Serie: was war 2020 und was kommt 2021? – Die Harburger Autorin Ute Holst

Wehklagen bringt nichts

Autorin Ute Holst (Foto: Privat)

War 2020 einfach nur für die Tonne? Wir haben bei Kulturschaffenden nachgefragt. Heute die Harburger Autorin Ute Holst.

Wie hat sich die Pandemie im Arbeitsalltag 2020 bemerkbar gemacht?

Da ich nicht mehr berufstätig bin hatte die Pandemie für meinen Alltag andere Auswirkungen als für Arbeitnehmer / innen. Es war ungewohnt die Einkaufszentren so leer zu sehen und z. B. bei der Post vor verschlossenen Türen zu stehen, weil die Öffnungszeiten aus aktuellem Anlass verändert wurden.

Wie weit werden die Nachwirkungen nachhallen?

Die Auswirkungen dieser Pandemie werden wir meines Erachtens noch auf unbestimmte Zeit zu spüren bekommen. Wir werden umdenken und uns von liebgewordenen Gewohnheiten verabschieden müssen. Das muss aber kein Nachteil sein; denn wir werden andere Möglichkeiten finden uns zu entwickeln. Schon immer waren wir gezwungen uns durch unvorhersehbare Ereignisse neu zu orientieren. Das Leben besteht nun mal aus Veränderungen und geprägt durch meine Lebenserfahrung blicke ich voller Zuversicht in die Zukunft.

Was waren 2020 die gravierendsten Entwicklungen?

Es hat mich sehr getroffen, dass meine Kurse nicht mehr stattfinden durften und ich deshalb meine Freunde und Bekannten nicht mehr treffen konnte. Über die sozialen Medien waren wir aber in der glücklichen Lage unseren Kontakt aufrecht zu erhalten. So fand z. B. die Schreibwerkstatt virtuell statt, das war eine schöne Bereicherung des sonst recht trostlosen Alltags.

Was hat 2020 an neuer Kreativität hervorgebracht?

Statt in geschlossenen Räumen gemeinsam etwas zu erarbeiten, habe ich mich mit mir wichtigen Menschen zu Spaziergängen in der Natur getroffen. So konnten wir uns ab und zu sehen und unsere Gedanken von Angesicht zu Angesicht austauschen.

Was war das persönlich einschneidenste Erlebnis in 2020?

Für mich war es die größte Freude zu erfahren, dass die mir wertvollen Menschen mich genauso vermisst haben wie ich sie. So haben wir unseren Impro-Theaterkurs im Sommer im Garten einer Kollegin fortsetzen können. Das war ein großer Spaß.

Was ist für 2021 absehbar?

Für mich ist absehbar, dass wir weiterhin sehr vorsichtig sein und auf unsere Gesundheit achten müssen. Sorgen bereitet mir die Diskussion darüber, ob Menschen, die schon geimpft sind, Sonderrechte erhalten sollen. Darin sehe ich die Gefahr einer Spaltung unserer Gesellschaft.

 Was wäre in 2021 wünschenswert?

Für 2021 wünsche ich mir mehr Klarheit darüber, was machbar und erlaubt ist und was nicht.

Es wäre großartig, wenn die Aufmerksamkeit, die Hilfsbereitschaft und die Offenheit in der Bevölkerung erhalten bliebe. In den letzten Monaten habe ich die Erfahrung gemacht, dass die Menschen offener und freundlicher geworden sind.

Was wird von 2020 bleiben?

Das Jahr 2020 hat zu einem Umdenken in vielerlei Hinsicht geführt. Die Menschen leben und konsumieren bewusster, sie wirken weniger gestresst.

Das Thema Urlaubsreisen hat dazu geführt, dass wir die Schönheit der Natur in unserer Heimat wieder neu entdecken. Schon Goethe hat gesagt: „Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah.“

Wir sollten dankbar sein für die Freiheiten und Möglichkeiten, die wir in der Vergangenheit gehabt haben. Jammern und Wehklagen über verlorenes bringt uns nicht weiter, wir sollten unsere Chancen nutzen und neue Dinge ausprobieren. Sicher werden wir dann erstaunt feststellen, dass es viele Möglichkeiten gibt, die unser „neues Leben“ bereichern.

Ute Holst, Autorin

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