Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Übertreibung mit der Unterdrückung

Illustration: kalhh / Pixabay

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Ist es übertrieben, wenn immer wieder auf problematische Umstände hingewiesen wird?

Manche Themen scheinen zu nerven, wie die Klimakatastrophe. In einem Artikel las ich etwas über die Fragwürdigkeit von altem Schulstoff in neuen Lehrplänen. Die Autorin bekam ihr Fett weg. Von „Emanze“ war die Rede, von „irgendeiner Ursel, die sich wichtigmachen will“ (nein, es ging nicht um eine Politikerin) und von einer „an den Haaren herbeigezogene Unterdrückung der Frau“. Beklagt wurde das Übergewicht jener Themen, bei denen es um eine Hinterfragung von weitverbreitetem Rollenverständnis und das Anliegen von Gleichstellung geht, etwa ein Drittel. Man könnte fast glauben, es handele sich um eine Quote. Die armen Leser, die das aushalten müssen!

Mir persönlich geht Sport ziemlich auf den Keks, trotzdem beklage ich mich nicht über die ausführliche Berichterstattung in den Medien. Möglicherweise befinde ich mich im imaginären Abseits, wenn ich es interessant und sogar sinnvoll finde, sich heutzutage immer noch oder sogar mehr denn je mit all den soziokulturellen Einflüssen zu befassen, die unser Welt- und Selbstbild mitgeformt haben. Gehört es heute noch zur Allgemeinbildung, dieselben Inhalte wie früher vermittelt zu bekommen? Es kann doch nicht schaden, das mal zu überdenken, oder doch?

Stimmt schon, eine Mehrheit möchte möglicherweise tatsächlich lieber aus Macht der Gewohnheit und der Einfachheit halber beim Althergebrachten bleiben. Sollen die Frauen doch endlich zufrieden sein, dass sie Auto fahren dürfen und so.

Wenn sie allerdings Nein sagen, könnte weiterhin doch Ja gemeint sein, und einem starken Mann kann schon mal die Faust ausrutschen…

Am 25. November war der internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen. Kann so ein Aktionstag etwas bewirken? Es sorgt für etwas mehr Aufmerksamkeit und hoffentlich für eine gesellschaftliche Ächtung dieser weit verbreiteten Spezies von Einzeltätern – es sei denn, gewisse Herren der Schöpfung finden den Aufschrei der Frauen maßlos übertreiben, Beschimpfungen und Verletzungen halb so schlimm, und überhaupt sollten sie erstmal ordentlich einparken lernen, bevor sie auf die Straße gehen!

Klinge ich zynisch? Ja, aber leider sind solche Vorstellungen noch nicht überholt.

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