Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Stimmband

Wachstum auf Umwegen (Foto: S. Alphonso)

Ich heiße Sophie und ich bin Denkerin.
Ich denke darüber nach, den Beruf zu wechseln. Es ist nämlich so, dass mir etwas anderes in die Wiege gelegt wurde als das, was ich dann lernte. Ich bin Kauffrau wider Willen geworden, konnte damit auch einigermaßen gut leben, aber irgendwann klopfte innerlich eine tiefe Sehnsucht an mein Herz und bat um Einlass. Das hatte dramatische Folgen, die ich hier nicht weiter erörtern will. Bei dem Richtungs-wechsel hin zu mehr Kunst & Kultur & Kreativität ergab es sich eines Tages, dass ich über Umwege erfuhr, dass ich beneidenswert schöne Stimmbänder habe. Nichtsahnend hatte ich von Anfang an ein sehr stilles Dasein gefristet, in dem Glauben, ich hätte sowieso nichts zu sagen. Nach Singen war mir in meiner Kindheit und Jugend ebenfalls eher selten. Insgesamt traute ich mich relativ selten, den Mund aufzumachen. Ich hatte Angst und eine enorm hohe Hemmschwelle. Über die kam ich – unsportlich wie ich bin – erst vor wenigen Jahren hinüber. Man mag sich also meine Überraschung vorstellen, als mir die fulminante Neuigkeit über meine Stimmbänder eröffnet wurde. Wie ahnungslos ich doch die ganze Zeit gewesen war! Es war so, als hätte mir jemand mitgeteilt, ich hätte zwei Herzen.
Nun bin ich zwar nicht gleich in einen Chor eingetreten und halte mich nach wie vor für relativ unmusikalisch. Aber weil ich theoretisch das Zeug zur Sopranistin hätte, übe ich mich darin, hemmungslos und in den höchsten Tönen von denjenigen zu schwärmen, die mich als Künstler, Autoren, Musiker und Mitmenschen begeistern und beflügeln! Es existiert ein inneres Band zu ihnen, das mitschwingt, wenn ich ihrem Können lausche. Und es ist mein höchstes Ziel, das wohlklingend zum Ausdruck zu bringen.

(01. Feb. 2017, SZ)

Verwandte Beiträge

Druckansicht    

Facebook Kommentare