Stadt Hamburg kaufte Hochbunker Schomburgstraße

Kultur in Beton gegossen

Kultur statt Kriegsschrecken: die Stadt Hamburg hat nun den Betonklotz in der Schomburgstraße gekuaft. (Foto: KEBAP e.V:)

Während Harburgs Dreifaltigkeitskirche seit gut zehn Jahren leer steht und sich Kulturschaffende an ihrer Umnutzung vergebens abarbeiten, hat der Bunker in der Schomburgstraße bereits den Besitzer gewechselt: Die Stadt Hamburg hat ihn dem Bund abgekauft.

Nun kann das Bunkergrundstück mit dem ehemaligen Hochbunker im Sinne der Bürger*innen für Gemeinbedarf genutzt werden. KEBAP e.V. und alle Projektbeteiligten freuen sich sehr über diesen Schritt. Seit rund zehn Jahren arbeiten Verein und Genossenschaft gemeinsam mit Anwohner*innen der umliegenden Stadtteile an einem in jeder Hinsicht nachhaltigen Konzept für den KulturEnergieBunker.

Als gemeinnütziger Verein hat KEBAP dazu im Quartier ein aktivierendes Beteiligungsverfahren durchgeführt, eine Machbarkeitsstudie erstellt, kooperiert mit den umliegenden Schulen und Hamburger Universitäten, ist regelmäßig am und im Bunker aktiv und kann dadurch auf breite Unterstützung im Stadtteil bauen. Der Verein ist bereit für den nächsten Schritt: Mit Planet energy und Greenpeace Energy, Stattbau Hamburg GmbH und der Averdung Ingenieure + Berater GmbH hat die KulturEnergie-Genossenschaft inzwischen starke Partner insbesondere für den Energieteil des Konzepts gewonnen. Hinzu kommen bereits zugesagte Bundesmittel für die Detailplanung der innovativen Wärmeerzeugung im Bunker.

KEBAP freut sich daher auf die kommenden Gespräche mit Bezirk und Stadt für die anstehenden Planungen, damit der Verein den Bunker in Erbpacht übernehmen und die gemeinsam entwickelten Ideen in die Tat umsetzen kann. Und die Ideen des KEBAP-Vereins sind so anders nicht als die der Kulturinteressierten de Harburger Dreifaltigkeitskirche. Auf der website kulturenergiebunker.de heißt es:

Vielfalt auf und unter dem Dach – Freiräume für alle

In einem Bürgerbeteiligungsverfahren im Stadtteil haben wir Anwohner*innen und Interessierte nach ihren Wünschen und Ideen zur kulturellen Nutzung des Bunkers befragt und angeregt, diese aktiv mit uns umzusetzen. Zentrales Ergebnis der Befragung ist der Wunsch nach gemeinschaftlich nutzbaren und nichtkommerziellen Räumen für Austausch und nachbarschaftliche Aktivitäten. Die Wünsche der Anwohner*innen finden sich im Raumkonzept für den Bunker wieder:

Ein großer Multifunktionsraum wird Anwohner*innen und Stadtteilinitiativen für Veranstaltungen offen stehen: für Filmvorführungen, Ausstellungen, Theater, Bewegung (wie Yoga, Tanz, Tischtennis, etc.), Vorträge, Versammlungen, Informationsveranstaltungen, private Feiern. Ebenfalls sind z. B. Konzerte von Musiker*innen, die im Bunker proben, und Theatervorführungen möglich. Schon jetzt ist KEBAP Treffpunkt für unterschiedliche nachbarschaftliche Aktivitäten vor dem Bunker.

Zahlreiche Anwohner*innen wünschen sich nachbarschaftlich organisierte Werkstätten wie eine Holz-, Papier-, Näh-, Fahrradwerkstatt und ein Repaircafé. In einem FabLab können innovative Projekte entwickelt werden, die Veränderungen gesellschaftlicher und kultureller Produktion ermöglichen. Im Vordergrund stehen dabei die Bildung von Schnittstellen und kooperatives Arbeiten.

In einer Kochwerkstatt und Gemeinschaftsküche treffen sich Menschen aus allen Sozialstrukturen, um gemeinsam zu kochen und zu essen. Im Zusammenspiel der nachbarschaftlich organisierten nichtkommerziellen Küche und dem offen zugänglichen Dachgarten mit selbst angebautem Gemüse wird erfahrbar, wie regional nachhaltige Ernährung mit den Erfordernissen eines globalen Klimaschutzes zusammenhängt. Schon jetzt gibt es bei KEBAP direkte Kooperationen mit lokalen Erzeuger*innen von Lebensmitteln wie z.B. den Tomatenrettern aus Reitbrook. Wir sind Verteilstelle einer Solidarischen Landwirtschaft und wollen im künftigen Bunker solche Kooperationen zu einer FoodCoop ausbauen.

Die große Dachfläche bietet ausreichend Platz für den Gemeinschaftsgarten. Bereits seit Juli 2012 gärtnern Anwohner*innen und Interessierte am Bunker, ernten und verarbeiten selbst gezogenes Gemüse gemeinschaftlich. Das Teilen von Wissen hat den KEBAPgarten über die Jahre größer und reichhaltiger gemacht. Viele Menschen haben ihre Ideen eingebracht, wie möglichst viele Kreisläufe geschlossen werden können, z.B. durch eine solarbetriebene Bewässerungsanlage. Der Garten ist auch deshalb schon heute ein Ort vielfältiger Kooperationen mit den umliegenden Schulen und Kitas sowie mit internationalen Bildungsorganisationen.

Beim Umbau des Bunkers zum Kultur- und Energieort wird der Garten auf das Dach umziehen. So wird eine sogenannte Premiumfläche im Stadtteil nicht privatisiert, sondern für die Allgemeinheit geöffnet. Statt einiger weniger können alle die Aussicht über Altona und St. Pauli genießen. Der umliegende Park bleibt sonnenbeschienen und der Garten kann über die Fassade in den Park hineinwachsen.

Proberäume für Musiker*innen zu erschwinglichen Mieten sind Mangelware im Bereich Altona und St. Pauli. Entgegen den häufig unzumutbaren Zuständen in Bunkern wird es bei KEBAP gut belüftete Räume geben. Wir möchten ein Umfeld schaffen, in dem man sich treffen und austauschen, gemeinsam musizieren und Veranstaltungen organisieren kann.  Eine Medienwerkstatt bietet den Musiker*innen die Möglichkeit, an ihren eigenen Videoclips zu arbeiten, und wendet sich zugleich an alle Menschen im Stadtteil, die künstlerisch oder dokumentarisch mit Bild und Ton arbeiten wollen. Darüber hinaus wird es verschiedene Einzelräume geben, die individuell angemietet werden können, zum Beispiel als Atelier, Fotolabor oder als Projektraum.

Geplant ist eine kleine Dauerausstellung zur Geschichte des Bunkers und dessen Einbettung in den Stadtteil mit originalen Einrichtungsgegenständen. Begegnungen mit Zeitzeugen lassen den Bunker als Stätte der Erinnerung nicht in Vergessenheit geraten.“

Also Harburger Kulturaffine – dran bleiben lohnt sich!

 

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