Marias Ballroom, Landemusikrat und Komponistenverband Hamburg kooperieren

Vom Rock- zum neuen klangClub

Im September startet eine ungewöhnliche neue Musikreihe im Marias Ballroom.

Während manche sich nichts sehnlicher wünschen als das wieder zu haben, was sie vor der Pandemie hatten, setzte sie bei manchen auch neue Kreativität frei. So auch im Marias Ballroom, der nun vom Rock- auch zum klangClub wird. 

Das Marias Ballroom ist seit mehr als zehn Jahren die Adresse Nr. 1 für erdige Rücksounds in Hamburgs Süden. Inmitten des Phoenix-Viertels gelegen, geben sich in normalen Zeiten meist schwarz- und lederbekleidete Rockmusiker die Klinke in die Hand. Jetzt aber startet Betreiber Heimo Rademaker eine neue Musikreihe, die mehrfach aufhorchen lässt: nicht nur musikalisch, wenn Geigen- oder Ariengesangstöne den Saal füllen, sondern auch schon bei den Kooperationspartnern. Denn unter dem Titel „klangClub“ starten das Marias Ballroom, der Landesmusikrat Hamburg sowie der Hamburger Komponistenverband eine gemeinsame Reihe, die in Hamburg seines gleichen sucht. Komponierter Punk? Verrockte Klassik? „Warum nicht?“, so Ludger Vollmer, Präsident des Landesmusikrates Hamburg. „Wir sind ein Dachverband für alle Musikliebhabenden in Hamburg, haben jede Menge kreative Leute unter unserem Dach, die ständig an neuen Wegen des Musikmachens tüfteln und auch neue Orte dafür brauchen!“ Und Karsten Gundermann aus dem Vorstand des Hamburger Komponistenverbandes ergänzt: „Wir werden oft als ´Ernste Musik` tituliert, was nicht ganz den Punkt trifft. Denn auch Komponist*innen sind ja zuweilen mit Lebensfreude und Spaß bei der Sache und im Grunde ist unsere Musik oft nur von der Herangehensweise, vom Konzept her anders aufgebaut, klingt aber fürs Ohr doch vertraut und gar nicht so ernst.“ Und Clubbetreiber Heimo Rademaker? „Wir haben uns in der Pandemie kennen und schätzen gelernt. Schon beim SuedKulturSommer in Hamburgs Süden waren viele Ensembles aus dem Verbund des Landesmusikrates und haben uns mit klassischen oder jazzigen Tönen bereichert. Die Kulturkrise schafft dort auch neue Allianzen. Und da ich mit dem Bundesförderprogramm ´NEUSTART Kultur` für das Marias Ballroom bis zum Jahresende etwas finanzielle Unterstützung für Konzerte mit beschränkter Besucherzahl erhalte, wollte ich es auch und zugleich nutzen, um einen Neustart in andere musikalische Gefilde zu starten. Wir sind allesamt sehr gespannt, auf das, was sich dort auftut.“

„Komponisten wie Brahms, Händel, oder Telemann haben in Hamburg schon lange die Tradition begründet, die Freiheit des Komponierens über marktübliche Regularien zu stellen und dabei erstaunliche und doch gesellschaftlich breit anerkannte Werke geschaffen“, freut sich Ludger Vollmer auf das Experiment.

Und so wird am Fr., 17. September die Reihe „klangClub“ auch gleich von der Formation „Sam Panda and The Teeth“ eröffnet. Kopf der Formation ist niemand Geringeres als der aus Australien stammende Musiker und Komponist Samuel Penderbayne, der seit 2012 in Deutschland lebt und arbeitet. Er studierte Komposition bei Prof. Moritz Eggert (München), Prof. Frederik Schwenk (Hamburg) und Michael Smetanin (Sydney). In 2015 schrieb er eine Doktorarbeit an der Hochschule für Musik und Theater, Hamburg, deren Titel lautet: Richtlinien für Genre-übergreifende Komposition – Die Verbindung moderner Musik-Genres mit der klassischen Kompositionstradition.

