Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Zum Auswachsen

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Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Technisch betrachtet stecke ich noch in den Kinderschuhen, ca. Gr. 27,5.

Die Digitalisierung treibt mich noch zum Wahnsinn – oder weiteren Einsichten. Ich sage mir schon seit langer Zeit, dass noch keine Meister vom Himmel gefallen sind. Alles braucht Übung. Wenn es doch nur nicht so anstrengend wäre… und zum Verzweifeln… und zum… Mäusemelken, kleinteilig-friemelig. Aber Kapitulation? Niemals! Aufgeben ist keine Option. Neustart hingegen schon. Reset. Wie oft habe ich es schon erlebt, dass ein Neustart die Probleme in Luft auflöste. Einfach mal alles runterfahren, tief durchatmen und dann sein Glück nochmal versuchen. Wunder gibt es immer wieder.
Manchmal hilft es auch, kleinbeizugeben, sprich: weniger erreichen zu wollen und stattdessen mit dem Machbaren zufriedenzugeben. Ist natürlich keine leichte Übung, die eigenen hohen Ansprüche hinunter-, statt sich in unliebsame Gefühle hineinzuschrauben… z. B. in tiefen Groll, weil ich der Technik nicht Herr bin – oder Frau. Ich biete dann tapfer der emotionalen Verschwörungstheorie die Stirn, dass das Problem nur existierte, um mir das Leben schwer zu machen!
Weil ich vermutlich nicht die Einzige bin, die mit Hard- und/oder Software zu kämpfen hat, mache ich mir jetzt einmal die Mühe die Vor- und Nachteile abzuwägen, die für bzw. gegen ein digitales Format sprechen und nehme als Beispiel die SuedLese 2021, die dieses Jahr Premiere hatte. Das Ganze stelle ich mir als Schlagabtausch vor.
Pro: Online-Lesungen haben den Vorteil einer größeren Reichweite.
Contra: Theoretisch ja. Praktisch ist das Scheitern scheinbar schon vorprogrammiert. Man kommt nicht rein oder fliegt wieder raus, hat keinen Ton, kein Bild, eine ohrenbetäubende Rückkopplung…
Pro: Vor Ort kommt aber auch nicht jede*r rein, z. B. Rollstuhlfahrer*innen wegen Stufen.
Contra: Es kann ebenfalls frustrierend sein, sich online ausgeschlossen zu fühlen oder benachteiligt, weil die Verbindung schlecht ist.
Pro: Schon, trotzdem hinkt der Vergleich! Denn beim nächsten Date kann schon alles besser laufen. Eine Mobilitätseinschränkung ist dagegen eine Hürde, die sich durch Üben nicht überwinden lässt.
Contra: Und der Überdruss, was ist damit? Viele sitzen ja berufsbedingt schon viel am PC, während der Pandemie noch dazu reichlich im Homeoffice. Da hat man doch keine Lust, sich sowas auch noch in der Freizeit.anzutun.
Pro: Das ist doch etwas völlig anderes, sowohl inhaltlich als auch atmosphärisch. Außerdem haben Menschen fast dauernd ein Handy in der Hand und stecken ihre Nase freiwillig ins Internet. So abschreckend scheint die digitale Welt also vom Prinzip her nicht zu sein.
Contra: Aber…
Pro: Und im Ernstfall ist ein Zoom-Meeting besser als nichts. Man sieht sich: Kollegen, Freunde
und Familie – und das ohne Maske!
Contra: Man selber sieht aber generell voll schlimm aus! Ich erschrecke mich immer, wenn ich mich sehe.
Pro: Dann guck´ halt nicht dich an, sondern die anderen! Außerdem hast du die Option, dein Bild auszublenden. Wobei es natürlich gerade darum geht, sich wenigstens virtuell zu treffen, also annähernd wie im richtigen Leben zu begegnen: sicht- und hörbar.
Contra: Apropos hörbar. Es gibt auch Schüchterne, die sich scheuen, etwas zu sagen. Dann kann so ein peinliches Schweigen entstehen, wenn alle schweigen.
Pro: Das kann vor Ort auch passieren, dass sich keiner traut, das Wort zu ergreifen. Bei Online-Lesungen kannst du deine Fragen oder Anmerkungen auch in den Chat schreiben. Das ist doch ein niedrigschwelliges Angebot, um sich zu beteiligen.
Contra: … Mir gehen langsam die Argumente aus.
Pro: Tooor! 1:0 für mich!
Contra: Aber Online ist einfach kein Ersatz für eine Live-Lesung.
Pro: Nö, aber durchaus eine sinnvolle Ergänzung.
Contra: Naja, so gesehen… könnten alle was davon haben.
Pro: Genau, analog & digital zu paaren könnte im Ergebnis zu einer win-win-Situation führen.
Das lasse ich jetzt mal so im virtuellen Raum stehen.

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