Etliche Veranstaltungen feiern den „Aufbruch in die Demokratie“

Turbulente Zeiten

Hans Leip´s künstlerische Umsetzung der "Demonstration in Hamburg", Zeichnung von 1918

Viele haben heutzutage das Gefühl, alles sei im Umbruch, hektisch und die Welt verändert sich rasant. Vor 100 Jahren war es ähnlich. Ein Rückblick, der lohnt …

100 Jahre Bauhaus, 100 Jahre Volkshochschule, 100 Jahre Universität, 100 Jahre Stiftung Bücherhalle … Was war denn da los – vor 100 Jahren?

Die Revolution von 1918/19 markiert eines der epochalen Ereignisse in der Geschichte. Sie steht nicht nur am Anfang der modernen demokratischen Ordnung des Stadtstaates, sondern ist zugleich der erste historische Umbruch des 20. Jahrhunderts in Hamburg. Diese Zeit des Epochenwechsels brachte auch für Hamburg massive Einschnitte und Veränderungen mit sich – für die Bürgerinnen und Bürger auf politischer Ebene, für die Wirtschaft und den Hafen.

Unter dem Motto „Hamburg 1918.1919 – Aufbruch in die Demokratie“ gibt es in und für Hamburg ein breit angelegtes Ausstellungs-, Veranstaltungs- und Publikationsprogramm. Damit werden ein umfassender Beitrag zur Kenntnis, zum Verständnis und zur Bedeutung dieser komplexen Zeit in der Freien und Hansestadt Hamburg vermittelt und gleichzeitig Aktualitätsbezüge zu Funktionsweisen demokratisch verfasster Gesellschaften geschaffen.

Liest man die Chronologie der Ereignisse von 1918 und 1919 nach, wird deutlich, wie stark diese Jahre das Bewusstsein der Menschen geprägt haben muss. Ebenso macht es dem heutigen Menschen deutlich, wie selbstverständlich manche Dinge geworden, aber es von Haus aus eben nicht sind.

„Januarstreik“

Deutschland­weit fand ein Massen­streik der Arbeiter statt, im Rahmen dessen bessere Arbeits- und Lebens­bedingungen gefordert wurden. In Hamburg schlossen sich vor allem die Werft- und Metall­arbeiter dem Streik an.

20.4.1918

Carl Petersen wird in den Senat gewählt. Petersen war 1924-29 und 1932/33 Hamburgs Erster Bürger­meister und 1930/31 Zweiter Bürger­meister.

5.11.1918

Versammlung in Hamburg

Erste Zeitungs­berichte erscheinen über die revolutionären Vorgänge in Kiel. In Hamburg entwaffnen Matrosen im Hafen Besatzungen der Torpedo­boote, besetzen den Elbtunnel und sichern das Gewerkschaftshaus.

Am Abend formuliert eine Versammlung im Gewerkschafts­haus jene Forderungen:

  • Sofortige Herbeiführung des Friedens
  • Rücktritt der Hohenzollern
  • Sofortige weitgehendste Demokratie im Reich und in den Bundesstaaten
  • Amnestie und sofortige Freilassung aller politisch Inhaftierten
  • Sofortige Einführung des allgemeinen, gleichen, geheimen und direkten Wahlrechts für beide Geschlechter vom vollendeten 20. Lebensjahr an

6.11.1918

Der Arbeiter- und Soldatenrat übernimmt die Macht

Bürgermeister Werner von Melle und Senator Carl Petersen erklären die Bereit­schaft von Senat und Bürger­schaft, sich in den Dienst der „neuen Zeit“ zu stellen. Auf dem Heiligen­geistfeld findet eine Massen­kundgebung statt. Das Stell­vertretende General­kommando flieht aus Altona.

Die Bürgerschaft beschließt einstimmig die Errichtung des Arbeitsamtes

11.11.1918

Kriegsende — Inkrafttreten des Waffenstillstands

Die SPD-Bürger­schafts­fraktion setzt sich für umgehende Neuwahlen der Bürger­schaft ein. Der spätere Hamburger Bürger­meister Max Brauer wird Senator der Stadt Altona.

12.11.1918

Vollständige Machtübernahme des Arbeiter und Soldatenrates

18.11.1918

Senat und Bürgerschaft werden für abgesetzt erklärt (letztendlich nur für 6 Tage), der Arbeiter- und Soldatenrat übernimmt vollständig die politische Macht. Die Exekutive der beiden Räte besteht aus je drei Vertretern der MSPD, USPD und der Links­radikalen sowie 18 Delegierte aus Hamburger Betrieben.

8.11.1918

Senat und Bürgerschaft werden wieder in ihre Befugnisse zur „Aufrechter­haltung der hamburgischen Verwaltung“ eingesetzt, da die Kredit­fähigkeit der Stadt in Gefahr geraten war.

