Was ist eigentlich der „Wert der Kultur“?

Prolog zu einer neuen Reihe und einem offenen Diskurs

Förderung und Kohle sind immer schon Themen gewesen, die bewegten. (Foto: Der Specht)

„Kultur rechnet sich nicht, aber sie zahlt sich aus!“ Schön wär´s, denken Sie? Lassen Sie uns mal schauen, wie es denn so ist mit Museen, Theatern, Konzertsälen und Clubs …

Diesen alten Leitspruch von der 1999 verstorbenen Kultur-Ikone August Everding, gerne auch „Cleverding“ genannt, mag man oberflächlich betrachtet als lustig-provokant wahrnehmen. Aber es lohnt sich, den Gedanken mal im Detail zu verfolgen und zu prüfen. Denn selten wurde Kultur derart an Zahlen gemessen wie heute. Doch halten diese Zahlen wirklich Stand? Was sollen sie uns sagen und was sagen sie uns wirklich?

Ich werde es in einer lockeren Folge prüfen und dabei auch manch Erstaunliches zutage fördern. Denn so einfach wie manch selbsternannter oder wirklicher Finanzexperte und Wirtschaftsberater es darstellt, ist es nicht. Nicht nur, dass ein Theater ganz andere Erfordernisse und Ausgaben hat als ein Museum, eine Oper etwas anderes ist als ein Musical, ein Musikclub mit Gastronomie und am Eintritt bemessenen Gagen anders zu rechnen ist als ein Sinfonieorchester mit fest angestellten Musikern. Nein, es geht und muss auch immer um den gesellschaftlichen Wert von Kultur gehen. Aber kann man den eigentlich rechnen? Und wenn wie? Und worin liegt er denn genau?

Vielleicht ist es kein Zufall sondern sogar begründbar, dass eben dieser August Everding den Ausspruch wagte, Kultur sei „kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit!“ und damit ins gleiche Kulturhorn stieß wie der einstige und 2015 gestorbene Bundespräsident Richard von Weizsäcker: „Kultur ist kein Luxus, den wir uns leisten oder auch streichen können, sondern der geistige Boden, der unsere eigentliche innere Überle-bensfähigkeit sichert.“

Und es steht vorab auch fest: dies ist ein Diskurs ohne klares Ende. Aber warum ihn dann aber überhaupt führen? Weil der Diskurs, der Austausch der Argumente, unser Denken, Bewusstsein und letztlich Handeln bestimmt, nicht das Ergebnis! Und daher ist es logischerweise ein immer wieder neu zu führender Diskurs. Ein Ringen um den zeitgemäßen Umgang mit dem „Wert“ der Kultur. Und es ist ein immer neu zu bestimmende Erfordernis, diesen Wert der Kultur in unserem gesellschaftlichen Miteinander zu bestimmen. Wer macht Kultur, wer bewertet sie und für wen ist Kultur?

So wie die Regelsätze der sozialen Grundsicherung, die Renten, die steuerlichen Freibeträge oder auch die politische Mandatsbezüge von Abgeordneten alle Jahre wieder mit neuen Argumenten und neuen Mindeststandards begründet werden, so ist auch Kultur immer wieder aufs Neue einer Wertbe-stimmung ausgesetzt. Sie muss nur aufpassen, dass nicht andere allein über sie entscheiden. Sie darf ihre ureigenen Argumente nicht aufgeben, sie nicht vergessen oder sich im Munde verdrehen zu lassen. Denn sie sind ihre wichtigsten: die kulturellen Inhalte!

Und daher ist dieser Diskurs an Sie als Lesenden gerne auch als Einladung zum Mitstreiten zu verstehen. Diskutieren Sie im angebundenen Facebook-Chat mit! Er- und begründen Sie weitere Argumente im Diskurs über den Wert der Kultur und werden Sie selbst wieder zu einem Teil der dringend notwendigen Streit-Kultur!

(06. Jan. 2017, hl)

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