Der Laien´s Club Heimfeld rüttelt auf und knüpft damit an alte Traditionen an:

„Wissen entsteht immer gemeinsam“

Mit der Lektüre einer Zeitung geht sie los, die Bildung. (Foto: Laien´s Club Heimfeld)

Als Aufklärung noch ein hohes Gut war, gehörten Lesezirkel und Diskussionsrunden zum bürgerlichen Habitus. Jetzt erleben sie eine Renaissance – beim „Laien´s Club Heimfeld“.

Der Titel seiner Auftaktveranstaltung hatte es schon in sich: „Zwischen Amok und Alzheimer“. „Menschen fahren mit ihren Autos in Menschenmengen, Schüler schießen in der Schule um sich, Piloten lassen Flugzeuge abstürzen… scheinbar grundlose Gewalt greift um sich. Warum, was ist los in dieser Welt??“ So die einleitenden Worte der Erstveranstaltung. Was steckt dahinter, was wird noch kommen? Wir haben mal nachgefragt …

Tiefgang (TG): Hauke, wer seid Ihr und wie habt Ihr euch gefunden?

Hauke: Wir sind bislang drei befreundete Menschen, die neben anderem verbindet, dass sie politische Diskussionen über unsere Gesellschaft mit unseren Alltagserlebnissen verbinden wollen.

TG: Ihr nennt Euch Laien´s Club . Eine klare Anspielung an den Lion´s Club? Allein, wieso, weshalb, warum?

Hauke: Ja, du hast recht – der Name ist natürlich ein Wortspiel mit den elitären Lion’s Club. Diese bieten ihren Mitgliedern Räume, in denen sie sich austauschen und Wissen zusammentragen können. Aber können wir das nicht auch? Im Gegensatz zu den Lion’s verstehen wir uns allerdings als Laien.

Wir stellen uns die Frage, warum wir so selten zusammenfinden, um uns auszutauschen, zu diskutieren und unser Wissen gemeinsam zu erweitern. Oft trauen wir uns nicht, weil vielleicht unser Alltag so banal erscheint, weil wir vielleicht nicht studiert haben, weil wir vielleicht keine »Experten« sind … Das stimmt und ist doch nur die halbe Wahrheit.

Wirkliches Wissen entsteht immer gemeinsam. In dem Sinne hoffen wir, dass unsere Themenvorschläge oder »Vorträge« als Anregungen dienen und dass wir alle ein paar neue Gedanken mit nach Hause nehmen können.

TG: Götz Eisenberg ist offenbar eine zentrale Leitfigur der Abende? Wer ist das, wie kommt man auf ihn, warum ist er so relevant?

Hauke: Auf sein Buch aufmerksam geworden sind wir durch eine Rezension in der Zeitung. Es ist – im guten Sinne – provozierend, da es zum Nachdenken anregt. Vielleicht liegt das auch an der Form. Es sind kurze Beiträge abgedruckt, die er im Laufe der Jahre zu bestimmten Themen veröffentlicht hat. In einem Buch zusammengefasst versucht er, die einzelnen Themen zu einem Gesamtbild unserer Gesellschaft zusammenzutragen. Er hat seine eigene Perspektive, als Alt-68er, als (Gefängnis-)Psychologe, als Bürger und Konsument… Es gibt einen Haufen anderer Perspektiven, etwa die aus der modernen Arbeitswelt heraus. So etwas streift er nur, es ist nicht seine. Das ist nicht schlimm – wichtig ist, dass das Buch zum Nachdenken anregt und, man kann ja selber ergänzen. Dass er an zwei Abenden auf der Tagesordnung steht, hat vor allem mit dem großen Bogen zu tun, den er schlägt. Da brauchen wir ein bisschen Zeit, um den nachzuverfolgen.

Amoklauf – ein historisches Phänomen

TG: Wie kommt Ihr auf die Themen wie Amok, Demenz etc.? Und was wird noch kommen?

Hauke: Gewalt, Terror, Amok und anderer Wahnsinn springen einem entgegen, wenn man die Zeitung aufschlägt oder das Radio anschaltet. Nicht ganz so laut auch die angebliche Demenz-Epidemie.

Zum ersten Thema spricht Götz Eisenberg uns aus der Seele, wenn er als einer von wenigen mal formuliert, dass es absurd ist, jemandem, der mit einer Axt durch den Zug rennt, eine politische Strategie zu unterstellen. Und er verweist auf die Tatsache, dass Amoklauf ein historisches Phänomen ist, es immer wieder Wellen von solchen Gewalttaten in unterschiedlichen Zusammenhängen gegeben hat. Parallel nimmt die staatliche Gewalt zu – Krieg, Aufrüstung und ökonomische Gewalt. Die scheint genauso ziel- und perspektivlos zu sein. »Krieg« und gesellschaftliche Zerstörung ist sicherlich das eigentliche Thema. Unser erster Abend im Februar beschäftigte sich mit dem Bauernkrieg um 1520, mit seinen sozialen Auseinandersetzungen, der blutigen Unterdrückung, religiöser Heilssuche nach dem Scheitern, auch »Terror« im Namen der Rache und einer für mehr als ein Jahrhundert von extremer Gewalt geprägten Gesellschaft. Im März haben wir einen Abend zum Krieg in Afghanistan gemacht und im Juni soll es um die Folgen gehen, die die Kriege der Bundeswehr in aller Welt für unsere Gesellschaft mit sich bringen.

Zum Thema »Demenz« wollen wir einen etwas anderen Schwerpunkt als Eisenberg setzen. Uns scheint die Bedeutung moderner Arbeitsverhältnisse zentral zu sein für vieles, was in den Medien als Schreckgespenst der »Demenz« an die Wand gemalt wird.

Ansonsten gibt es noch andere Ideen, die wir auf unserem Blog gesammelt haben. Und Literaturlesungen … im Rahmen des Umsonstladens MehrWertKultur haben wir in den letzten Jahren einige Lesungen organisiert und wollen das auch weiterhin tun.

Der Eyecatcher zur nächsten Runde … (Grafik: Laien´s Club Heimfeld)

 

TG: Wen wollt Ihr ansprechen und mit welchem Anspruch?

Hauke: Menschen, die Lust haben, sich Gedanken zu machen. Wir freuen über jedes gelungene Gespräch. Wenn sich auf lange Sicht der Kreis erweitert und mehr Menschen Lust haben, sich einzubringen, würden wir uns freuen.

TG: Was muss ich also tun, wenn ich interessiert bin?

Hauke: …vorbeikommen! Wenn du eine Idee hast, eine Frage, die du gerne diskutieren möchtest, dann melde dich bei uns, dass wir uns an einem Dienstag zwischen den Veranstaltungen treffen können und daraus ein »Thema« gestalten können.

Nächster Termin:

30. Mai, 19.30h: „Zwischen Amok und Alzheimer, Teil 2“, Friedrich-Naumann-Str. 7, 21075 Hamburg 

Zum Web-Blog und Laien´s Club hier: Website vom Laien´s Club

(02. Mai 2017, die Fragen für Tiefgang stellte Heiko Langanke)

 

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