„Marias Ballroom“ feiert sein 10jähriges Bestehen:

Vom Gast zum Clubbetreiber

Nicht die Markthalle sondern Marias Ballroom im Phoenixviertel (Foto: Tom Jewutis)

„Marias Ballroom“ ist aus Hamburgs Clublandschaft nicht wegzudenken. Das liegt vor allem am Betreiber Heimo Rademaker. Und der feiert jetzt ein Jubiläum.

Das Marias Ballroom – mittlerweile einer der angesagten Clubs nicht nur im Süden Hamburgs – feiert dieses Jahr sein 10jähriges Bestehen. In diesen Jahren hat sich alleine im Süden Hamburgs die Clublandschaft mächtig gewandelt: das Consortium musste schließen und das Stellwerk verlor den Jazz. Aber es kamen auch das „Komm du“, der Speicher am Kaufhauskanal, die Inselklause und nicht zuletzt die Fischhalle neu hinzu. Der Süden wurde ein starkes Pfund in Sachen Live-Musik. 10 Jahre klingen jung. Aber das Geschäft fordert viel ab: neben Spaß, Ausdauer, Nachtarbeit und einen kaufmännischen Blick, den man nicht im BWL lernt. Clubbetreiber zu sein ist eben ein hartes aber zuweilen vergnügliches Brot: Lärmschutz, Versammlungsstättenverordnung, Parkplatzabgabe – das muß man kennen. Und befolgen. Wir haben beim „Chef“ mal nachgefragt …

Tiefgang (TG): Heimo, Clubbetreiber wird man meist nicht von Haus aus. Was hast Du vor dem Ballroom gemacht?

Heimo Rademaker: Ich bin gelernter Elektromaschinenbauer und habe lange als Elektrotechniker gearbeitet, bis zum Ballroom dann als selbständiger Elektrotechniker.

TG: Wofür steht die ominöse „Maria“?

Heimo Rademaker: Maria war die Betreiberin der Gaststätte „bei Maria“ bis 2013. Der Name „Marias Ballroom“ war aber meine Erfindung. Auch finde ich „Heimos Ballroom“ nicht so schick. Da der Name aber bereits bekannt war, haben wir ihn auch behalten.

TG: Wie bist Du zum Ballroom gekommen?

Heimo Rademaker: Zuerst habe ich mit Freunden und als Gast die Kneipe ´bei Marias` besucht. Das wurde dann eine Art Stammlokal und das Verhältnis zu Maria war gut. So fingen wir in den von ihr nicht mehr genutzten Räumen an Partys zu veranstalten, später dann Live Acts. Und ab 2014 habe ich den Laden dann alleine von ihr übernommen, schwer renoviert und erneuert.

TG: Macht man einfach einen Club auf oder was ist zu beachten?

Heimo Rademaker: Da die Kneipe bereits lief und ich keine Kosten hatte, war es erstmal einfach anzufangen. Die Gema und die KSK sollte man aber von Anfang richtig im Griff haben, ansonsten kann es teuer werden. Wir hatten da auch am Anfang unser Lehrgeld bezahlen dürfen.

TG: Fühltest Du Dich in Harburg unterstützt und willkommen?

Heimo Rademaker: Ich als alter Harburger habe einfach angefangen den Club zu bespielen. Wirkliche Unterstützung vom Bezirk gab es nicht und nach einem Willkommen habe ich nie gefragt.

TG: Was stand damals auf dem Eröffnungsprogramm?

Heimo Rademaker: Zuerst haben wir einige Goa Partys hier veranstaltet. Aber im Juni 2009 war das erste Konzert mit der legendären Harburger Vollplaybackband „die 5 Würstchen“ und Dennis Adamus spielte sein erstes Konzert bei uns. Es war voll bis zum abwinken.

TG: Stand es symbolisch für das, was Dir als Clubbetreiber vorschwebte?

Heimo Rademaker: Ich hatte da keine genauen Vorstellungen. Ich habe einfach gemacht. Von 2009 bis 2013 war ich ja auch nur Veranstalter mit Umsatzanteil. Der Rest hat sich dann entwickelt.

Alter Club, neueste Technik (Foto: Tina Buchweitz)

TG: Wofür steht das Ballroom heute?

Heimo Rademaker: Für eine kleine aber feine und komplett ausgestattete Venue auf dem neuestem Stand der Technik. Von Pop bis Rock und Punk findet hier viele Acts ihre Bühne.

