Ina Bruchlos liest in der Haspa Harburg über sich und Polke

Sabbeleien mit Sinn und Farbe

Die Ur-Hesschin Ina Bruchlosch liescht in der Harbruegr Haschpa, (Foto: PR)

Ina Bruchlos ist Hessin und schreibt seit einigen Jahren auf, was sie so redet, wenn der Alltag wieder einmal aus den Fugen gerät. Ihr Debut bei der SuedLese lädt zum Lachen. Nicht nur.

Ina Bruchlos erzählt von ihrem Brotjob bei einem Musical in Hamburg, von dem Rumgerede bei Vernissagen, vom F.C. St. Pauli-Fan und seinen kleinen Erfolgen, von Kunst und Künstlichem, von missverständlichem Deutsch und allzu gut verständlichen Deutschen. Das ist komisch – und bestürzend. Der Leser lacht – aber über wen eigentlich?

Sie beobachtet liebevoll, wie verrückt Menschen tagtäglich miteinander reden – und dabei das Chaos nur vergrößern, das ihnen allerdings als normal erscheint. Sie glauben dabei oft, die Antwort zu haben auf all die Fragen, die sie sich noch nicht einmal gestellt haben.

Andererseits trauen sie sich Fragen zu stellen, für die nicht einmal in Lexika Befriedigendes zu finden ist. Wie gut, dass Ina Bruchlos auch keine Antworten weiß – und uns mitraten lässt.

Ina Bruchlos lebt direkt an der Straße und sie hört zu, wenn unweit im Straßencafé geredet. In ihren Texten flaniert zwischen den Worten, die sich hier und da zu eigenen Häusern auftürmen. Sie erzählt von der Straße. Ihre Straße ist die Sprache.

Bruchlos studierte Visuelle Kommunikation an der Hochschule für Gestaltung, Offenbach sowie Freie Kunst an der Hochschule für bildende Künste in Hamburg und ist seit Ende 1998 als freischaffende Künstlerin in den Bereichen Malerei und Literatur tätig.

2002 gewann sie den Förderpreis für Literatur der Kulturbehörde Hamburg. Seit 2014 ist Ina Bruchlos fester Bestandteil der regelmäßig in der Mathilde Bar Hamburg stattfindenden ´Hessenlesungen`, in denen drei Hessen bzw. Wahlhessen von ihrem Leben fern und von der Heimat berichten. Sie ist ebenfalls Mitveranstalterin der dort regelmäßig stattfindenden St. Pauli-Lesungen.

Tiefgang (TG): Ich habe gehört oder gelesen, man sage dir nach, du redest so komisch.

Das erinnert mich an ein komisches Buch und auch einen luschtigen französischen Film, in dem es um S / ESCH geht. Schprischt schisch nischt scho leicht ausch… Wasch, äh was hat dich seinerzeit nach Hamburg verschlagen?

Ina Bruchlos: Sehr schöner Film übrigens. Dem Nord-Franzosen scheint es ähnlich zu gehen, wie dem Süd-Hessen. Warum Hamburg? Ich mochte die Kunsthochschule. Dort schienen mir die Studenten irgendwie experimenteller als an anderen Hochschulen. Es wurde z.B. viel Musik gemacht. Und Hamburg spricht ja ehrlich gesagt für sich.

TG: Die Hamburger reden übrigens selber seltsam. Schnodderig sagte man früher. Ist das immer noch so bzw. hast du es so wahrgenommen, als du zugezogen bist?

Oder hat sich die norddeutsche Sprache voll krass geändert, Digga?

Ich frage solche Sachen, weil der Ton bekanntlich die Musik macht, und Sprache von daher sehr viel Klang in sich trägt. Welche bevorzugst du persönlich?

Ina Bruchlos: Ach, das kann ich gar nicht genau sagen. Das Norddeutsche ist mir natürlich fremder. Ich verstehe es noch nicht einmal, während das Hessische auf mich immer sehr plump-vertraulich wirkt. Kleines Beispiel: Was hier die „Federtasche“ ist heißt bei uns „Mäppchen“.

TG: Hat sich dein Verhältnis zur Sprache durch dein Germanistik-Studium verändert?

Ina Bruchlos:  Nein, eigentlich nicht. So oder so liest man ja einfach relativ viel. Ich glaube, das Lesen verändert die Sprache.

TG: Worin siehst du den größten Unterschied zwischen dem gesprochenen und dem geschriebenen Wort?

Ina Bruchlos: Ganz klar in der Betonung. Ich glaube man kann jeden guten Text schlecht lesen und niemand käme auf die Idee, dass es sich um einen guten Text handelt. Das führt natürlich manchmal umgekehrt dazu, dass man sich nach einer Lesung ein Buch kauft und enttäuscht ist. Wobei ich finde, dass man das Lesen üben kann, beim Schreiben bin ich mir da nicht so sicher. So gesehen ist mir persönlich das geschriebene Wort wichtiger. Aber das ist wahrscheinlich Ansichtssache.

TG: Ich würde gerne noch auf die Kunst zu sprechen kommen. Ist es Zufall oder gibt es einen konkreten Zusammenhang bei deiner Neigung zu malen und zu schreiben?

Ina Bruchlos: Ich glaube schon, dass es eine Verbindung gibt. Meine Bilder und Zeichnungen sind oftmals auch sehr erzählerisch. Ich finde selbst den Titel nicht unwichtig.

TG: Siehst du Parallelen zwischen den bildnerischen und sprachlichen Ausdrucksformen?

Ina Bruchlos: Ja schon. Ich glaube, Menschen die gerne Geschichten erzählen würden z. B. keine abstrakten Bilder malen.

TG: Hast du Lieblingsthemen bzw. wo findest du deine Anregungen für deine Geschichten?

Ina Bruchlos: Im Alltag. Ich möchte ehrlich gesagt gar nichts Großes schreiben, ich möchte, dass das Nebensächliche interessant wird.

TG: Worum geht es in deinem Erzählband „Nennt mich nicht Polke?“

Ina Bruchlos: Um hoffentlich genau das.

TG: Wir bedanken unsch für dasch Interview!

 

(das Interview für ´Tiefgang` führte Sonja Alphonso)

 Termin: Ina Bruchlos am 12. März, Beginn: 19.30 Uhr, Haspa, Sand 1/Ecke Schloßmühlendamm

Link zur Autorin: www.ina-bruchlos.de/literatur (mit integrierten Leseproben)

Veröffentlichungen:

Nennt mich nicht Polke, Erzählband im Nachttischbuchverlag, Berlin 2005,

€ 14,40, ISBN 978-3937550053; nachttischbuch.de

Mittwochskartoffeln, Erzählband im Nachttischbuchverlag, Berlin 2006,

€ 14,80, ISBN 9783937550091, nachttischbuch.de

Der Kampf der Mähdrescher, Kurzgeschichtensammlung, Minimal Trash Art, Hamburg 2008, € 9,90, ISBN 978-3-9808788-7-6

Ina Bruchlos: Der Kampf der Mähdrescher

Alte Bekannte, Erzählband 2011, € 8,90, ISBN 978-3-9814175-0-0; minimaltrashart.de

∙  Da ist ein Riss in der Welt, Erzählband 2015, € 14,90, ISBN 97839814175-2-4; minimaltrashart.de

Verwandte Beiträge

Druckansicht    

Facebook Kommentare