Literarisch-musikalischer Abend bei der 3. SuedLese ergründet Fragen:

Heimat: Ort oder Gefühl?

Foto: PR

Bei der 2. SuedLese ging es um „Grenzen und Horizonte“, in diesem Jahr steht die Frage „Was ist Heimat?“ im Raum, wenn es am 12. April heißt: „Literatur trifft Komposition“.

„Literatur trifft Komposition“ ist ein künstlerisches Konzept von Heike Suzanne Hartmann-Heesch, Maren Schönfeld und Wolfgang CG Schönfeld, das immer wieder Themen anreißt, um sie auf veilfältige Art künstlerisch zu be- und verarbeiten. Während Wolfgang CG Schönfeld sich um die musikalische Bearbeitung kümmert, nehmen sich Suzanne Hartmann-Heesch (Erzählung) und Maren Schönfeld (Lyrik & Prosa) dem wortreichen Teil an. Und in diesem Jahr eben zum Thema „Heimat“.
Verse sind nicht, wie die Leute meinen, Gefühle – es sind Erfahrungen“, zitieren die drei Rilke und meinen, dies gelte auch für Kompositionen. „Kunst schaffen heißt, eigene Erfahrungen in eine Form zu bringen, die weit genug geöffnet ist für die Identifizierung eines Gegenübers mit seinen Erfahrungen. Trotzdem darf sie die individuelle Verbindung zu ihrem Schöpfer nicht verlieren – denn dann wäre sie beliebig.“

Und „Heimat“: Woher kommen wir? Was hat uns geprägt und uns zu dem Menschen werden lassen, der wir heute sind? Ist Heimat ein Ort oder ein Gefühl? Mit der inneren und äußeren Heimat werden sich das Künstler-Trio am literarisch-musikalischen Abend in vielfältiger Form beschäftigen. In ihrem Erzählband „Möwen hatte ich doch gemeint“, erschienen 2017, lotet etwa Heike Suzanne Hartmann-Heesch die sprachliche Heimat aus, vor allem unter dem Aspekt des Sprachverlusts. Maren Schönfeld bereist mit ihrem Lyrikband „Töne, metallen, trägt der Fluss – eine lyrische Elbreise“ (2018) eine Route in Gedichten und Kurzgeschichten von Hamburg bis ans Meer. Wolfgang CG Schönfeld findet Melodien und Töne, um seine Eindrücke in musikalische Dichtung zu fassen. Instrumentalmusik für Orchester, Band und die sechssaitige Bassgitarre (teilweise mit Halbplayback präsentiert) geben Raum für Imaginationen und vor dem inneren Auge ablaufende Bilder.

Illustr.: Detlef Heesch

Poesie und Komposition bilden bei Maren und Wolfgang CG Schönfeld eine Einheit, bauen aufeinander auf oder bilden gegensätzliche Positionen. Auch mit den Erzählungen von Heike Suzanne Hartmann-Heesch hat der Komponist sich befasst und dazu klangliche Werke gestaltet. Durch das gezielte künstlerische Arbeiten zum Werk des Anderen entsteht ein Programm, das wie „aus einem Guss“ wirkt, bei dem eines zum anderen überleitet, man mühelos von Erzählung zu Musik zu Lyrik wechseln kann und von Worten sowie Klängen getragen wird.
Mit ihrem Ursprung in der Klassik lässt Wolfgang CG Schönfelds meditative Musik Bilder entstehen. Kompositionen für Orchester und Band bilden die Spannweite und ein faszinierendes Crossover. Der tiefe angenehme Klang der sechssaitigen Bassgitarre bildet die Lied-Stimme. Melancholie und Rhythmik schließen sich nicht aus. So, wie nicht alle Erfahrungen angenehm sind, kann eine Komposition Störelemente oder Disharmonien haben, aber trotzdem hörbar bleiben. Musik kann Verse aufnehmen und ohne Worte fortführen. Sie kann ein Gegenpol sein und in ein Spannungsverhältnis mit einem Text treten: Eine neue dimension entsteht, die vor allem spürbar ist.

Das Gedicht hört seinem Leser zu.

