Einige Worte zur Decke, damit sie nicht auf den Kopf fällt …

Technik in der Krise

Foto: Stock Snap / Pixabay

John Pütz sitzt wie wir alle zuhause und macht sich so seine Gedanken …

Den Dieter aus dem Erdgeschoss hat´s erwischt. Ganz bleich, faltig und klapprig sah er aus, als ich ihn kurz vor der Haustür traf.

Ob er jetzt unter Quarantäne müsse, fragte ich ihn – so wie er aussähe.

„Hör bloß auf“, fluchte er. Von seiner Arbeit hätten sie ihn heute Morgen angerufen. Müsse ja alles irgendwie weitergehen und er soll mal ein Sky-Konto einrichten und dann mache man ne Videokonfi. Erst hätte er ja gedacht: Mein lieber Herr Gesangsverein, da fahren die aber auf. Gleich ins Fernsehen. So wie Oli Kahn bei Championsleague-Spielen. Ob das nicht etwas übertrieben sei? Vor allem, wer wolle das sehen? Schließlich arbeite er doch bei einem Verleih von Baustellen-Klos. „Das guckt sich doch niemand an!“

Doch dann habe sich das aufgeklärt. Die meinten gar nicht Sky, dieses Abo-Fernsehen. Die meinten Skype, mit dem man über Tablet und Handy sich über Live-Filmchen kurzschaltet.

Klar, da war Dieter nicht drauf vorbereitet. Das Zeug aus dem WeltweitNetz runter zu laden hat er noch hinbekommen. Aber dann ging es schon los. Er müsse das Mikro an seinem Tablet anstellen. „Was für ein Mikro? Sehe ich aus wie von den Abbey Road Studios?“ Und eine Kamera muss laufen? „Hör mal, ich hab nen Tablet beim Technikladen um die ecke gekauft und nicht in Hollywood!“ Ich merkte schon: das war wohl nicht Dieters Welt.

Den halben Tag habe er dann mit Leuten telefoniert, ob die sich damit auskennen, habe im Internet sich die Gebrauchsanleitungen durchgelesen und auf seinem Tablet geladen, gelöscht, installiert und verschoben, verbunden und verkabelt: „Ich hab geschuftet, als wenn ich ein Haus neu baue!“

Doch pünktlich bis zur angesetzten Konferenzschaltung hätte dann sein Home-Studio gestanden. „Ich bin ja schon nen bisschen älter. Aber mit der Technik halte ich dann doch noch mit!“, strahlte Dieter und bekam auch langsam wieder Farbe ins Gesicht. „Und was habt Ihr dann so wichtiges besprochen?“, fragte ich . Dieter stutzte, winke ab und brummelte: „Vergiss es. Ich bin dabei eingepennt. Das haben sie alle per Skype-Video jetzt zuhause auf ihren Festplatten. Echt prima. Hatten alle ihr Spässchen. Und mir  haben sie dann einfach ein PDF nach Hause geschickt. Ging um die Urlaubsplanungen im Sommer. Die hammse doch noch alle…“

Euer John Pütz

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