Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

Kunst für alle!

Foto: hl

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Aus festlichem Anlass denke ich an die Errungenschaften der Revolution von 1918/1919.

Meinungs-, Rede- und Pressefreiheit, gleiches Wahlrecht für Männer und Frauen, Stärkung von Arbeitnehmerrechten, soziale Einrichtungen und last not least ein besserer Zugang zu Bildung.

„Bildung für alle!“, schreibt sich die Hamburger Volkhochschule auf die Fahne. Die Jubilarin geht gut und gerne mit der Zeit und reagiert auf neue Herausforderungen und veränderte Nachfrage. „Bildung und Weiterbildung sind heute und auch in Zukunft der Schlüssel für ein erfolgreiches, selbstbestimmtes Leben und soziale Teilhabe“, so Ties Rabe, Senator für Schule und Berufsbildung der Freien und Hansestadt Hamburg im Jubiläums-Magazin der VHS, #wiederwasgelernt.

Ich denke weiter: Kunst für alle! Man muss sie nicht verstehen, damit sie wirkt. Wie ich das meine, will ich gerne erklären. Schon lange fragen sich Hirnforscher und ich, woher der menschliche Einfallsreichtum kommt, und warum manchmal der Geistesblitz einschlägt und andernorts nicht.

Es wäre extrem fortschrittlich, wenn Bedingungen geschaffen würden, um den Zugang zur Quelle der Inspiration zu erleichtern. Abgesehen von persönlicher Weiterentwicklung gewinnt Kreativität an enormer Bedeutung. Es ist quasi DIE Ressource der Zukunft und nachhaltiger als jeder Rohstoff.

Im Gegensatz zum schlussfolgernden Denken beruht Kreativität auf einem assoziativen Ansatz des Gehirns. Es umgeht gewohnte Gedanken und nähert sich der Lösung eines Problems durch die Hintertür. Der Umweg führt zum Ziel. Zeitlich versetzt stellen sich Ergebnisse ein, auf die der Verstand bei oder sogar TROTZ aller Konzentration nicht kommt.

Die magische Quelle liegt abseits altbewährter Muster. Um aus ihr schöpfen zu können, lässt man sich am besten fallen und zu, dass das Gehirn im Trüben fischt, bis unerwartet ein Einfall auftaucht und an der Oberfläche langsam Gestalt annimmt.

Der Neurowissenschaftler Marcus Raichle beobachtete 2001 mit Hilfe von Hirnscannern, dass es ein hochaktives „Leerlauf-Netzwerk“ (Default-Network) von Hirnregionen gibt; und zwar dann, wenn vermeintlich gerade „abgeschaltet“ wurde.

Neue Ideen reifen quasi im Schlaf heran. Ob und was dabei herauskommt, können wir weder planen noch steuern, aber positiv begünstigen, indem wir anregende Impulse bieten: ein Buch, ein Bild…

Deshalb denke ich, eine Kunstleihe ist ein wertvoller Schatz, der analog zu Öffentlichen Bücherhallen seine inspirierenden Werke nicht von einigen wenigen hüten lässt, sondern allen den Zugang erleichtert. Kunst für alle! Lasst euch von der Muse küssen!

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