Serie „Gedenken in Harburg“: Johanna Hinrichs, Deichhausweg 12

Von Harburg ins KZ Ravensbrück

Foto: Langanke

Man weiß nicht viel über sie und von ihr. Nur eines ist gewiss: der Judenhass wurde ihr zum Verhängnis: Johanna Hinrichs.

Johanna Hesse kam am 8. Oktober 1887 als Tochter des jüdischen Kaufmanns David Hesse (27.4. 1844–13.4.1904) und seiner Frau Friederike Hesse, geb. Magnus, (11.2.1850–18.10.1911) in Harburg zur Welt. Der Deichhausweg, der auch damals schon die Harburger Rathausstraße (früher Rathausstraße) mit der Lüneburger Straße verband, hieß in jenen Tagen Deichstraße. David Hesse war zunächst als Fell- und Produktenhändler tätig und später als Agent bzw. Vertreter im Versicherungsgeschäft. Seit 1890 auch gemeinsam mit seinem Sohn Jacob.

Der Weg von der Deichstraße zur Harburger Synagoge in der Eißendorfer Straße war nicht weit. Dieses Gotteshaus war 1863 erbaut worden, nachdem die Jüdische Gemeinde vor Ort nach dem schrittweisen Abbau vieler gesetzlicher Beschränkungen langsam gewachsen war – allerdings bei weitem nicht so stark wie die Gesamtbevölkerung der Stadt. 1864 lebten 13.179 Menschen in der Stadt, darunter 175 Juden, 1900 waren es 49.163 Einwohnerinnen und Einwohner, unter ihnen 312 Juden. Doch sie trugen in beachtlicher Weise zum wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bei.

Als Johanna Hesse 17 Jahre alt war, starb ihr Vater, und sieben Jahre später verlor sie auch ihre Mutter. Beide Eltern wurden auf dem Jüdischen Friedhof der Stadt auf dem Schwarzenberg beigesetzt, wo ihre Gräber noch heute zu sehen sind.

Wann Johanna Hesse heiratete und damit den Namen ihres Mannes annahm und wann und warum sie später als Häftling in das KZ Ravensbrück eingewiesen wurde, ließ sich bisher nicht klären. Das Frauenkonzentrationslager KZ Ravensbrück war 1939 bei Fürstenberg an der Havel erbaut worden. Schätzungsweise 132.000 Menschen wurden hier in den nächsten sechs Jahren bis zur Befreiung des Lagers durch die Rote Armee im April 1945 registriert. Zehntausende der Inhaftierten starben an Hunger, dem kräftezehrenden Arbeitseinsatz und den hygienischen Missständen sowie durch gezielte Vernichtungsaktionen. Ca. 14% der Häftlinge waren Jüdinnen, deren Überlebenschancen am geringsten waren. Im Frühjahr 1942 wurden 700–800 jüdische Frauen in der Tötungsanlage Bernburg im Gas erstickt und im Herbst desselben Jahres noch einmal 522 Jüdinnen nach Auschwitz deportiert. Anna Hinrichs gehörte nicht zu den Häftlingen, die 1945 noch am Leben waren. Die näheren Umstände ihres Todes sind unbekannt.

Stand: November 2016
© Klaus Möller, www.gedenken-in-harburg.de

(Überarbeitung für ´Tiefgang` v. Heiko Langanke)

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