Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Liebeserklärung

Die Kraft der zwei Herzen. (Foto: S. Alphonso)

Ich heiße Sophie und bin Denkerin.
Manchmal frage ich mich, wie es wäre, ein Mann zu sein. Der Mann von Welt ist, wie er ist und sorgt sich nicht darum, wie andere ihn gerne hätten. Die müssen selber sehen, wie sie mit ihm klarkommen oder dürfen sich ärgern. Sein Motto frei nach Haben oder Sein: lieber ein Problem sein als eines haben.
Er ist lösungsorientiert und sich selbst der naheliegende Grund für ein schönes Leben. Ich finde das nicht wirklich vorwerflich, gelegentlich geradezu weise. Authentischer geht´s kaum noch. Wenn er sich ärgert, hat er schlechte Laune, der Rest ist unkomplizierter Spaß. Was ihm querliegt, wird aus dem Weg geräumt und wenn er nicht gestorben ist, dann lebt er auch noch heute, und zwar ganz nach seiner Fasson. Leben und leben lassen. Frühstücken – nicht was, sondern wen? Er handelt nach der Devise: viel Feind, viel Ehr´ und beklagt sich höchstens, wenn er Halsweh hat.
Er lässt sich nicht beirren, weder aus der Ruhe bringen noch besänftigen, wenn er auf Zinne ist. Er nimmt jede Herausforderung sportlich, ohne sich zu überanstrengen. Er ist kein pedantischer Perfektionist wie die Frau an seiner Seite, sondern kann gut und gerne Fünfe gerade sein lassen. Wenn allerdings andere den Bogen seines Erachtens überspannen oder querschießen, zückt er schon mal die rote Karte und setzt angekündigte Konsequenzen auch um; bei sich selber ist er etwas großzügiger mit der Auslegung einer klaren Linie.
Er ist mir Lehrmeister und Vorbild, nicht oberflächlich, sondern tiefgründig. Weder seine Sensibilität ist zur Schau gestellt noch seine Betroffenheit plakativ, sondern echt und ehrlich. Er ist tierlieber, umsichtiger und sozial kompetenter als so mancher Gutmensch, den ich kenne. Ich ziehe meinen Hut vor einem Mann, der Manns genug ist, nicht nach jemandes Pfeife zu tanzen.
Ich komme zu der Ansicht, dass möglicherweise die Männer liebensfähiger sind, weil sie die Frauen so nehmen, wie sie sind, während Frauen irgendwann mit dem Kleingedruckten rausrücken und Bedingungen stellen. Und wenn der Mann sich nicht ändern mag, wird das als Beweis für einen Mangel an Liebe herangezogen.
Ich wage zu fragen: Stricken wir uns unsere Definition nicht manchmal ganz nach Bedarf zurecht und sind bei weitem nicht so liebesfähig, wie wir denken?

(25. Jan 2017, SZ)

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