Susanne Bienwald lädt zu einem SuedLese-Rundgang mit Hündin Mina ein

Leinen Los

Hundediktat: Autorin Bienwald und Hund Mina (Foto: privat(

Die SuedLese-Literaturtage bieten immer Überraschungen. So kommt nun am Mi., 30. Jun., noch ein literarischer Spaziergang am Außenmühlenteich und mit einer Hündin dazu. Wir fragten nach …

 Susanne Bienwald begegnete ich das erste Mal bei der SuedLese 2018, als sie aus ihrem Buch „Da geht einer“ in der Deichdiele in Wilhelmsburg vorlas. Seiner Zeit ging es um Friedrich Hebbel.

Die Lesung gefiel mir ausgesprochen gut und war gewissermaßen der Beginn persönlicher Verbundenheit durch die Liebe zur Sprache. In Susanne Bienwald lernte ich eine Schriftstellerin kennen und schätzen, die ebenso feinfühlig wie vielseitig ist. Besonders die Lektüre ihres Romans „Wittensee“ hat mich tief berührt. Gerne hätte ich mir daraus von ihr vorlesen lassen, z. B. bei einer „Lesung unterm Kirschbaum“ die von Anja Schwennsen als Begegnungsort ins Leben gerufen wurde. Allerdings verpasste ich jene Lesung, besuchte dafür jedoch im Mai eine von Jan Christophersen, der mit seinem Roman „Ein anständiger Mensch“ zu Gast war. Ein wunderschöner Ort der Worte, den ich wärmstens empfehlen möchte. Bevor ich weiterschwärme und vom Stöckchen zum Steinchen komme, zurück zu Susanne Bienwald und ihrem aktuellen Beitrag zur SuedLese 2021, die unter ausgefallenen Umständen geplant wurde.

Tiefgang (TG): Liebe Susanne, schön, dass du neben deinen freiberuflichen Verpflichtungen die Zeit gefunden hast, ein paar Fragen zu beantworten. Die Corona-Krise dürfte dich vor besondere Herausforderungen gestellt haben. Magst du erzählen, wie es dir damit ergangen ist? Was war besonders schwierig für dich und was würdest du gegebenenfalls positiv bewerten?

Susanne Bienwald: Ich lebe ja, wie übrigens die meisten Schriftsteller auch, von Lesungen und Vorträgen. Im letzten Frühjahr habe ich allein am 13. März (einem Freitag!) mehr als die Hälfte meines Jahreseinkommens verloren. Das war hart. Allerdings habe ich auch viel Solidarität erfahren, Hilfestellungen und hinter meinem Rücken organisierte Buchverkäufe. Da war ich fassungslos, wie mir völlig Unbekannte sich zusammentaten, um zu helfen. Danke an dieser Stelle an die vielen Unbekannten. Und: Die Stille in der Stadt, der heruntergefahrene Betrieb, das habe ich auch als wohltuend empfunden.

TG: Deine Lesung soll draußen stattfinden, im Harburger Stadtpark. Im Programmheft fehlt dieser Termin, weil er vorsichtshalber wegen vorläufiger Kontaktbeschränkungen ins digitale Format verlegt werden sollte. Wieso kam das für dich nicht in Frage?

Susanne Bienwald: Der Charme der Veranstaltung besteht für mich darin, dass mein kleiner Hund mit von der Partie ist und so die einzelnen Kapitel besonders lebendig werden. Ich habe Mina gefragt. Sie wollte sich nicht digitalisieren lassen.

TG: Nun kann die Lesung zum Glück ja doch noch unter freiem Himmel mit Auslauf stattfinden.

Susanne Bienwald: Ja, ich freu mich. Und hoffe trotz fehlender Ankündigung auf interessierte ZuhörerInnen.

 TG: Das wird schon klappen. Das Programmheft ist ja zum Glück nicht die einzige Möglichkeit, sich über die Veranstaltungen zu informieren. Es gibt auch Pressemitteilungen und im ganzen Gebiet verteilte Plakate, die auf die Website www.suedlese.de hinweisen. Zu deinem letzten Buch: Es unterscheidet sich erheblich von deinen anderen Werken. Was hat dich dazu animiert, und welche Leserschaft hattest du im Sinn? Muss man Herrchen oder Frauchen sein, um sich angesprochen zu fühlen?

