Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Tiraden

Ill.: thommas68 / Pixabay

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Heute stelle ich das Kommunikationsklima in den sozialen Netzwerken auf den Prüfstand.

Lange Zeit war es mir gelungen, mich in Kreisen zu bewegen, in denen wirklicher Austausch stattfand und ich inspirierende Beiträge lesen und teilen konnte. Ich wusste, Hatespeek findet statt, aber andernorts.

Doch dann sickerten hier und da Kommentare durch, mit denen ich wenig anfangen konnte und die mir zu denken gaben. Zum Teil waren sie ignorant, zum Teil unsachlich oder gar beleidigend.

Aus unterschiedlichen Anlässen frage ich mich, wozu solche Plattformen gut sein sollen. Um den Austausch scheint es allerlei Leuten nicht zu gehen. Sie lehnen es rigoros ab, mit Andersdenkenden zu kommunizieren und sind schnell auf Zinne, wenn sich so jemand zu Wort meldet.

Mir fiel unser Familienhund von früher ein, ein Hasenfuß vor dem Herrn. Sobald der im Auto saß, markierte er ein wildes Raubtier, fletschte die Zähne wie eine böse Bestie und geiferte lautstark gegen die Scheibe. Kaum öffnete sich die Autotür, verwandelte er sich zurück in den kleinlauten Angsthasen, der er war.

Das lehrt mich das Fürchten, dass ich es auf der Straße womöglich keinem Menschen ansehen könnte, der im Netz herumkrakelt und seinen Aggressionen freien Lauf lässt, sobald er eine günstige Gelegenheit wittert.

Ich beobachte gruppenübergreifend eine solche „geistige Armut“, die alles ausgrenzt, was nicht voll auf der eigenen Linie liegen. Das Interesse am anderen hält sich in engen Grenzen. Im Vordergrund steht die Bestätigung der Selbstgerechten.

Sind wir so auf den Hund gekommen? Dann hoffe ich mal, dass das nur ein neurotisches Ventil ist und wir einen anderen Ton anschlagen, wenn wir uns im wirklichen Leben begegnen. Es spricht doch eigentlich nichts gegen gute Argumente und ein friedliches Miteinander, oder?

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