Rundgang zum Gedenken an Hans Leipelt und seiner Familie

Tod durch das Fallbeil vor 75 Jahren

Hans Leipelt

Das Schicksal der Familie Leipelt wurde vor allem durch das Bündnis „Weiße Rose“ im Schatten des Hakenkreuzes bekannt. Nun führt ein Rundgang durch ihre Wilhelmsburger Heimat.

Von Klaus Möller

Die Familie Leipelt wohnte in der NS-Zeit in der damaligen Kirchenallee (heute: Mannesallee), in unmittelbarer Nähe der ev.-luth. Reiherstiegkirche. Hans Leipelt (*18.7.1921) und seine Schwester Maria (*13.12.1925) besuchten die Wilhelmsburger Oberschule (heute: Stadtteilschule Wilhelmsburg) in der Rotenhäuser Straße. Ihr Vater, Dipl.-Ing. Konrad Leipelt,

(*15.5.1886) war technischer Direktor der Wilhelmsburger Zinnwerke, in der Neuhöfer Straße. Er war verheiratet mit Dr. Katharina Leipelt, geb. Baron, (*28.5.1892), deren Eltern zu den österreichisch-ungarischen Jüdinnen und Juden gehörten, die im Laufe des 19. Jahrhunderts in großer Zahl zum Christentum übergetreten waren.

In der NS-Zeit wurden auch diese Juden christlichen Glaubens zu Reichsfeinden erklärt und als `Nichtdeutsche´ grausam verfolgt. Im März 1938 nahm sich Katharina Leipelts Bruder in Wien das Leben. Im August 1940 wurde Hans Leipelt als `Halbjude´ aus der Wehrmacht ausgeschlossen, und im Juli 1942 wurde seine Großmutter nach Theresienstadt deportiert.

Als Konrad Leipelt drei Monate später einem überraschenden Herzschlag erlag, verloren seine Frau und seine Kinder ihren letzten Schutz. Nach drei Trimestern musste Hans Leipelt sein Chemiestudium in Hamburg abbrechen. Mit viel Glück bekam er am Chemischen Institut der Ludwig-Maximilians-Universität in München einen neuen Studienplatz. Im Oktober 1943 wurde er dort von der Gestapo verhaftet. Er hatte Geld für die Familie des hingerichteten Professors Kurt Huber, eines Mitglieds der `Weißen Rose´, gesammelt und war denunziert worden war. Außerdem hatte er das letzte Flugblatt der `Weißen Rose´ vervielfältigt und in Hamburg und München unter Freunden verteilt. Bald darauf wurden auch seine Mutter und seine Schwester in Hamburg verhaftet. Katharina Leipelt wurde am 9. Dezember 1943, kurz nach ihrer Festnahme, tot in ihrer Zelle im Polizeigefängnis Fuhlsbüttel aufgefunden.

Hans Leipelt wurde am 13. Oktober 1944 vom Zweiten Senat des Volksgerichtshofs wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt. Er starb – vor 75 Jahren – am 29. Januar 1945 unter demselben Fallbeil, mit dem der Scharfrichter vorher auch das kurze Leben der Geschwister Scholl gewaltsam beendet hatte. Am 14. April 1945 befreiten amerikanische Truppen seine Schwester aus der Haft in Bayreuth.

Rundgang: auf den Spuren Hans Leipelts und seiner Familie in HH-Wilhelmsburg

Sonntag, 2. Feb., 15.00 Uhr, kostenfrei

Treffpunkt: Ecke Georg-Wilhelm-Str./Rotenhäuserstr. (Bushaltestelle), 21107 Hamburg

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