Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Überholte Zeiten

Foto: David East / Despositphotos

Ich heiße Sophie und ich bin Denkerin. Ich denke, ich sollte mich kurz fassen, denn Zeit ist knapp und kostbar. Kürzlich hörte ich den Ausspruch: „Das ist ja voll 2016.“ Das gab mir einmal mehr zu denken.

Und so kam mir die Idee, eine Kolumne zum Thema zu schreiben, bevor man mich als Zeitzeugin nicht mehr ernstnimmt.

Es ist vielfach ein teurer Spaß, up-to-date sein zu wollen. Sowohl die Anschaffung als auch der Unterhalt des Equipments, welches alles zu beschleunigen vermag ist kostspielig. Alle 11 Sekunden verlieben sich alle in einem neuen Trend.

Es reicht übrigens nicht, mit der Zeit zu gehen, denn diese ist extrem schnelllebig geworden und beschleunigt sogar noch weiter. Irgendwann ist sie vermutlich schneller als das Licht. Wer nicht zurückbleiben und im Dunkeln tappen will, der muss rennen oder rasen.

Die klassische Gegenwart wird zum Hindernis zwischen Vergangenheit und Zukunft, hält den Fortschritt auf, weil sie die dumme Angewohnheit hat, stur die mittlere Spur zu halten. Die Überholspur bietet hier eine schnelle Lösung an. Manche versuchen auch, die Geistesgegenwart durch dichtes Auffahren einzuschüchtern, in der Hoffnung, dass sie den Weg ein für alle Mal frei macht. ITler tüfteln bestimmt schon mit Hochdruck an einer App, mit der man die Gegenwart wahlweise komplett ausblenden oder sogar überspringen kann.

Ich persönlich tendiere dazu, eine unreife Alternative ins Auge zu fassen: den Standstreifen nutzen, im Hamsterrad einfach einen Schritt zurücktreten und so @hoc im Hier und Jetzt zu bleiben. Aber ich bin schließlich von Gestern und nur eine Stimme aus dem Off.

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