Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Lebensqualität

Foto: Michael Gaida / Pixabay

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Klar habe ich in meinem Leben schon ab und zu über den Tod nachgedacht, doch noch nie war ich so oft mit dem Thema konfrontiert wie seit der Pandemie.

Soll man nun jeden Tag so leben, als wäre es der letzte? Wie sähe ein Abschied als Dauerzustand aus? Verliert oder gewinnt das Leben bei einer solchen Haltung?

Natürlich wäre alles intensiver, Wertschätzung und Dankbarkeit würde wachsen. Aber wäre es nicht denkbar, dass ich meine Zeit dann nicht mehr mit Staubsaugen vergeuden möchte oder mich schlecht motivieren könnte, irgendwohin zu fahren, weil ich im Stau enden könnte? Vielleicht reagierte ich auch genervter bei allem, was mir meinen letzten Tag versauen könnte. Vielleicht.

Und doch hat das Bewusstsein um die eigene Sterblichkeit eine hübsche Facette: Jeder einzelne Moment kann sich als DIE Chance entpuppen, das zu leben, was mir wichtig ist. Also sollte ich keine Handlung in eine ferne Zukunft vertagen, wenn ich jetzt schon etwas dafür tun kann, um meine Wunschvorstellungen zu verwirklichen. Und dazu gehört auch die sogenannte Friedfertigkeit, weil ich vielleicht keine Gelegenheit haben werde, zerbrochenes Porzellan wieder zu kitten. Und überhaupt geht es darum, mich so zu verhalten, dass ich mich morgens wieder im Spiegel ansehen kann – falls ich den nächsten Tag doch noch erlebe.

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