Mit Farbe gegen Gewalt

Bild: Ulrike Hinrichs

Viele Frauen erfahren im Laufe ihres Lebens Gewalt. Eine neue Gruppe im Kulturhaus Süderelbe will destruktiver Gewalt gegen Frauen mit Kreativität begegnen.

 von Ulrike Hinrichs

Gewalt gegen Frauen ist ein weit verbreitetes Thema. Das hat auch die weltweite Metoo Debatte gezeigt. Sie kann Ausdruck eines Machtungleichgewichtes zwischen den Geschlechtern sein. Frauen erleiden körperliche, sexualisierte und psychische Gewalt.

Ebenso strukturelle Gewalt, mit der persönliche Freiheiten, Entwicklungen und Chancen beschränkt werden, ist gesellschaftlich verbreitet. Aber auch in der Familie oder im sozialen Umfeld können insbesondere Kinder und Jugendliche von weiblichen Bezugspersonen seelische wie körperliche Gewalt erfahren. Die Wunden der verletzten Frauen bleiben oft ein Leben lang. Betroffene Frauen fühlen sich ohnmächtig und sprachlos. Sie schweigen aus Angst und Scham. Auch ich habe als junge Frau Gewalt erlebt und konnte erst Jahrzehnte später darüber sprechen.

Das Thema braucht eine sensible Annäherung. Gewalt ist tabu- und schambesetzt. Gerade in der aktuellen Corona Krise mit häuslicher Isolation nimmt auch das Thema Gewalt gegen Frauen und Kinder zu.

In der Gruppe, die im September im Kulturhaus Süderelbe startet, tauschen sich die Frauen über den künstlerischen Ausdruck in einem geschützten Rahmen zu diesem schambesetzten Thema kreativ aus. Der künstlerische Ausdruck kommt ohne Worte aus. Die Kunst ist eine Sprache der Intuition (siehe auch ´Tiefgang`: Mit der Kunst die Intuition einfangen). Sie kann Unaussprechliches sichtbar machen und Ambivalenzen vereinen. Das Kunstwerk ist wie eine Art Bote, der unbewusste und unentdeckte Wünsche aufzeigt und neue Lösungsansätze präsentiert. Die Frauen finden in der Gruppe Unterstützung und entwickeln Perspektiven, wie sie mit den Erfahrungen umgehen. Die Gruppe als Ressource trägt diesen Prozess. Selbstfürsorge und Selbstakzeptanz ist der erste Schritt aus der Gewaltspirale. Die eigenen Ressourcen aktivieren, Tabus sichtbar machen und Perspektiven entwickelten, werden wichtige Themen sein.

Die Gruppe ersetzt keine Therapie, kann aber den Klärungs- und Heilungsprozess unterstützen.

Jüngst hat auch die Weltgesundheitsorganisation nach einer umfangreichen Studie die unterstützende Wirkung von Kunst bestätigt (siehe auch ´Tiefgang`: Kunst, Natur und Gesundheit).

Die offene Gruppe mit max. 6 Frauen trifft sich im Kulturhaus Süderelbe im Atelier. Leitung: Ulrike Hinrichs, Kunsttherapeutin www.lösungskunst.com Ort: Kulturhaus Süderelbe, Atelier www.kulturhaus-suederelbe.de

10 Termine, 1 x monatlich am Sonntag 12:00 bis 14:00 Uhr. Start 6.9.2020

Das Angebot richtet sich an von Gewalt betroffene Frauen unabhängig von Alter, Einkommen, Herkunft oder sexueller Orientierung.

Das Projekt wird gefördert durch die Freie und Hansestadt Hamburg, Bezirksamt Harburg / in Kooperation mit dem Kulturhaus Süderelbe

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