Mit einem Schwerpunk auf Musiktheater und Bühnenmusik hat er unter anderem am Schauspielhaus Frankfurt, Theaterhaus Jena, Theater Bremen und Trier, am Prinzregententheater  (München) und am Sydney Opera House als Komponist und Performer gearbeitet. 2018 wird seine erste Oper „Ithaka“ (Libretto: Helmut Krausser) an der Hamburger Staatsoper uraufgeführt. 2017 übernimmt er gemeinsam mit Alexander Strauch die künstlerische Leitung des aDevantgarde Festival in München.

Beim „klangclub“ kommt er mit seinen „Teeth“ – Musiker mit unterschiedlichstem musikalischen Background: Rock, Klassik, Elektro, Jazz, Folk etc. „Die Grenzen der Genres sind dazu da, überschritten zu werden, Risse und Brüche sind Ziele musikalischer Interaktion. Die Band ist viele Bands, denn sie tritt in unterschiedlichen Formationen auf und nimmt den Zuschauer mit auf eine parforce-Tour durch klassisch anmutenden Liedgesang, harmonisches Klangrauschen, modalem Jazz, pulsierenden Grooves, Rock und Elektro-Club-Sounds“, so Pernderbayne zum Konzept. Und wenn man es hört, ist einem nach allem, aber sicher nicht nach „Ernster Musik“!

Besetzung: Vocals (Samuel Penderbayne), E-Piano (Henriette Zahn), Geige (Anna Neubert), Cello (Maya Fridman), E-Schlagzeug (Lin Chen)

Am Do., 30. September heißt es dann ´When I fall in love` und geht dann weiter mit dem Duo René Mense und Thorsten Kuhn.  Die beiden Hamburger Musiker kennen sich seit gemeinsamen Studientagen an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg, wo sie 1995 ihren Abschluss im Fach Komposition machten. Sie sind seitdem u.a. auch als Arrangeure der gehobenen Unterhaltungsmusik tätig und geben Konzerte in verschiedenen Genres. Sie werden im Marias Ballroom mit ihrem Programm ´When I fall in love ` das Publikum mit auf eine Reise in die zauberhafte Welt amerikanischer Broadway- und Filmsongs der Swing-Ära bis in die späten 60er Jahre von so namhaften Autoren wie u.a. George Gershwin, Kurt Weill oder Burt Bacharach nehmen. Der Titel deutet an, dass es – natürlich – um das Verliebtsein geht; die Songtexte erzählen aber nicht nur von dem Verliebtsein in Menschen, sondern auch von Dingen, die einem lieb und teuer sind, von Träumen, Landschaften, Jahreszeiten, kurz: den schönen Seiten des alltäglichen Lebens eben…

Am 15. Oktober kommt das Projekt „Blue Note Bach“, bei dem Pianist Jens Schöwing Bach modern und auf einem elektronischen Fender Rhodes interpretiert. Am 28. Oktober gastiert die in Hamburg weit bekannte „UKW Band“ ihr Programm „weltklang“ und am  18. November ist das Projekt CELLO LOOP des Cellisten Stephan Schrader zu erleben.

Jens Schöwing präsentiert mit CELLO LOOP ein halbes Orchester ganz alleine

Neben der Möglichkeit eines Präsenzbesuches hält Clubbetreiber Heimo Rademaker aber noch ein weiteres Schmankerl bereit: denn ausgestattet mit neuer Kamera- und Stream-Technik wird er eine regelrechte Broadcasting-Station ins Leben rufen und so sind im Rahmen des Konzertes auch Interviews mit den Künstler*innen vorgesehen und die Konzertmitschnitte auch eine Zeitlang im Internet als Videomitschnitt zu erleben.

Es wird sich also auch für jene lohnen, die mal den gediegenen Konzertsaalbesuch in einen Clubbesuch der anderen Art tauschen wollen. Sollte die Reihe ausreichend Anhänger finden, denkt Heimo Rademaker jedenfalls daran, die Reihe auch in den nächsten Jahren zu verstetigen und auch weiteren Nachwuchskomponisten und -musikern eine Bühne zu bieten.

Ort: Marias Ballroom, Lasallestr. 11, 21073 Hamburg-Harburg

Website und Tickets unter  mariasballroom.de

mit frdl. Unterstützung der Initiative Musik im Rahmen der NEUSTART-Förderung

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