Kulturhaus Süderelbe zeigt den Film ‚Newcomers‘ von Ma’an Mouslli

Hört doch mal einfach zu!

Sehnsucht eines Flüchtlings nach Frieden und Heimat zugleich. (Foto: fsHH / Pixabay)

Über Flüchtlinge reden wir viel. Vor allem über den Umgang mit ihnen. Dabei geht uns der Sinn für die einzelnen Menschen verloren. Ein Film wirkt hier wie ein Weckruf.

Am Mittwoch, den 4. Juli um 19.00 Uhr zeigt das Kulturhaus-Kino im Kulturhaus Süderelbe, Am Johannisland 2, 21147 Hamburg, den Film ‚Newcomers‘ von Ma’an Mouslli. Und der Film hat mehr auch lokalen Charakter: denn viele der Interviews in dem Film wurden mit Bewohnern der Erstaufnahme im Geutensweg in Neugraben-Fischbek geführt. Und obendrein wird der Regisseur bei der Filmvorführung anwesend sein und im Gespräch mit dem Publikum Fragen beantworten.

„Newcomers“ ist ein wirklich sehens- und vor allem zuhörenswerter Dokumentarfilm, in dem geflüchtete Menschen ihre Geschichte selbst erzählen. Das Sujet der erzählenden Menschen, das im allgemeinen Filmgenre nicht mehr sonderlich oft genutzt wird, bekommt hier ein ungeahntes Revival. Denn während wir uns unmerklich angewöhnt haben, wieder mal mehr über als mit Flüchtlingen zu sprechen, macht man hier die Erfahrung, dass schon das Zuhören uns fehlt. Der Filmemacher Ma’an Mouslli hat in hunderten von Stunden etwa einhundert Interviews geführt und filmisch dokumentiert. Ausgewählt hat er letztlich 20 davon. Es sind junge und alte Menschen unterschiedlichen Glaubens, unterschiedlichen Geschlechts und sexueller Orientierung; Menschen mit und ohne Behinderung. Menschen aus über acht verschiedenen Ländern. In 29 Interviews treten ihre Geschichten in einen Dialog miteinander. Sie erzählen vom Tragischen, aber auch vom Schönen und Hoffnungsvollen: Von Verfolgung, Krieg und den Umständen der Flucht, aber auch von Träumen und Kindheitserinnerungen, vom stetigen Kampf für Freiheit und Würde. Trotz aller Unterschiede zeigen sich Umrisse einer Grunderfahrung des Lebens im Exil. Wie fühlt es sich an, neu in eine Gesellschaft zu kommen? Wohin mit der Vergangenheit, mit den Erinnerungen an das was war? Was heißt es, „Flüchtling“ in Deutschland zu sein?

Die „taz“ schrieb in einer Kritik zum Film: „Da erzählt eine Deutsche davon, wie Flüchtlingsfrauen 1945 von russischen Soldaten vergewaltigt wurden und dass sie auf ihrer Flucht so hungrig war, dass sie heute noch oft an eine ihr geschenkte Griessuppe denken muss. Einige reden darüber, wie sie gefoltert wurden – andere, wie ihre Freunde und Familienangehörigen gestorben sind. Aber Mouslli weiß genau, wie viel er den Zuschauern zumuten kann. Und er arbeitet geschickt mit Kontrasten, sodass jede Geschichte wieder neu die Neugier weckt und sie sich alle zu einer Essenz der Flüchtlingserfahrung verdichten.

Darüber, wie schwierig die Reisen nach Deutschland waren, wird so gut wie nichts erzählt. Für Mouslli sind diese abenteuerlichen Geschichten, über die andere so gern berichten, nicht wichtig. Stattdessen erzählen seine Protagonisten von ihrem neuen Leben in Deutschland. Der hiesige alltägliche Rassismus wird dabei nicht spektakulär beschrieben, sondern eher subtil, wenn etwa eine junge afrikanische Frau schildert, wie ein älteres Ehepaar sich weigerte, ihr beim Einparken ihres Autos zu helfen.“

„Newcomers“ ist dabei das bereits dritte Regie-Werk des in Osnabrück lebenden syrischen Regisseurs Ma’an Mouslli. Mit der Dokumentation „Shakespeare in Zaatari” über geflüchtete Kinder im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari gewann er 2016 schon den Preis „Bester Film Non Professional“ beim Film Festival Cologne. „Shakespeare in Zaatari“ sorgte auch international für Aufsehen: Er lief u.a. bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes, dem Los Angeles CineFest, dem Human Rights Film Festival Barcelona, dem International Scandinavian Film Festival und dem Roma Cinema Doc. (Quelle: Pressetext newcomers.de)

Die „taz“ bewertet den Film als „…viel mehr als nur ein weiterer Film über die Flüchtlingsproblematik…“. „Ein wichtiger Film, der zeigt, dass hinter den täglichen Nachrichten über Flucht, Krieg und Gewalt menschliche Geschichten stecken, die es verdient haben, gehört zu werden“, resümierte die Neue Osnabrücker Zeitung und das Portal programmkino.de zieht das Fazit: „Mouslli weiß genau, wie viel er den Zuschauern zumuten kann. Und er arbeitet geschickt mit Kontrasten, sodass jede Geschichte wieder neu die Neugier weckt und sie sich alle zu einer Essenz der Flüchtlingserfahrung verdichten.“
Interessant ist im Grunde schon die ungewöhnliche Entstehungsgeschichte des Films. Mouslli war in Syrien IT-Manager und wurde dann in Deutschland zum Filmemacher. Seine erste Dokumentation „Shakespeare in Zaatari“ drehte er über ein Theaterprojekt in einem jordanischen Flüchtlingslager und mit einem syrischen Freund produzierte er eine Reihe von kurzen, humorvollen Lehrfilmen für Flüchtlinge in Deutschland („Wie finde ich eine Wohnung?“ „Wie lerne ich die Sprache?“ etc.pp.), die unter dem Titel „Achso from Osnabrueck“ auf Youtube zu sehen waren.

In einer AG des Osnabrücker Zentrums für Flüchtlinge „Exil“ traf er dessen Geschäftsführerin Sara Höweler, mit der zusammen er dann das Konzept von „Newcomers“ entwickelte. Ohne Erfahrungen und ohne Förderung – da es ja auch kein kommerzielles Projekt sein sollte, war und ist, beteiligten sich dennoch zahlreiche Stiftungen und Firmen an der Finanzierung, das schließlich ein Budget von 130.000 Euro aufgebracht wurde.

Termin: Mi., 4. Juli um 19.00 Uhr zeigt das Kulturhaus-Kino im Kulturhaus Süderelbe, Am Johannisland 2, 21147 Hamburg, www.kulturhaus-suederelbe.de

Deutschland 2018.Regie: Ma’an Mouslli, 63 Min., ab 12 J.

Der Eintritt ist frei, Spenden sind gerne gesehen.

Das Projekt läuft vom Kulturhaus Süderelbe in Zusammenarbeit mit der Lokalen Partnerschaft Süderelbe und dem DRK-Willkommensbüro Süderelbe. Das Kulturhaus-Kino wird gefördert durch den Hamburger Integrationsfonds

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