Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Synergieeffekte

Ausschnitt aus Anne Beeckens "Gelbe Welle"

Kürzlich erlebte ich ein bemerkenswert schönes Zusammenspiel auf verschiedenen Ebenen. Alles greift ineinander und fügt sich zu einem Erlebnis der besonderen Art zusammen.

Zum einen ist da die Kunstleihe, für die ich schwärme und mich stark mache, weil sie eindrucksvoll eine eigene Dynamik entwickelt und das Bewusstsein verändert. Die Möglichkeit, sich unglaublich kostengünstig Kunstwerke auszuleihen und in den eigenen vier Wänden wirken zu lassen, ist eine Einladung an alle Menschen, einen persönlichen Zugang zu etwas unsagbar Kostbarem zu finden: Inspiration. Auf der zweiten Ebene kommen Bilder ins Spiel, für die ich mich begeistere und in die ich quasi mit allen Sinnen eintauche. Und schließlich beschäftige ich mich mit dem Fachbuch von Ulrike Hinrichs „Kunst als Sprache der Intuition“.

In der Kunstleihe komme ich sowohl mit Künstlern und ihren Werken als auch mit Betrachtern ins Gespräch und finde das anregend und bereichernd. Obwohl ich schon immer „kunstaffin“ und auch kreativ war, kann ich durch den Kontakt an mir selbst verstärkt Veränderung beobachten. Die Kunst hat einen Rückkopplungseffekt. Ich reagiere auf das Energiefeld und bin gleichzeitig Mitwirkende des sich weitenden Bewusstseins. Das mag etwas komisch klingen, doch tatsächlich steckt darin für mich die elementare Erkenntnis, dass wir Teil einer fulminanten Schöpfung sind, gleichermaßen Gestalter und Betrachter in einem universellen Meisterwerk. Die Welt trifft auf unseren Resonanzkörper. Er liebt es, sich einzuschwingen und lässt uns aufleben, wenn wir die richtige Frequenz für uns gefunden haben. Elias Canetti behauptete, ein Werk brauche die Erfahrung des Betrachters, um zum Leben erweckt zu werden. Das bedeutet, dass ein Werk schweigt oder wir vielleicht nur ein dissonantes Rauschen wahrnehmen, wenn wir nicht auf gleicher Wellenlänge sind. Wissenschaft und Technik sind ohne Frage faszinierend, aber vermögen sie uns wirklich zu bewegen und in Harmonie bringen mit einer größeren Ordnung natürlichen Ursprungs? Sind es nicht vielmehr Berührungen und andere Sinneswahrnehmungen, die uns ein Gespür für den göttlichen Funken vermitteln, der in allem schlummert?

Das Denken scheint dafür weniger geeignet als Musik und Tanz, Poesie und bildende Künste. In einem Bild von Anne Beecken sehe ich eben jene Verschmelzung aller Ebenen, die mich selbst erfasst. Ich verliere mich in der Betrachtung und finde mich zugleich wieder. Mein holografisches Ich ist berührt und zutiefst verbunden mit den weichen Wellen. In dieser Bewegung komme ich ganz und gar zur Ruhe. Und in der Ruhe liegt die Kraft. Ich fühlte mich unwiderstehlich angezogen von dem Bild. Mein Verstand ist bemüht, Erklärungen nachzuliefern, was ein anderer Teil von mir unmittelbar „wusste“, weil es spürbar war. Die Ahnung ist schneller und umfasst mehr Sinneswahrnehmung, als wir bewusst gewahr werden.

„Das Wissen ist nicht im Gehirn, sondern das Gehirn im Wissen.“ (Hans Hein)

Ist es müßig, diese Vorgänge in Worten fassen zu wollen? Vielleicht, aber trotzdem ist es mir ein echtes Anliegen, und ich hoffe, dass man meinen Gedanken folgen kann. Die erwähnte Anziehungskraft ist am ehesten vergleichbar mit Sichverlieben.

Man kann sich nicht aussuchen, bei wem oder was der Funken überspringt. Zwar mag man rationale Gründe haben, sich für diesen oder jenen Partner zu entscheiden, aber eine solche Allianz ist nicht vergleichbar mit dem überwältigenden Gefühl von Liebe. Auch dafür ließen sich Erklärungen finden, biochemische Prozesse etc., damit das Kind einen Namen bekommt. Aber was wir fühlen ist: Der/ die/ das ist das Richtige für uns, hier und jetzt.

Nicht umsonst ist das Thema Liebe eines der meist besungenen, besprochenen gemalten und dargestellten. Es ist das stärkste Motiv des Lebens, denn es öffnet Kanäle und macht uns empfänglich für eine unfassbare Energie.

Wenn wir lieben, überspringen wir den Zwischenraum und stehen auf der Brücke, die in eine Welt voller Zauber und Magie führt.

Künstler folgen ihrer Intuition und gestalten, was ihnen in den sechsten Sinn kommt. Sie sind Medium, Diener einer Eingebung und Vermittler einer rätselhaften Kraft.

Sie wissen selber nicht, was bei ihren Werken herauskommt, sondern lassen sich „nur“ ein auf einen selbstbildenden Prozess. Das macht sie in gewisser Weise ebenso zum neugierigen Betrachter. Doch durch ihre ausgelebte Kreativität geben sie dem Wunder Gestalt und anderen Menschen die Möglichkeit, für sich selbst etwas in der jeweiligen Ausdrucksform zu erkennen und weiter zu transformieren.

Die Kunst knüpft Kontakte.

 

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