30.11.1918

Das neue Reichswahl­gesetz tritt in Kraft (Frauenwahlrecht, Verhältniswahl, Herabsetzung des Wahlalters auf 20 Jahre)

20.12.1918

Beginn der öffentlichen Wohnbauförderung

Die Bürgerschaft beschließt ein Gesetz zur Förderung des Baus kleiner Wohnung mit öffentlichen Mitteln.

1.1.1919

Demonstration auf dem Heiligengeistfeld

Protestversammlung der MSPD, der USPD, KPD und der Hamburger Linksradikalen auf dem Heiligen­geistfeld gegen die Regierung. Auf der Moorweide findet gleich­zeitig eine von der SPD und den Gewerk­schaften veran­staltete Massen­kund­gebung für Friedrich Ebert und Philipp Scheidemann statt.

7.1.1919

Aufhebung des Zölibats bei Lehrerinnen.

9.1.1919

Die SPD und Gewerkschaften rufen zum Generalstreik am 11.1.1919 auf.

6.3.1919

Mit dem Architekten Emil Maetzel, zugleich Künstler und Mitbegründer der Sezession, tritt eine treibende Kraft der Kultur­szene das Amt des Bau­in­spektors, eine Schlüssel­stellung innerhalb der Bau­verwaltung, an.

16.3.1919

Wahlen zur Hamburgischen Bürgerschaft.

Erste gleiche, geheime, freie und allgemeine Wahlen eines Hamburger Parlaments. Ebenso erste Wahlen für Frauen auf Hamburgischer Ebene.

24.3.1919

Erste Sitzung der demokratisch gewählten Hamburgischen Bürgerschaft: Erstmals eröffnet eine Frau ein Parlament in Deutschland: Alters­präsidentin Helene Lange.

26.3.1919

Nach dem Erlass von 135 Verordnungen durch den Hamburger Arbeiter- und Soldatenrat überträgt dieser wieder die politische Macht an Senat und Bürgerschaft.

28.3.1919

Die neu zusammengesetzte Bürgerschaft wählt den neuen Senat. Werner von Melle wird anschließend zum Ersten, Otto Stolten zum Zweiten Bürgermeister gewählt.

1.4.1919

Spatenstich für die Steenkamp-Siedlung, die erste Kleinhaus­siedlung im Altonaer Raum nach dem Ersten Weltkrieg. Der Garten­stadt­gedanke leitete den Entwurf.

Walter Gropius gründet in Weimar das Bauhaus, die wichtigste Schule für Kunst, Architektur und Design im 20. Jahrhundert.

7.5.1919

Bürgerschaft beschließt Kleinhaus-Siedlung

Angesichts der großen Wohnungsnot beschließt die Bürgerschaft als Bauträger die vollständige Finanzierung einer Siedlung in Langenhorn mit 800 Kleinhäusern.

10.5.1919

Eröffnung der Universität Hamburg

30.5.1919

Mit der Eröffnung des Erweiterungsbaus ist die Neuordnung der Kunsthalle im Sinne des Reformkonzepts Alfred Lichtwarks abgeschlossen und damit der modernen Kunst in Hamburg ein wichtiges Forum geboten.

1.6.1919

Gründung des Hamburger Sportvereins (HSV). SC Germania von 1887, Hamburger FC von 1888 und SC Falke von 1906 schließen sich zusammen

23.-24.6.1919

Hamburger Sülzeunruhen

Auslöser des Aufstands war die Vermutung, dass verfaulte Kadaver zu Sülze verarbeitet wurden. Gewalt gegen Besitzer von Fleisch­fabriken brach aus und auf dem Rathaus­markt wurde ein öffentlicher Pranger aufgestellt. Es kommt zu einer Belagerung des Rathauses. Am 1.7.1919 marschieren Reichswehr- und Freikorps-Truppen in die Stadt ein, um die Unruhen zu beenden, obwohl sich die Lage beruhigt hatte. Durch das rigorose Vorgehen der Truppen kam es insgesamt zu 80 Toten.

28.6.1919

Der Versailler Vertrag wird unterzeichnet.

1.8.1919

Antrag zur Umwandlung der Bücherhallen in eine öffentliche Einrichtung

Die Bücherhallen, die 1899 von der Patriotischen Gesellschaft gegründet wurden, wurden Anfang 1920 zur Stiftung Hamburger Öffentliche Bücherhallen (HÖB)

1.10.1919

Zusammenschluss der Ortskran­kenkassen und weiterer Kassen zu Allgemeinen Ortskrankenkasse Hamburg (AOK)

5.12.1919

Versammlung der im Wohl­fahrts­bereich tätigen Sozial­demokrat­innen und Sozial­demokraten, in deren Folge im Februar 1920 die Arbeiter­wohlfahrt („Hamburger Ausschuss für soziale Fürsorge“) gegründet wird

Weiterführend: hamburg-18-19.de

Veranstaltungen: hamburg-18-19.de/veranstaltungen

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