Schach

Collage: PIRO4D / Pixabay

Ich heiße Sophie und ich bin Denkerin.  Manchmal neige ich dazu, gedanklich zu springen, was allerdings für Zuhörer anstrengender ist als für mich selbst.

Neulich gelang mir ein Weitsprung, der selbst für meine Verhältnisse recht sportlich ist. Ich weiß gar nicht mehr, wie ich darauf kam, jedenfalls führte ein blitzartiger Einfall zu einem längeren Gedankenspiel.

Ich malte mir in schwarz-weiß aus, dass ich beim Schach gerne das Pferd wäre, weil ich dann gleichzeitig geradeaus und um die Ecke denken und mich über Hindernisse hinwegsetzen könnte. Interessant wäre auch, die Farbe automatisch nach jedem Zug zu wechseln. Vom schwarzen Standpunkt käme ich auf ein weißes Feld und umgekehrt.

In der Folge nahm ich nacheinander auch die anderen Figuren in Augenschein und spielte die Szenerie durch.

Bauern müssen sich nicht nur häufig opfern, sie sind auch extrem unflexibel. Kaum treffen sie auf ein Gegenüber, stoßen sie auch schon an ihre Grenzen und kommen nicht weiter. Ein Bauer stellt meist nur eine kleine und kurzfristige Bedrohung dar, die schnell aus dem Weg geräumt oder geschickt umgangen wird. Sollte es ihm jedoch ausnahmsweise gelingen, unbeschadet die andere Seite zu erreichen, ist er zwar auch hinüber, doch sein selbstloser Einsatz wird posthum gewürdigt. Denn er tauscht sein Leben gegen ein anderes und ermöglicht die Wiederauferstehung verloren geglaubter Macht.

Besonders begehrt ist die Dame, die die Fähigkeiten von Turm und Läufer in sich vereint. Sie kann sowohl geradeaus als auch diagonal denken und handeln, und das in jede Richtung. Das ist schon toll. Aber eines kann sie nicht: springen.

Der, um den sich alles dreht, macht so gut wie gar nichts. Steht fast die ganze Zeit untätig herum oder geht in Deckung, wenn es brenzlig wird. Er hat ja schließlich Bodygards, die ihren Kopf für ihn hinhalten sollen, um ihn zu schützen. Denn, auch das muss gesagt werden, er ist extrem verletzlich. Wenn er fällt ist das Spiel aus. Tragisch, aber nicht zu ändern.

Neues Spiel, neues Glück…, denn jedem Ende wohnt ein Anfang inne. Es lebe der König!

Wer dieses Gedankenspiel für schwarz-weiß-malerei hält, dem entgegen ich matt: War doch nur ein kleiner Seitensprung mit einem Brett vorm Kopf, ohne Bedeutung.

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