Ausstellung und Symposium zu den Bossards im Nationalsozialismus

Überm Abgrund des Nichts

Jutta u Johann Bossard vor dem Kunsttempel 1928 (Foto: Kunststaette Bossard)

Mancher war kein Nazi und buhlte doch um die Gunst der Machthabenden. Eine kritische Auseinandersetzung erfolgt nun auch mit den Bossards an ihrer Jesteburger Kunststätte.

Am vergangenen Wochenende eröffnete die Kunststätte Bossard ihre Ausstellung zu den Bossards in den 1930er und 40er Jahren. In einem ganztägigen Kolloquium diskutierten Fachleute gemeinsam mit dem Publikum das künstlerische Schaffen und die Weltanschauung des Künstlerpaars.

Fest steht nun, dass Johann Bossard zwar nie Mitglied der NSDAP war, dass er aber zwischen 1932 und Mitte 1934 mit einzelnen Inhalten der NS-Ideologie sympathisierte. In dieser Zeit versuchte er, mit Unterstützung seiner Förderer, Funktionäre der NSDAP für sein Gesamtkunstwerk zu begeistern. Diese Bemühungen blieben jedoch erfolglos. „Nach dem missglückten Besuch Alfred Rosenbergs und der Mordwelle vom Sommer 1934 (‚Röhm-Putsch‘) brach Bossard im September 1934 die Phase der vorsichtigen Fühlungnahme zu den neuen Machthabern abrupt ab“, stellte Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr fest. „In der Folge verhielten sich die Bossards unauffällig und bewegten sich in vorsichtiger Distanz zum NS-Regime.“ Zusammenfassen lasse sich diese Haltung eines Rückzugs in die private und unpolitische Neutralität am besten mit Bossards eigenen Worten aus dem März 1937: „Die Erfolglosigkeit meiner Lebensarbeit ist kein Argument gegen den künstlerischen Wert meiner Werke. Vielleicht ist es sogar eine Gunst des Schicksals, dass wir nicht den Missbrauch guter Absichten zu erleben brauchen.“

Prof. Dr. Frank-Lothar Kroll von der Universität Chemnitz bestätigte diese Einschätzung. Er kam zu dem Schluss, dass Bossard zu jenen Vertretern gehörte, die „infolge einer begrenzten Übereinstimmung mit einzelnen nationalsozialistischen Weltanschauungsinhalten dem neuen Regime zunächst mit einem gewissen Wohlwollen, dann jedoch, und zwar sehr bald schon, mit wachsender Reserve und Distanz begegneten, sich mit ihm arrangierten, ohne sich ihm anzudienen oder sich ihm umstandslos zur Verfügung zu stellen.“

Udo Bermbach, Frank Lothar Kroll, Janina Willems, Magdalena Schulz, Maike Bruhns, Roger Fornoff, GudulaMayr, Rainer Rempe, Marion Junker und Ingo Engelmann beim Symposium. (Foto: Kunststätte Bossard)

Das Team der Kunststätte Bossard und der Stiftungsvorstand beschäftigt sich schon seit Längerem mit der Geschichte der Bossards in der NS-Zeit. Landrat Rainer Rempe resümierte im Podiumsgespräch: „Ich freue mich, dass es Frau Dr. Mayr gelungen ist, hochkarätige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zu gewinnen. Wir zeigen, dass wir transparent und kritisch mit der Vergangenheit des Gesamtkunstwerks umgehen. Die Befürchtungen einer NS-Belastung Bossards konnten so transparent und belastbar ausgeräumt werden.“ Mit dem sehr gut besuchten Kolloquium, der Ausstellung, einem begleitenden Katalog und der Edition von Bossards theoretischen Texten werden die Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. „Ein so aufwendiges Projekt konnten wir nur mit der großzügigen Förderung durch das niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur, die Ernst von Siemens Kunststiftung, die EWE Stiftung und den Freundeskreis der Kunststätte Bossard realisieren“, bedankte sich Museumsleiterin Dr. Gudula Mayr.

Die Ausstellung wird bis zum 5. Mai 2019 an der Kunststätte Bossard gezeigt. Die Schriftenedition kann ab sofort im Museumsshop oder telefonisch unter 04183 / 5112 erworben werden. Der Katalog mit den Kolloquiumsbeiträgen erscheint in Kürze.

Kunststätte Bossard, Bossardweg 95, 21266 Jesteburg, Tel. 04183 / 9759235 (Mo, Di, Fr), www.bossard.de

 

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