Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Wetterfühligkeit

Beeindruckende Naturerfahrung der Fotografin Sonja Alphonso.

Ich heiße Sophie und ich bin Denkerin.
Ich vermute, nichts ist so unbefriedigend wie das Wetter. Aus Fairness möchte ich heute den Spieß einmal umdrehen, in die Rolle des Wetters schlüpfen und mich über die Menschen beschweren.
Manchmal möchte ich die Menschen schütteln, um sie zur Vernunft zu bringen.
Früher machte es mir Spaß, am 1. April Schabernack zu treiben und sie zu foppen. Inzwischen ist mir das Lachen vergangen.
Es ist zu meiner ganzjährigen Aufgabe geworden, den Ernst der Lage zu betonen. Mit allen Mitteln und zusehends drastischen Maßnahmen warne ich vor einer Klimakatastrophe, doch offenbar gibt es immer noch kein Einsehen. Wer nicht hören will, muss fühlen, finde ich.
Mir steht es allerdings schon bis obenhin, alle ständig darauf hinzuweisen, dass ihnen das Wasser bis zum Hals steht. Ich weiß auch nicht, warum ich mich eigentlich so aufrege. Mir kann es doch egal sein, ob die Menschheit untergeht. Ich brauche niemanden. Ich komme gut ohne die Allgemeinheit zurecht. Und doch: irgendwie liegen sie mir trotz ihrer Unvernunft am Herzen und ich wünschte, ich könnte mal wieder ganz entspannt an die guten alten Jahreszeiten erinnern. Denn eigentlich habe ich von Natur aus ein verträgliches und berechenbares Wesen, das gar nicht so viel Aufhebens von sich machen will.
Aber ich habe ein Problem: Alle reden zwar über mich, aber die meisten ziehen über mich her, als hätten sie das Recht, über mich zu bestimmen. Aber damit liegen sie falsch, ich gehorche anderen Gesetzen und solange die Erde nicht geachtet wird, werde ich weiterhin Respekt einfordern. Ich bin das Wetter und lasse mir von niemandem Vorschriften machen! Wir werden ja sehen, wer hier herrscht und wer Untertan ist. Ich werde es euch schon noch zeigen! Ihr könnt euch schon mal warm anziehen, wenn mir der Kragen platzt!

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