Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Radikal

Inhaltlich und akustisch manchmal schwierig: die Harburger Bezirksversammlung. (Foto: BeGö)

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Mir geben bisweilen die Umgangsformen zu denken.

Vom Pöbel auf der Straße bis in die große Politik reichen die lautstarken Verunglimpfungen. Was einmal zum guten Ton gehörte, wird leiser und immer unverständlicher.

Sogar bei der Bezirksversammlung kommt weder inhaltlich noch akustisch alles bei mir an. Zum Teil liegt das daran, dass Sitznachbarn miteinander tuscheln, was ich in der Rolle der Zuhörerin störend finde. In der Schule gab es dafür disziplinarische Maßnahmen: Einträge ins Klassenbuch, um die schwarzen Schafe unter den Schülern abzustrafen.

Von lauten Zwischenrufen sowie Spott und Häme auf der breiten Bühne der Weltpolitik würde ich ebenfalls abraten und diejenigen gerne ermahnen, die sich verächtlich gegenüber dem politischen Gegner äußern und dabei auch die Zuhörer außer Acht lassen. Mir gefiele es besser, wenn weniger Selbstherrlichkeit herrschte und sowohl häufiger als auch offensichtlicher der konstruktive Konsens gesucht würde.

Aber ich kenne das natürlich: Dass wir es am liebsten hätten, wenn alle so tickten wie wir, weil der Rest zu Spannungen und Unfrieden führt. Das geht schon dort los, wo uns Leute im Alltag im Weg stehen oder vor sich hintrödeln, wenn wir es eilig haben – oder Hektik verbreiten, wenn wir gerade gemütlich unterwegs sind. Schon droht es, dreizehn zu schlagen!

Es gibt also jede Menge Gelegenheit zu üben und besser zu machen, was uns von verschiedenen Seiten falsch vorgemacht und -gelebt wird. Denn wenn letztlich alle davon überzeugt sind, das Recht für sich gepachtet zu haben, ist die Spannung kaum noch auszuhalten!

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