Zusatzförderung des „BFD mit Flüchtlingsbezug“ wird trotz Erfolgen gestrichen:

Rotstift für Integration

Geht es anch der Bundesregierung gibt es kein Geld mehr für "Werkzeuge für Morgen" von Mazen Saleh. (Foto: Wir im Quartier)

Mit Kulturangeboten Geflüchtete gesellschaftliche zu integrieren: dass das funktioniert ist in Hamburg  allerorten zu erleben. Aber dafür braucht es Unterstützung. Und die wird nun von der Bundesregierung gestrichen – mit dubiosen Argumenten.

Von Jens Maedler

Über 300 geflüchtete Menschen konnten einen Freiwilligendienst im Bereich Kultur und Bildung machen. Und viele mehr im sozialen oder ökologischen Bereich. 2015 wurden dafür Mittel im Zusatzprogramm „Bundesfreiwilligendienst mit Flüchtlingsbezug (BFDmF)“ freigegeben. Nun wird das Programm nicht verlängert. Die BKJ fordert, dass die Mittel in FSJ bzw. FÖJ und BFD überführt werden.

Die Entscheidung, die Zusatzförderung nicht zu verlängern, teilte die Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mit. Diese Entscheidung ist in Augen der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung e. V. (BKJ) nur dann nachvollziehbar, wenn zusätzlich bereitgestellte Fördermittel den Freiwilligendiensten zur Verfügung gestellt werden.

Doch die Bundesregierung verweist auf eine zu geringe Nachfrage nach zusätzlichen Freiwilligenplätzen. Dabei verkennt sie in ihrer Antwort, wie groß der Erfolg des Programms gerade in Anbetracht der bürokratischen Hürden ist.

Im Trägerverbund Freiwilligendienste Kultur und Bildung unter dem Dach der BKJ haben nahezu 300 Menschen von dem Zusatzprogramm profitiert und damit auch viele Einrichtungen im Kultur- und Bildungsbereich. Ziel des Programms war es, Menschen mit Fluchterfahrung den Zugang zu einem Freiwilligendienst und damit in die Aufnahmegesellschaft zu erleichtern. Das ist überall dort gelungen, wo sich Einrichtungen auf die Freiwilligen eingestellt haben, und wo die Freiwilligen eine Idee davon bekommen haben, wozu ihnen ein Freiwilligendienst von Nutzen sein kann.

Mazen Saleh und das Goldbekhaus in Hamburg waren Freiwilliger und Einsatzstelle, die von dem Zusatzkontingent profitierten. Der Autor, Schauspieler und Regisseur ist 2016 aus Syrien nach Deutschland geflohen und engagierte sich als Bundesfreiwilliger im Goldbekhaus. In seinem Theaterstück „Werkzeuge von morgen“ zeigt er die Erfahrung eines Geflüchteten in Deutschland, der Vergangenes hinter sich lassen und in der Gegenwart ankommen will.

Die Stadtkultur Hamburg ist neben der LKJ Sachsen-Anhalt ein Träger für Freiwilligendienste, der sich intensiv in dem Zusatzprogramm engagiert hat. Zwischen 35 und 40 Freiwillige haben sich in Hamburgs Kultureinrichtungen engagiert und wie Mazen Saleh das Programm bereichert und einen Beitrag dazu geleistet, wie eine offene und diversitätsbewusste Gesellschaft funktionieren kann.

Die Träger haben von vornherein darauf geachtet, dass die Geflüchteten in die Bildungs- und Austauschangebote der Freiwilligendienste einbezogen werden. Beziehungen entstehen da, wo Menschen sich gleichwertig begegnen können. Seminare und Bildungstage in den Freiwilligendiensten sind ein solcher Ort, an dem diese Begegnungen stattfinden können. Deshalb ist es für die BKJ und ihre Träger nur konsequent, dass Freiwillige unabhängig von Sprachkenntnissen, Aufenthaltsdauer oder Rechtsstatus gemeinsam pädagogisch begleitet werden.

Gemeinsam haben Freiwillige, Einsatzstellen und Träger eine Expertise entwickelt, die zeigt wie groß das Integrationspotenzial von Freiwilligendiensten sein kann. Diese zusätzlich geschaffenen Plätze gilt es zu halten und auszubauen. Eine langfristige Erhöhung der Förderung ist unabdingbar, um das vielfältige Einsatzstellenangebot und die Einbeziehung unterschiedlicher Freiwilliger zu ermöglichen. Der Aufbau neuer Plätze darf nicht zu Lasten der bereits vorhandenen Plätze gehen.

Im Sinne eines inklusiven Freiwilligendienstes gilt es, allen Interessent*innen einen Platz anbieten zu können und sie während ihres Freiwilligendienstes pädagogisch zu begleiten. Zu den bisher unterrepräsentierten Zielgruppen gehören Menschen mit formal niedrigen Schulabschlüssen, Geflüchtete oder Menschen mit Behinderung.

Die Begleitung von vielfältigen Zielgruppen ist zeit- und damit auch kosten-, weil personalintensiv. Für den individuellen Unterstützungsbedarf von Freiwilligen müssen unbürokratische Angebote möglich sein.

Die BKJ strebt eine Überführung der Gelder in die bestehenden Freiwilligendienste an, um unter Beachtung der hohen Qualitätsstandards und in Eigenverantwortung der Träger diese Arbeit fortsetzen zu können.

(In einem gemeinsamen Positionspapier sprechen sich die BKJ und andere verbandliche Zentralstellen für die Überführung dieser Haushaltsmittel in die vorhandenen Programme aus, also in den Bundesfreiwilligendienst (BFD), das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) sowie das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ).

Jens Maedler leitet den Fachbereich Freiwilliges Engagement und das Programm Freiwilligendienste Kultur und Bildung der BKJ.)

Quelle: www.bkj.de

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