Günter Zints Fotobuch gibt Zeugnis von Hamburg in den 68er Umbrüchen:

Wilde Zeiten von St. Pauli

"Früher war alles besser ..." - aber auch wilder. Günter Zint belegt es mit Fotos. (Cover: PR)

50 Jahre ist es her als die legendäre 68er Bewegung die halbe Republik umkrempelte. „Wilde Zeiten“ sagen die Zeitzeugen unisono. Einer zeigt sie: der Fotograf Günter Zint.

Am Mittwoch, 7. November, um 18 Uhr wird Günter Zint im Kaiserkeller, Große Freiheit 36, das neue Buch vorstellen und erinnert sich zusammen mit der Autorin Tania Kibermanis an die po­litisch und kulturell bewegten Zeiten in Hamburg zwischen 1965 und 1989. Musikalisch begleitet wird die Buchvorstel­lung von Steffi Hempel.

Der Fotograf Günter Zint ist in Hamburg eine Institution und alles andere als nur ein distanzierter Beobachter mit der Kamera. Die Milieus seiner fotografischen Sujets kennt Zint genau. Fast immer ist er Teil des Geschehens und genau dann zur Stelle, wenn es gerade losgeht: Wenn unbekannte Musiker wie Jimi Hendrix und die Beatles die musikalische Weltbühne betreten, wenn ein Leichenwagen in der Herbertstraße vorfährt oder der Inhalt eines Wasser­eimers treffsicher auf dem Helm eines Polizisten landet. Dieses Fotobuch führt den Betrachter zurück ins Hamburg der wilden 1960er bis tief in die 1980er Jahre und bannt den Geist von drei bewegten Jahrzehnten ins Bild.

Günter Zint 1963 im Star-Club: „Als ich früher nur als Gast hingegangen bin, hat mich Weißleder irgendwann angesprochen: ›Du bist doch Foto­graf – wir brauchen Fotos für die Schaukästen!‹ So kam ich dazu, so viele Leute zu fotografieren, von denen ich nie geahnt hätte, wie berühmt die später mal werden. Da war ich einfach im richtigen Moment an der richtigen Stelle.“

Oder die Story vom Little Karstadt, dem wandelnden Mini-Kaufhaus von St. Pauli: „Little Karstadt war oft die letzte Rettung für die Prosti­tuierten – er hatte Sicherheitsnadeln, Hansaplast und Nähzeug dabei. Sein Hauptgeschäft waren Kurzwaren, und er war jahrelang jeden Abend auf dem Kiez unterwegs. Irgendwann war er dann plötzlich verschwunden und tauchte nie wieder auf.“

Oder Domenica in ihrer Wohnung: „Als sie einmal gefragt wurde, wie sie sich selbst am lieb­sten sehen würde, hat sie geantwortet: ›Hochgeschlossen und im Rathaus!‹

Günter Zint wurde 1941 geboren und war so eine Art Hausfotograf im Star-. Er arbeitete unter anderem  für den Stern, Spiegel und konkret. Er gründete die St. Pauli Nachrichten und das St. Pauli Museum. Die Autorin Tania Kibermanis hingegen wurde  1972 geboren und lebt mit ihrem Sohn auf St. Pauli. Sie hat mehrere Bücher über Hamburg geschrieben, ihre Porträts und Kolumnen erscheinen unter anderem  in der ZEIT, der taz und der Brigitte.

Das Buch:  Wilde Zeiten – Hamburg-Fotografien von Günter Zint 1965 – 1989, Mit Texten von Tania Kibermanis, in Kooperation mit Dölling und Galitz Verlag, 256 Seiten, Hardcover mit 300 sw-Abbildungen; ISBN: 978-3-96060-504-1, Preis: 49.90 Euro

Weiterführender Link: www.junius-verlag.de

 

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