Serie: was war 2020 und was kommt 2021? – Kirsten & Christina von „The Old Dubliner“

Mehr klare Ansagen!

Ein Bild aus abstandslosen Zeiten: Kisrten und Christiane von The Old Dubliner (Foto: Archiv)

War 2020 einfach nur für die Tonne? Wir haben bei Kulturschaffenden nachgefragt. Heute die Betreiberinnen des Musikpubs The Old Dubliner: Christina & Kirsten.

Wie hat sich die Pandemie im Arbeitsalltag 2020 bemerkbar gemacht?

Christina: Durch die kompletten Schließungen (März und ab November), aber auch schon das vorherige Ausbleiben, weniger Erscheinen der Gäste. Die Leute waren ja auch vor dem ersten Lockdown schon verunsichert und sind dann eher zu Hause geblieben. In den Sommermonaten gab es dann einen fast normalen Arbeitsalltag. Die Außengastronomie hat da geholfen.

Kirsten: Die Gäste haben sich zum großen Teil sehr darüber gefreut, wieder in ihr „Wohnzimmer“ gehen zu dürfen und daraus resultierend uns gegenüber eine andere Wertschätzung für das, was wir machen, entgegen gebracht. Gekoppelt allerdings mit den bangen Fragen, ob wir denn durchhalten werden.

Wie weit werden die Nachwirkungen nachhallen?

Kirsten:  Die Auswirkungen werden insoweit nachhallen, dass wir wieder ganz von vorn anfangen und 90% selbst arbeiten müssen. Wenn es wieder Live-Musik drinnen geben darf, werden das auch erst mal kleine Wohnzimmerkonzerte werden.

Christina:  Das ist schwer abzuschätzen! Bestimmt noch weit in 2021 und 2022 hinein. Kommen die Leute alle wieder? Oder hat man sich doch sehr an die heimische Couch und Netflix gewöhnt? Haben wir noch Belegschaft? Sind noch Musiker da? Denen geht es ja noch schlechter als uns. Bestimmt kann man nicht einfach dort anknüpfen, wo man Anfang 2020 mal aufgehört hat.

Was waren 2020 die gravierendsten Entwicklungen?

Christina: Dass – entgegen der Ansagen im Herbst– doch ein kompletter 2. Lockdown da ist, der bis heute gilt und wohl auch noch andauert.

Was hat 2020 an neuer Kreativität hervorgebracht?

Kirsten: Eine liebe Freundin hat zwei Logos für uns entworfen, sodass wir einen eigenen Merchandise-Shop ins Leben rufen konnten, der uns zwar nicht ernährt, den Harburgern aber zeigt, dass es uns noch gibt und man uns tragen kann.

Christina: Einige gute Ideen sind entstanden – Straßenmusiker, die von Club zu Club ziehen und sich wirklich sehr freuen, mal wieder vor Publikum spielen zu können anstatt vor einer Kamera. Und natürlich unser Outdoor-Festival „Fight for Live“ zusammen mit dem Komm Du und Marias Ballroom. Eine tolle Kooperation von 3 Harburger Clubs, an die wir 2019 nicht gedacht hätten.

Was war das persönlich einschneidendste Erlebnis in 2020?

Christina: Eine Operation, die ich zum Glück gut überstanden habe und der fast zeitgleiche Tod eines lieben Stammgastes, der nur wenig älter ist als wir. Das hat mich schon getroffen. Und dass wir uns am allerletzten Tag, den wir öffnen durften, aufgrund eines infizierten Gastes noch eine behördlich angeordnete Quarantäne eingefangen haben. Das war echt nervig! Zum Glück sind alle gesund geblieben.

Kirsten: Der Tod meiner Mutter, der zeitgleich mit dem ersten Lockdown kam.

Was ist für 2021 absehbar?

Christina: Weitere Beschränkungen bis mindestens Ostern, Anfang April. Dann hoffentlich ein wenig mehr Normalität ab Frühsommer und in der zweiten Jahreshälfte.

Kirsten: Vor „Beschränkungen“ würde ich gern „,möglicherweise“ setzen, da ich nicht hoffe, dass es so lange dauern wird.

Was wäre in 2021 wünschenswert?

Christina: Mehr klare Ansagen seitens der Politiker. Wer hat das Geschwafel von „Lockdown light“ denn geglaubt, wenn im europäischen Ausland ringsumher längst Ausgangssperren gelten? Schnellere finanzielle Hilfen. Bisher gab es erst eine Abschlagzahlung.

Was wird von 2020 bleiben?

Kirsten: Von 2020 wird die Angst vor Nähe bleiben, fürchte ich. Ich finde es befremdlich, eine Freundin zum Spazierengehen zu treffen, und man begrüßt sich, als würde man sich nur vom Sehen treffen.

Christina: Ich denke, so einiges! Ein anderes Empfinden der Freiheit. Wie gut wir es die letzten Jahrzehnte hatte, wird einem ja jetzt erst bewusst. Reisebeschränkungen? Was ist das denn? Habe ich bisher nicht erlebt. Die Freude darüber, mal wieder Freunde und Familie zu treffen und sie einfach umarmen zu können.

www.olddubliner.de

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