Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Zaubertrank

Foto: somorgado / Pixabay

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Mein Oberstübchen fühlt sich manchmal wie ein kleines gallisches Dorf,

das nicht aufhört, dem Eindringling Widerstand zu leisten. In meiner eigenen Gedankenwelt wird zwar auch gestritten, allerdings konstruktiv. Damit kann ich ganz gut leben.

Belagert fühle ich mich von widrigen Umständen, die mir das positive Denken erschweren. Dazu zählen auch Tageszeitungen, die voller merkwürdiger Meldungen stecken. Ich mache einen Bogen um diesen Irrsinn, aber im Vorübergehen springen mir die Schlagzeilen dann doch ins Auge und ich ärgere mich. Liegt das an den Großbuchstaben, der Druckerschwärze oder den Aussagen? Alles zusammen wirkt wie psychologische Kriegsführung.

Beispiel: Vor einigen Wochen das Foto einer dunkelhäutigen Frau, Schlagzeile: Huren-Mord, Untertitel: Ermittlungen führen nach Afrika.

Das Opfer ist also eine Hure? Im europäischen Sprachgebrauch werden solche Frauen Prostituierte genannt. Ich denke mir meinen Teil, warum in diesem Fall verbal ein Unterschied gemacht wird.

Ich würde ja gerade gerne einen Schluck von meinem Zaubertrank nehmen. Einen guten Tropfen trockenen Humor, aber mir fällt dazu leider nichts ein außer Kopfschütteln.

Was kommt als nächstes? Premium-Opfer nach dem Anschlag in Halle: „ANDREA BERG TRAUERT UM FAN“. Ohne Worte.

 

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