Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

unter-bewusst

Auch von oben gesehen ist der Blick nicht immer klar ... (Foto: Sonja Alphonso)

Ich heiße Sophie und ich bin Denkerin.

Ich denke oft, dass weniger manchmal mehr wäre. Aber Besserwissen ist nicht gleich Bessermachen und so frage ich mich, wann ich diese Lektion wohl endlich verinnerlicht habe? Ich erinnere mich gelegentlich, dass ich sie mir bereits hinter die Ohren geschrieben habe. Doch dort habe ich sie ja leider gar nicht im Blickfeld. Vielleicht sollte ich es lieber irgendwo notieren, wo ich es auch LESEN kann.

Gut sicht- und lesbare Notizen sind tatsächlich in mehrfacher Hinsicht sinnvoll und vorteilhaft. Zum einen habe ich dann den Kopf frei für neue bewusste Gedanken, mit denen ich dann wiederum mein Unterbewusstsein füttern kann – dieses Riesenreich, in dem alles so gründlich und nachhaltig abgespeichert, verwertet und sehr, sehr langsam verdaut wird. Ein Vorgang, von dem unser Verstand weitestgehend ausgeschlossen wird. Er ist quasi nur für die Nahrungsaufnahme zuständig. Alles, was er aufschnappt, führt direkt ins Innere, ob es uns nun schmeckt oder nicht. Wir kriegen gerade noch mit, wie wir an manchem lange zu kauen haben und schwer schlucken müssen.

Der Rest findet hinter verschlossenen Türen statt, als handele es sich um Staatsgeheimnisse oder die TTIP Abkommen. Mit etwas Glück kommt das eine oder andere Detail durch einen Traum ans Tageslicht, aber so aus dem Zusammenhang gerissen, können wir uns darauf nicht immer einen Reim machen. Wir verstehen maximal einen Bruchteil von dem, was unter der Oberfläche unseres Bewusstseins geschieht.

Die Ahnung ragt wie die Spitze eines Eisbergs aus unseren Tiefen. Denkt jetzt irgendwer an die Titanic? Und warum? Genau, die Assoziation lag irgendwo in der Hirnrinde oder was weiß ich, in welcher Region verborgen, taucht kurz an der Oberfläche auf, stellt fest: keine Kate Winslet am Bug, dann eben nicht, und zieht sich wieder in den Nebel zurück. 2

 

Ich finde dieses Bild ganz schön, denn so kann ich mir auch anschaulich erklären, wie schnell es unvermittelt zu Katastrophen kommen kann, während man nichtsahnend an Deck steht. Die Warnung „Eisberg voraus!“ kommt leider viel zu spät für ein gelungenes Ausweichmanöver, zack- gerammt, Rumpf aufgeschlitzt, Wassereinbruch, Untergang!

Wie kann ein solches Unglück vermieden werden? Durch den richten Kurs, ein vernünftiges Tempo, Vorsichtsmaßnahmen und höchste Aufmerksamkeit sowie exzellente Kommunikation zwischen Brücke und Maschinenraum.

Das funktioniert im Großen wie im Kleinen. Und deshalb habe ich meinen Kurs geringfügig korrigiert, fahre nicht mehr Volldampf, halte Ausschau und frage öfter Unten nach, ob alles klar ist bei der Mannschaft, die kaum je einer zu Gesicht bekommt.

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