Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Telekommunikation – oder eine Zeitreise

Ill.: Laety79 / Pixabay

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Ich denke ein wenig nostalgisch zurück. Früher war alles anders.

Ich kann mich an Zeiten erinnern, da gab es eine Wählscheibe am Telefon. Man stand oder saß in unmittelbarer Nähe des kachelgrünen Apparates und hatte nur geringfügig mehr Bewegungsfreiheit als in einer Telefonzelle. Ein erster Schritt aus der Gefangenschaft in die Freiheit und Richtung Mobilität verlief nur halbwegs schnurstracks, denn längere Telefonschnüre wickelten sich von Haus aus schnell auf und drehten sich um sich selbst. So nahmen die Kabelbinder einen recht rasch wieder an die kurze Leine; Es war eine unbefriedigende, einengende Beziehung, die zu wünschen übrig ließ.

Heutzutage wird man dagegen vorzugsweise vom Internet gefesselt.

Damals wie heute war die Privatsphäre z. T. öffentlich, früher befand man sich meistens in Hörweite von Mitbewohnern, während man in einen gebogenen Hörer sprach und dem Rauschen am anderen Ende der Leitung lauschte. Abends war das Telefonieren übrigens billiger, weshalb Klingelstreiche aus Kostengründen zu späterer Stunde vertretbarer waren. Einzelne Unbekannte wurden gefoppt, heutzutage kann man Fake News breit streuen.

Was noch? Telefone klingelten alle gleich lautstark und klangen unverwechselbar nach Telefon und nicht wie Musik, ein Film oder ein bellender Hund.

Telefonverzeichnisse waren umfangreich wie ein Lexikon. Aufgeteilt in mehrere Bände von A-Z wurden die Wälzer innerhalb einer festgelegten Zeitspanne in Postfilialen ausgeteilt. Man stand Schlange für eine ordentliche Portion Telefonbuch plus Gelbe Seiten.

Inzwischen steht man manchmal auf der Datenautobahn im Stau und der Handel mit Adressen hat ungeahnte Ausmaße angenommen. Das passt in kein Telefonbuch und erst recht auf keine Kuhhaut. Dafür braucht es viel größere Datenspeicher, wie z. B. die großer Banken, Konzerne oder Geheimdienste. Tragischerweise gehen auch mal Identitäten verloren.

Wenn früher mal Seiten aus Telefonbüchern gerissen wurden (Vandalismus gab es zu meiner Zeit auch schon), war der maximale Schaden, dass einige Namen und deren Telefonnummern fehlten. Die meisten hatten wir sowieso im Kopf, aber heute wird unser Gedächtnis schon über Gebühr beansprucht mit etlichen PINs und PUKs und Passwörtern.

Altmodisch wurden Hörer verwanzt, jetzt kann schon auf der Festplatte und der Höhe des technischen Fortschritts ein Spion sitzen und alles aufzeichnen.

Aber die meisten Menschen haben ja auch nichts zu verbergen. Nur herein in die gute Stube – und wenn wir schon dabei sind: folgt mir auf allen meinen Wegen!

 

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