Eine Nachlese zum Harburger Literaturfestival 2017

SuedLese und die lokalen Literaten

Die 2. SuedLese – die Literaturtage des Hamburger Südens – fanden mit über 30 Lesungen an 14 Orten mehr als guten Zuspruch. In der Bücherhalle Harburg war die Star-Lesung mit Wladimir Kaminer binnen weniger Tage ausverkauft, die Schreibwerkstatt Harburgs im „Alles wird schön“ in Heimfeld hatte ebenso keinen freien Patz mehr wie auch die Lesung in der Buchhandlung am Sand restlos ausverkauft war.

Buchhändler Georg Schmitt: „Die Zuhörer waren sehr angetan und wir waren überrascht, wie schnell die Plätze vergriffen waren“. Auch Kerstin Brockmann (Schreibwerkstatt) bringt es gut auf den Punkt: „Ich bin begeistert, dass so viele Menschen zu unserer Lesung gekommen sind. So konnten wir einmal mehr zeigen, dass Harburg über eine eigene tolle Literaturszene verfügt. Es war ein wunderschöner Abend.“ Die Volkshochschule Harburg, Bücherhalle Harburg und Buchhandlung am Sand jedenfalls sind sich einig, künftig mehrfach im Jahr gemeinsame Lesungen anzubieten.

Und das hat seinen Grund: denn das gemeinsame Literaturfest hatte sich seit 2016 gut herumgesprochen und die Literaturveranstalter konnten sich über Bewerbungen nicht beklagen. Und es sollten vor allem die regionalen Literaten sein, die zu Wort kamen. So Birgit Storm, im normalen Leben Berufschullehrerin in Hamburg, las im gut gefüllten und nicht gerade für Literaturkenner bekannten Restaurant „Rönneburger Park“ aus ihrem aktuellen Krimi „Außenseiter“. Christiane Fux, lebt in München, wuchs aber in Wilhelmsburg auf, freute sich, mit „Das Mädchen im Fleet“ ausgerechnet in Hamburg-Süd einen Krimi vorzustellen, der in Wilhelmsburg spielt. Noch nicht fertig gestellt aber in Harburg geschrieben ist der Roman „Das Vermächtnis“ von Ute Holst, die sich schon jetzt über die große Resonanz zu ihrem Schreibstil freuen kann. „Die Anregung kam von Kerstin Brockmann, der Leiterin der Schreibwerkstatt. Heute kann ich mir gar nicht mehr vorstellen, nicht zu schreiben“, so Ute Holst.

Und auch die in Harburg lebende Conny Schramm könnte mal ein Sternchen am Literatenhimmel werden. Zumindest lässt es die Resonanz auf ihr erstes eigenes und autobiografisches Werk „Mein ungebügeltes Leben“ vermuten. Schramm zur SuedLese: „Ich wünschte mir,  dass  meine Leser angerührt sind, dass sie Lachen und Nachdenken. Und das ist erstaunlich gut gelungen!“

Auch Heiko Langanke von der freien Initiative SuedKultur ist zufrieden mit der Entwicklung der SuedLese. „Letztes Jahr hatten wir einfach mal einen Schwerpunkt setzen wollen, um der Literatur in Süderelbe eine angemessene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Und das hat richtig Schwung und Inhalt bekommen!“ Er freut sich vor allem über die thematische Aktualität der Lesungen. Es ging viel das Thema Wandel, Migration, Freiheit und menschliche Biografien. „Das sind im Grunde die zentralen Themen unserer jetzigen Gesellschaft“, so Langanke. „Besonders wertvoll scheint mir aber, dass die lokalen Literaten und Lese-Veranstalter sich gut vernetzte und so zu einer gemeinsamen kulturellen Identität Harburgs beitragen. So wichtig auch große Stars sind – Kultur braucht immer auch lokale Bezüge und die treten hier einmal mehr stark hervor.“

Die Stärkung der lokalen Literaturszene würde er gerne auch weiter ausbauen. Einen guten Beginn sieht er mit dem mittlerweile etablierten Online-Feuilleton „Tiefgang“, in dem wir mehrere lokale Autoren umfangreicher vorstellten. „Das wird auch  fortgeführt werden und soll Raum schaffen, sich in eigenen Gedanken und Worten darstellen zu können“, so Langanke. Eine weitere Überlegung ist es auch, im kommenden Jahr bewusst mit Schulen Schreibprozesse zu starten und vielleicht einige davon im Rahmen der nächsten SuedLese einem breiteren Publikum vorzustellen. „Es wäre gut, wenn einige Harburger Schulen sich die Zeit nähmen, dies genauer und frühzeitig mit uns zu planen.“

Möglich wurde die SuedLese letztlich aber nur durch durch viele verschiedene Unterstützer. Vorne voran die Stiftung Nachbarschaft der Saga/Gwg, aber auch durch den Verfügungsfonds „Harburg – Eissendorf-Ost“ und des Rotarier-Clubs Hamburg-Haake sowie einzelner privater Spenden und einiger Anzeigen im Programmheft.

„Wir werden uns in Kürze treffen, um darüber zu sprechen, ob wir eine weitere SuedLese im nächsten Jahr machen werden. Die Finanzierung von etwa 6.000,- € wird da sicher ein zentrales Thema sein“, so Heiko Langanke. Wer sich also schon jetzt als literarischer Unterstützer sehen will, ist herzlich willkommen. Kontakt über 040 – 300 969-41 oder kontakt(at)sued-kultur.de

 

 

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