Sag mir Deinen Namen!

Leichtverständliche Leitkultur: man steht auf dem Wagen oder läuft nebenher, nennt seinen Namen und gibt die Hand. (Foto: discomove.de)

Die Deutschen und ihre deutschen Sorgen. Das kann einen schon ganz schön nerven. Lothar de Maizière muss wieder mal die deutsche Leitkultur bemühen und die Integration aller Abweichenden in dieses unfassbare (weil völlig vage bleibende) Dogma ist das Maß aller Dinge geworden. Alles gut, alles rechtens, aber es trifft eben nicht den Punkt. Denn an Unterschieden haben wir schon genug. Was fehlt sind Einigkeiten!

Und deshalb bleiben solche verbalen Bemühungen (zu was eigentlich?) folgenlos. Wer integriert denn überhaupt wen? Ein deutsch Deutscher einen türkisch Deutschen? Ein Deutsch-Russe den Syrer mit kurdischen Wurzeln?

Die Welt ist rund und bunt. Wenn wir wollten, könnten wir jede Biographie so lange auseinander differenzieren, bis wir das Individuum und Unikat an sich gefunden haben. Und dann? Müssen wir nun fest stellen, dass Menschen eben unterschiedlich sind? Und dass zu unterscheiden nur dann hilfreich ist, um Kriterien für Unterschiede zu haben? Etwa, dass ein Hamburger Jung` eben eine andere Mundart hat als ein bayerischer Bub`? Ein Rockmusiker eine andere Musikart praktiziert als eine Folkmusikerin? Da mag es Sinn machen. Aber bei der Leitkultur …. Schon zu Beginn seiner 10 Thesen gibt de Maizière zum Besten: „Wir legen Wert auf einige soziale Gewohnheiten, nicht weil sie Inhalt, sondern weil sie Ausdruck einer bestimmten Haltung sind: Wir sagen unseren Namen. Wir geben uns zur Begrüßung die Hand.“ So so. Da werde ich unseren deutsch-deutschen Hausmeister mit elsässischer Abstammung mal gleich am Montag in die Leitkultur-Schranken weisen. „Haltung annehmen!“ Seinen Namen kenne ich nämlich immer noch nicht und die Hand geben? Meist der falsche Zeitpunkt bei seiner Arbeit.

Und wenn ich nun meinen Namen sage und mein russisch-stämmiger Schrebergarten-Nachbar sagt „Schtscherbakow“ … ? Ist es sein Nachname oder eine Begrüßung? Ein Beruf oder so etwas wie „Hallo“? Und wie soll ich mir den merken?

Besser wir preisen Gemeinsamkeiten an. Das tägliche Fernsehschauen ab 20 Uhr. Die „prime time“ als Verbindungsstück. Das tägliche Kochen, Waschen, Arbeiten und Schlafen … Wir Menschen haben viel gemein. Und wir Deutschen erst recht. Ein gewisses Stück Erde, auf dem wir tun und lassen können, was das Gesetz uns erlaubt. Ist doch schon was.

(19. Mai 2017, Ernst Odernich)

 

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