TG: Schwelgen wir mal in Erinnerungen: was war dein gefühlt erfolgreichste Konzert und was würdest du nie wieder machen?

Heimo Rademaker: Positiv: Eine Behinderten-Disco bei uns, die uns alle sehr berührt hat. Negativ: Da gab es sicher einiges, aber nichts zu erwähnen, da ich so was schnell vergesse und verdränge.

TG: Für welche Genres steht das Marias Ballroom?

Heimo Rademaker: Es finden sich bei uns fast alle Genres, hauptsächlich aber der Rock-Bereich. Unsere Akustik Events  in der Lounge sind immer frei vom Eintritt, im Ballroom kostet es Eintritt von 8€ bis zu selten 25€. Meist liegt es bei 10 bis 15€. Wir haben bei uns eine sehr familiäre Atmosphäre, leben in Symbiose mit unseren Acts, sind sehr sauber und freundlich.

TG: Das Ballroom liegt in der Lasallestraße inmitten des Phoenixviertels. Ein Club im Wohngebiet – geht das überhaupt?

Heimo Rademaker: Ja, im Phoenix-Viertel anscheinend. Wir sind so gut es geht schallisoliert, beenden die lauten Konzerte immer um Mitternacht und passen auch auf, dass es vor der Tür ruhig bleibt. Wir hatten noch nie einen Polizeieinsatz im Ballroom, warum auch immer … und außer dem BüNaBe (Bürgernahen Beamten, Anm. d. Red.) kennt uns auf der Wache auch keiner, es sei denn als Gast. (Lacht)

schon in den 1930er Jahren Club(lokal)

TG: Was hälst Du von Harburgs Musik- und Clubszene? Was könnte besser oder auch schlechter sein?

Heimo Rademaker: Als wir mit Marias Ballroom anfingen, gab es noch das Consortium, das dann aber bald schloss, den Old Dubliner , das Stellwerk und den Rieckhof. Seitdem ist viel dazu gekommen und die Harburger Musikszene kann sich durchaus sehen lassen.

… und heute (Foto: Tina Buchweitz)

TG: Was erwartet uns nun zum 10jährigen?

Heimo Rademaker: Wir feiern vom 06. bis 27.07.19 unser 10 jähriges mit 14 Acts an 7 Wochenendtagen. Dazu haben wir langjährige Acts und Musiker von uns eingeladen, den Geburtstag mit uns zu feiern. Ein Teil der Einnahmen spenden wir an die Clubstiftung Hamburg der Rest geht an die Acts. Ein Plakat ist erstellt und wird in ganz Hamburg und Harburg verteilt. Im Großen und Ganzen wollen wir einfach zeigen, dass es uns nun bereits 10 Jahre gibt.

TG: Worauf freust Du Dich dieses Jahr persönlich am meisten?

Heimo Rademaker: Auf meinen ersten Urlaub seit 6 Jahren. Ab dem 21. Dezember bis 15. Januar. Ich besuche einen Freund aus Hamburg der nun auf Sri Lanka lebt. Ich bin früher dort viel gewesen.

(das Interview für ´Tiefgang` führte Heiko Langanke)

Zu Heimo Rademaker:

Chef Heimo Rademaker (Foto: Mathias Lintl)

Am 09. April 1962 im Harburger Krankenhaus Irrgarten geboren, in Harburg aufgewachsen und zur Schule gegangen. Zweimal versuchte er in Hamburg – also nördlich der Elbbrücke – zu wohnen, kam aber immer wieder zurück nach Harburg. Nun ist er fest im Phoenix-Viertel mit dem Club „Marias Ballroom“ etabliert und arbeitet und wohnt im selben Haus.

Das Fest-Programm:

Sa., 06.07.19 Celtic Cowboys + Coalfire Bridge

Fr., 12.07.19 Blind Men´s Gun und Degen

Sa., 13.07.19 Chevy Devils und Micky Wolf (Van Wolfen)

Fr., 19.07.19 Axid Rain + Laz Zappeln

Sa., 20.07.19 Black Hawk + 805

Fr. 26.07.19 Frollein Motte (beige) und 3Wishes

Sa., 27.07.19 Surfits + Skaramanga

Weiterführend: www.mariasballroom.de oder www.facebook.com/MariasBallraum

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