Bundeszentrale für politische Bildung stellt Dossier vor

Geschichte im Fluss

Über dem Zusammenfluss von Elbe und Moldau in Mělník. (Foto: Inka Schwand)

Die Bundeszentrale für politische Bildung hat ein transeuropäisches Online-Dossier zu Flüssen als Erinnerungsorten fertig gestellt. Sehens- und lesenswert.

Europas Grenzen sind bis heute die Grenzen seiner Nationalstaaten. Nicht selten verlaufen diese Grenzen wie an Rhein, Oder, Donau und Memel entlang der großen europäischen Flüsse. Die Elbe bildete einst sogar die innerdeutsche Grenze. Bis heute hält sich deshalb das Bild von Flüssen als „natürlichen“ Grenzen. Diese nationale Zuschreibung ist eine Hinterlassenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts. Das Online-Dossier ´Geschichte im Fluss` der Bundeszentrale für politische Bildung wirft einen anderen Blick auf die europäischen Ströme. Immer haben Rhein, Oder, Memel, Elbe, Donau und Weichsel in ihrer Geschichte auch gemeinsame Räume hervorgebracht, haben Kulturlandschaften zu beiden Seiten ihrer Ufer zusammengehalten. Flüsse bilden nicht nur Grenzen, sie überwinden sie auch. Das aber erfordert einen mehr als nur nationalen Blick auf ihre Geschichte und Gegenwart. Gerade die großen Ströme Europas brauchen verschiedene Perspektiven. Als grenzüberschreitende Erinnerungsorte können sie die besten Botschafter Europas sein und ein Gegengift zur Renationalisierung der Erinnerung in Europa.

Das Online-Dossier „Geschichte im Fluss. Flüsse als europäische Erinnerungsorte“ der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb ist daher ein Langzeitprojekt und begann 2012 mit Texten über Rhein, Memel und Oder und findet seinen Abschluss mit einem Beitrag zum „Fluss der vielen Namen“: Evros, der auch Meric oder Martisa genannt wird und durch Bulgarien fließt und über weite Strecken, die türkisch-griechische Grenze markiert.
Das Online-Dossier wurde in den letzten sechs Jahren kontinuierlich und umfangreich erweitert. Historiker und Journalisten aus verschiedenen europäischen Ländern schildern ihre unterschiedlichen Perspektiven auf neun große europäische Flüsse. Die Idee hinter dem Dossier war es, Flüsse nicht nur als national aufgeladene Grenzströme zu betrachten. Denn sie sind gleichzeitig verbindende Elemente, die nationale Grenzen überwinden und die Möglichke it zum Austausch schaffen.
Flüsse haben seit jeher gemeinsame Räume hervorgebracht und Kulturlandschaften entlang ihrer Ufer zusammengehalten. Sie sind Heimat, Erinnerungsstätten, religiöse Symbole, Botschafter und Wegmarken in der Geschichte. So ist der Evros eine Außengrenze Europas und zugleich eine Verbindung zwischen Orient und Okzident.
Koordiniert wurde das Projekt „Geschichte im Fluss“ von dem Publizisten Uwe Rada. Insgesamt umfasst das Dossier 98 Essays von 78 Autoren aus 17 verschiedenen Ländern. Zu jedem Fluss kommen Autoren aus allen Anrainerstaaten zu Wort. Begleitet wurde das Dossier außerdem von Inka Schwand, die das Leben entlang der Flüsse fotografisch dokumentiert hat.

Das Online-Dossier steht auf der bpb-Website zur Verfügung unter: www.bpb.de/geschichte-im-fluss

 

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