Archäologen aus Harburg graben in der Altstadt aus

Wo Hamburg zuckersüß war

Nachlassverwaltung vom Zentrum der europäischen Zuckerraffination. (Foto: AMH)

Die Vielzahl an Bauprojekten fördert unweigerlich auch verschollene Schätze ans Tageslicht. So auch in der Hamburger Altstadt …

Das Archäologische Museum Hamburg mit Sitz in Harburg teilte nun am 17. Aug. 2017 mit:

„In unmittelbarer Nähe zur Hafencity und zur Elbphilharmonie, im Bereich der sogenannten „Cremon-Insel“, führt das Archäologische Museum Hamburg noch bis November eine Ausgrabung durch. Auf der heute kaum noch als Insel zu erkennenden Cremon-Insel sichern die Archäologen auf dem Gelände „Bei den Mühren 2-5“  alle archäologischen Spuren, bevor dort eine Neubebauung startet. Die Wissenschaftler erhoffen sich Aufschluss über die Siedlungsentwicklung, Kolonialisierung und Nutzung des Areals vom Mittelalter bis in die Neuzeit.

Schätze der Cremon-Insel

Untersucht werden dabei die hinteren Bereiche der Grundstücke, die im Norden an das 1946 zugeschüttete Katharinenfleet – die heutige Straße Katharinenfleet – grenzen. Bei der Cremon-Insel handelt es sich um eine Marschinseln im Mündungsgebiet der Alster in die Elbe. Ihr Name leitet sich wahrscheinlich vom ersten im Stadtbuch erwähnten Grundeigentümer „Fredhericum de Crimun“ ab. Die Insel wurde vermutlich erst im 12. / 13. Jahrhundert besiedelt und dann 1247 zusammen mit dem Katharinenfleet erstmals urkundlich erwähnt. Bisher wird angenommen, dass zu Beginn der Besiedlung ein Ringdeich angelegt wurde, der im Verlauf der heutigen Straßen Cremon, Katharinenstraße, Steckelhörn, Bei den Mühren und Bei dem neuen Kran verlief. Die frühen Grundstücke innerhalb dieser Eindeichung sollen dabei die gesamte Inselbreite eingenommen haben. Im Laufe der Jahrhunderte wurden diese Grundstücke zu immer kleineren Parzellen.

Zentrum europäischer Zuckerraffination

Mit der derzeitigen Ausgrabung gilt es, die bisherigen Ansichten zu überprüfen. Die ältesten Stadtabbildungen, auf denen die Cremon-Insel deutlich zu erkennen ist, stammen aus der Zeit um 1585 und 1588. Auf diesen ist bereits eine kleinteilige Parzellierung mit Hausbebauung bis zum Katharinenfleet hin zu sehen. Zu dieser Bebauung gehören die jüngsten jetzt entdeckten Hausbefunde, außerdem eine Abfallgrube voller Keramik zur Zuckerhutherstellung; die Scherben datieren in das 18. / 19. Jahrhundert. Mehr als 100 Zuckerhut- und Melassetöpfe belegen, dass auf dem Grundstück Zucker raffiniert worden ist. Zwischen 1750 und 1850 war Hamburg das Zentrum der europäischen Zuckerraffination. Bezeichnenderweise stand in unmittelbarer Nachbarschaft um 1870 eine Destille: Zur Herstellung von Branntwein wird Zucker benötigt.

Mit Kegelbahn und Ofen

Schriftliche Nachrichten aus der jüngsten Bebauungszeit berichten, dass die zum Katharinenfleet gelegenen Hausfronten baufällig waren, der herausgefallene Schutt das Fleet verunreinigte und die Schifffahrt gefährdete. Wir erfahren auch beispielsweise, dass 1894 ein Bauantrag gestellt wurde, um eine doppelte Kegelbahn sowie einen Ofen in den Keller eines der untersuchten Häuser einzubauen.

 „Gold der Ostsee“

Abwasserleitungen aus Holz und Sandstein zeigen, dass im 16. Jahrhundert Unrat aus den vorderen Dielenhäusern in das Fleet geleitet wurde. Im 15. Jahrhundert jedoch war, wie archäologische Befunde beweisen, der hintere Hofbereich noch unbebaut. Fast 4,5 m unter der heutigen Oberfläche konnte eine alte Uferbefestigung erfasst werden, die zeigt, dass sich das Katharinenfleet um mindestens 2 m Richtung Süden ausgedehnt hat und die Höfe einen offenen Zugang zu diesem geboten haben.

Süße Arbeitsstelle der Archäologen (Foto: AMH)

Neben zahlreichen lokalen, aber auch importierten Keramikfunden konnte dort eine Bernsteinperle geborgen werden. Bernstein, das „Gold der Ostsee“, war ein begehrtes Handelsgut, und sicherlich hat sich der Besitzer über diesen Verlust geärgert.

Bis zum November 2017 wollen die Archäologen noch weitere 1,5 m in die Tiefe gehen, um die Phase der Erstbesiedlung zu erfassen. Welche Rätsel es dabei noch zu entschlüsseln gilt, ist nicht vorherzusehen, und so bleibt es weiterhin spannend.

Informationen über Facebook & Co

Interessierte können sich schon jetzt über die Social Media-Kanäle des Museums über das aktuelle Grabungsgeschehen informieren, einen Einblick in die hochmoderne Grabungstechnik und Befunddokumentation der Archäologen erhalten sowie aktuelle Informationen über die Fortschritte auf der Grabungsstelle bekommen. Hier werden u.a. auch Videoclips und Fotos mit Informationen zur Ausgrabung angeboten.

Weitere Informationen auch unter: www.amh.de

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