Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Müde, matt, marode

Foto: Sonja Alphonso

Ich nenne mich Sophie und hätte nicht gedacht, dass ich mich eines Tages fragen könnte, ob ich meine vermeintliche Bestimmung als Positiv-Denkerin verfehle.

Ich machte mir einen Spaß daraus, mit meinem Selbst-Zweifel zu spielen. Doch nun kommt es mir so vor, als hätte ich zumindest einen ersten Satz verloren, nach Punkten die Begeisterung und den philosophischen Faden. Den roten, an den ich mich halten kann, wenn ich nicht weiterweiß und mich in meinen Gedankengängen verlaufen habe.

Ich erinnere mich düster daran, dass ich nie mehr aufgeben wollte. Aber bin ich nicht derzeit denkbar ungeeignet, um Zuversicht zu verbreiten, wo ich von allen guten Geistern verlassen bin?

Tausend Themen wachsen mir über den Kopf: Angefangen von dem größten Trumpeltier aller Zeiten im Sinne von „America first“ bis hin zum Krisengebirge, wo sich Gipfel an Gipfel reiht und vornimmt, die Wirtschaft, Arbeitsplätze und das vergiftete Klima zu retten. Dazwischen breiten sich Abgründe der Menschheit aus, in Form von Ismen, die uns zu schaffen machen: Islamismus, Rassismus, Populismus, … Diesen gemeinen Dogmen würde ich am liebsten mit eigenem Eskapismus aus dem Weg gehen.

Habe ich etwas vergessen? Ach ja: Hunger und Armut, Krankheit, Siechtum und Tod.

Tja, wie lässt man das alles am besten hinter sich? Keine Ahnung.

Ich denke, ich werde mich mal eine Weile ausklinken. Nicht, um gründlich darüber nachzudenken, denn das würde wohl nicht helfen. Sondern, um nach meiner Zuversicht zu suchen, die mich verlassen hat. Keine Ahnung, für wen oder was. Vielleicht hat sie sich nur sicherheitshalber distanziert, um sich nicht von Trübsal anzustecken zu lassen. Oder sie wollte eine Beziehungspause, weil ich zu viel verlange: eine heile Welt.

Wenn ich meine Zuversicht wiederfinde, werde ich sie anflehen, zu mir zurückzukehren. Ohne sie ist alles doof.

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