Buxtehude und Blagnac gedenken 100 Jahre nach Ende des I. Weltkrieges

Verbrüderung an der Front

(v.l.) Johanna Layer (Vorsitzende des Deutsch-Französischen Freundschaftskreises Buxtehude e.V.), Gründungsmitglied Helga Pehrke und Eva Drechsler, Leiterin des Stadtarchivs, beim Sichten und Zusammenstellen der Quellen. Foto: Hansestadt Buxtehude.

Buxtehude und Blagnac sind deutsch-französische Partnerstädte. Ihre Geschichte war nicht immer freundschaftlich, was nun in einer akribischen Ausstellung manifest wird.

In der Mitteilung der Stadt Buxtehude heißt es:

„Buxtehude. In Buxtehudes französischer Partnerstadt Blagnac ist eine Gruppe von Hobbyhistorikern darum bemüht, jedes auch nur kleinste Detail der Stadt und ihrer Bewohner festzuhalten und den Bewohnern in Publikationen, Ausstellungen und Führungen erfahrbar zu machen. Vor einiger Zeit trat die Gruppe „Blagnac Histoire et Mémoire“ über die Amicale franco-allemande an den Deutsch-Französischen Freundschaftskreis e.V. Buxtehude (DFFK) heran, mit dem Ziel, 100 Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges eine Gedenkausstellung in Blagnac zu veranstalten. Wichtig war den Organisatoren dabei „französische und deutsche Zeugnisse dieser Periode für eine gemeinsame Ausstellung zu sammeln“.

Dabei kam das Buxtehuder Stadtarchiv ins Spiel. Leiterin Eva Drechsler traf sich nun mit Vertreterinnen und Vertretern des DFFK, um eine kleine Auswahl an Quellen zusammenzustellen und als Reproduktion nach Blagnac zu geben. Es handelt sich dabei u.a. um ganz persönliche Dokumente von Familienangehörigen der Vereinsmitglieder wie Feldpostbriefe, aber auch um Texte aus der Wochenzeitschrift „Weltbühne“, dem Sprachorgan der linken Intellektuellen Anfang des 20. Jahrhunderts.

Im Stadtarchiv selbst geben Zeitungsartikel Aufschluss über die Zeit des Kriegsendes. So war zum Beispiel im Buxtehuder Wochenblatt vom 12.11.1918 von „Verbrüderungsszenen an der Front“ zu lesen; der Anzeigenteil führt einerseits Werbung für Konsumgüter und Vorankündigungen fürs Theater und andererseits Aufrufe zum sparsamen Umgang mit Lebensmitteln und Todesanzeigen gefallener Soldaten auf. „Diese Dokumente belegen, wie das Leben in der Stadt trotz der Zäsur des Krieges weiterging“, so Stadtarchivarin Eva Drechsler.

In den Feldpostbriefen hingegen wird die ganz persönliche, kritische Sicht eines Soldaten deutlich, der seine Lebenssituation hinterfragt und dennoch nichts daran ändern kann. Ein einzelnes Schicksal, aber dennoch universell auf viele seiner Zeitgenossen übertragbar. „So beschreibt er das Umfeld des Krieges, den Trennungsschmerz und seine Sehnsucht nach Normalität im Kreise seiner Familie“, erzählt Johanna Layer, Vorsitzende des Deutsch-Französischen Freundschaftskreises. Noch heute befinden sich in einem der Briefe 100 Jahre alte getrocknete Blumen, die er seiner Frau nach Buxtehude-Altkloster schickte.

In der Weltbühne, die Helga Pehrke, Gründungsmitglied des DFFK, näher untersucht hat, werden verschiedene Stimmen auf intellektueller Ebene hörbar und der Zeitgeist gegen Ende des Krieges spürbar. Ein Foto aus dem Bestand der Halepaghen-Schule, das im Stadtarchiv aufbewahrt wird, macht darüber hinaus deutlich, wie hart das Schicksal die Menschen traf: Im Nachhinein wurden die Namen derjenigen Schüler auf dem Gruppenfoto unterstrichen, die den Krieg nicht überlebt hatten und ihr Leben an der Front ließen.

Die Ausstellung in Blagnac ist eine Chance, sich 100 Jahre nach den schrecklichen Ereignissen vor Augen zu führen, wie die Menschen in beiden Ländern mit diesen Umwälzungen umgingen. „Wir sind nun sehr gespannt, wie unsere Quellen in die Ausstellung mit einfließen“, so Eva Drechsler abschließend.“

Quelle: www.buxtehude.de

 

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