(Hilde Domin)

Erst im Austausch mit seinem Leser erwacht das Gedicht zum Leben. Die Gedanken der Leserin, ihr Eindruck, das Gedicht träfe auf ihr Erleben zu, machen einen Text zu einem Medium, das trösten, erfreuen oder provozieren kann. Unsere Zeit ist begrenzt. Jede von uns geht damit anders um. In Maren Schönfelds Texten setzt sich menschliches Dasein mit dem der Natur in Beziehung. „Mein Lieblingsbaum war vor mir da und wird es vermutlich nach meinem Tod noch sein. Das kann mich betrüben und gleichzeitig trösten. So sind die Gedichte melancholisch, aber voller Hoffnung. Dabei ist keine Form unlieb, sondern Formen sind Vielfalt, die zu nutzen die sprachliche Komponente der Lyrik ausmacht.“ Alte Formen wie das Sonett stehen freien, subjektlosen Texten oder konkreter Poesie gegenüber. Das Wort „Lyrik“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet wortwörtlich „die zum Spiel der Lyra gehörende Dichtung“. Damit schließt sich der Bogen zum Bass. Die angenehme Stimme und der akzentuierte Vortrag ergänzen das musikalische Klangerlebnis und bilden mit ihm eine Einheit.

Die Kompositionen und Texte inspirieren sich gegenseitig, es entsteht ein künstlerischer Dialog, aus dem das Programm „Poesie trifft Komposition“ sich gebildet hat. Das Programm ist nicht starr, sondern bewegt sich im Gleichklang mit unserer gemeinsamen Arbeit.

„Wir möchten innere Bilder erzeugen und die Ambivalenz der Erfahrungen beleuchten. In dem inneren weiten Raum hören Poesie und Komposition Ihnen zu. Wir arbeiten mit Pausen, weil erst in der Stille Bilder entstehen. Wir möchten Sie anregen und Ihnen Zeit außerhalb des Alltags geben, ohne Hektik und Druck, in der Sie mit uns auf eine innere Reise gehen können, an die Sie sich gern erinnern“, so der Tenor des Trios.

Über die Vortragenden:

Heike Suzanne Hartmann-Heesch
geboren 1969, studierte Anglistik, Germanistik, Pädagogik und Pädagogische Psychologie und arbeitet seit 2005 als Autorin und Lektorin. Für Ihre Erzählung „Der Mann, der mich liebt“ wurde Heike Suzanne Hartmann-Heesch 2013 mit dem Walter-Kempowski-Literaturpreis ausgezeichnet.
2015 und 2016 gewann sie mit den Erzählungen „Marienkäfer können fliegen“ und „Meer ist Nacht“ aus dem Buch „Möwen hatte ich doch gemeint“ jeweils den Publikumspreis der literatur altonale Lesebühne.
Mehr über Heike Suzanne Hartmann-Heesch: papiersinfonie.de

Maren Schönfeld
schreibt seit ihrer Jugendzeit, hauptsächlich Gedichte, aber auch Artikel, Porträts und andere kulturjournalistische Texte. Sie studierte berufsbegleitend belletristisches und lyrisches Schreiben sowie Journalismus und absolvierte Seminare bei Walter Kempowski und Peter Gosse. Sie ist Mitglied in der Auswärtigen Presse, der Hamburger Autorenvereinigung, der GEDOK Hamburg, der Deutschen Haiku-Gesellschaft und der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik. 2017 wurde sie mit dem Lyrikpreis der Hamburger Autorenvereinigung ausgezeichnet.
Mehr über Maren Schönfeld: schoenfeldblog

Wolfgang CG Schönfeld
musiziert und malt seit seiner Kindheit. Das Schlagzeug war nach der Violine sein zweites Instrument, 1969 wechselte er zur Bassgitarre und entdeckte in den 1990er Jahren die fünf- und sechssaitige Variante als Lied-Instrument. Er spielte in verschiedenen Bands diverser Stilrichtungen, zuletzt mit Jutta Weinhold bis 2013. Parallel studierte er an der Famous Artist School Malerei und schuf anschließend unter anderem Raumkonzepte mit Farbkompositionen und Formgebungen für private, geschäftliche und gastronomische Räume.Wolfgang CG Schönfeld veröffentlichte im März 2016 die CD „Shadows“. Er ist Mitglied im im Deutschen Rock- und Popverband.
Mehr über Wolfgang CG Schönfeld: cg-schoenfeld.de

Termin:
Donnerstag, 12. April 2018, 20.00 bis 22.00 Uhr: Literatur trifft Komposition, Kulturcafé Komm du, Buxtehuder Str. 13, 21073 Hamburg-Harburg
„Was ist Heimat?“ | Ein literarisch-musikalischer Abend
mit Heike Suzanne Hartmann-Heesch (Erzählung), Maren Schönfeld (Lyrik und Prosa)
und Wolfgang CG Schönfeld (Komposition, Bassgitarre) 

Eintritt frei / Hutspende
Platzreservierung per Telefon: 040 / 57 22 89 52  oder E-Mail: kommdu@gmx.de
Homepage: http://www.komm-du.de

Weiterführender Link: schoenfeld-poesie-trifft-komposition.de

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