Susanne Bienwald: Bei meinen Spaziergängen mit Mina habe ich oft überlegt, was sie wohl denken mag. Da ich vorher auch biografisch geschrieben habe, war es dann kein weiter Weg, mich in den Kopf meiner kleinen Hündin hineinzudenken. Außerdem hat es mich gereizt, einmal auf unterhaltsame Weise, menschliche Unzulänglichkeiten auf die Schippe zu nehmen. Man muss also kein glühender Hundefan sein, um das Buch zu mögen.

TG: Worauf freust du dich am meisten, wenn du an die SuedLese denkst? Sind es die Orte der Worte oder der Klang der Sprache? Die Resonanz bei der persönlichen Begegnung und ein möglicher Gedankenaustausch?

Susanne Bienwald: Nach der langen Durststrecke freue ich mich besonders auf die Begegnung en, die Fragen und Gespräche rund um die Lesung. Haben wir das nicht alle gerade nötig?

TG: Autor*innen müssen auch von etwas leben, sprich: Geld verdienen. Würdest du sagen, dass die Literaturtage dazu beitragen, über den Unterhaltungswert hinaus den Kulturschaffenden und ihren Werken mehr Gehör und Anerkennung zu verschaffen?

Susanne Bienwald: Auf jeden Fall. Es tut gut, seine Leser einmal persönlich kennenzulernen. So wie das mit uns beiden ja geschehen ist. Darüber hinaus ist die SuedLese eine Möglichkeit, mediale Aufmerksam zu bekommen. Wie etwa mit diesem Interview.

TG: Vielen Dank für den kurzen Einblick. Wir drücken die Daumen, dass das Wetter am 30. Juni genau richtig sein wird für einen gedanklichen Streifzug ohne Leinenzwang.

Susanne Bienwald: Ich danke dir. Vielleicht sehen wir uns im Stadtpark wieder? Meine Mina kennst du ja schon.

Termin: Mi., 30. Jun 2021, 18:00 Uhr, von der Hamburger Volkshochschule in Harburg, Eintritt: 10€

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Suanne Bienwald: „Ich, Mina aus der Gärtnerstraße“ – Ansichten eines klugen Hundes

Ein literarischer Spaziergang durch den Harburger Stadtpark im Rahmen der 6. SuedLese

Zum Inhalt:

„Ich halte mich nur an Regeln, die ich gut finde“. Mina, eine selbstbewusste Mischlingshündin, hat ihre eigene Sicht auf die Welt. In ihrem Buch spürt sie den Fragen nach, die sie umtreiben: Wo gibt es den besten Döner? Was ist dran an der Relativitätstheorie? Warum leiden Menschen unter Rassenwahn? Wozu gibt es Killer-Enten? Und wann begreift ihre Begleiterin Susanne endlich, dass Hunde Langschläfer sind? Ein heiter-philosophisches Buch, in dem ein Hund die Welt erklärt, wie sie wirklich ist. Die Autorin auf vier Pfoten ist selbstverständlich bei dem literarischen Spaziergang im Harburger Stadtpark dabei. Ihre Begleiterin, Susanne Bienwald, darf lesen. Und so wandern wir gemeinsam lauschend durch den Stadtpark von der Bushaltestelle Freizeitbad Midsommerland bis zur Freilichtbühne.

Der Kurs findet im Rahmen von „SuedLese – Literaturtage im Süden“ statt.

Anmeldung erforderlich unter Tel. 040 / 4284 1 4284 oder www.vhs-hamburg.de

Kursnummer 0538SHH01, 1 Termine, 2 UStd., Entgelt 10 €

Treffpunkt: Bushaltestelle Freizeitbad Midsommerland, Gotthelfweg 2 a

Mi., 30.6.21, 18-19.30 Uhr

 

Veranstaltung im Rahmen der Suedlese. Treffpunkt: Bushaltestelle Freizeitbad Midsommerland (Bus 146), gemeinsamer Endpunkt: Freilichtbühne im Harburger Stadtpark

Infos: https://suedlese.de/lesungen/ich-mina-aus-der-gaertnerstrasse-ansichten-eines-klugen-hundes/

(Das Interview für ´Tiefgang` führte Sonja Alphonso)

 

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