwas geworden ist. Wir haben auch zwei Demenzerkrankte in der Gruppe. Auch das klappt wunderbar mit dem gemeinsamen Malen. Beispielweise haben wir das Thema Bäume künstlerisch umgesetzt, die individuell sehr unterschiedlich aussahen. Am Ende der Sitzung entstand die thematische Überschrift „Zusammen sind wir Wald“, eine schöne Botschaft für das, was wir im kreativen Begegnungsraum erreichen möchten, nämlich Individualität respektieren sowie Begegnung und Verbundenheit fördern.“

Baum einer Demenzerkrankten

Die Einrichtungsleiterin Frau Sonnenberg ergänzt: „Es macht viel Spaß zu sehen mit welcher Begeisterung hier wundervolle Bilder für unser Haus entstehen. Wir haben ja noch viel Platz und Raum der gestaltet werden darf. Es freut mich, dass wir gemeinsam mit Frau Hinrichs ein Angebot für unsere Bewohner schaffen konnten, das immer ein Erlebnis ist.“

Es wird mit unterschiedlichen Farben und Materialien gearbeitet. Hinrichs bindet auch die Poesie und Musik ein, wie bei dem abgebildeten Werk. Das Bild entstand zum Ringelnatz Gedicht: „Ruhe ist viel wert, sagte das Nilpferd und setzte sich auf was Weiches. Der Elefant tat ein Gleiches.“

„Ich achte darauf, dass wir durch das Malen Ressourcen wecken und das künstlerische Arbeiten stabilisierend wirkt. Eine der Frauen hat häufig starke Kopfschmerzen, jedes Mal sind diese nach dem Malen verschwunden. Das liebe ich an der Kunst. Sie zwingt dazu im Hier und Jetzt zu bleiben, loszulassen und sich zu öffnen“, sagt Hinrichs.

Text: Ringelnatz, Bild PR

Zum Thema Kunst als Sprache der Intuition hat Hinrichs gerade das gleichlautende Fachbuch veröffentlicht.

Link Artikel zum Fachbuch: Mit der Kunst die Intuition einfangen

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