Die Kolumne von Sophie Selbst-Zweifel

GenderINfizierung

Foto: Sonja Alphonso

Mein Name ist Sophie und ich bin Denkerin. Ich habe heute ein heikles Thema, das ich ansprechen möchte. Geschlechterneutralität im Sprachgebrauch.

Liebe Leidensgenossen und –genossinnen, Freunde und Freundinnen!

Ich frage mich, ob man/ frau es nicht ein wenig übertreibt mit der pedantischen Korrektheit. Im Hinblick auf die Lesbarkeit von Texten könnte es von mir aus ruhig etwas großkarierter zugehen. Unter anderem, weil ich den Grundgedanken zwar löblich, die Umsetzung jedoch für Makulatur halte. Für die Gleichstellung von Mann und Frau wären gleiche Gehälter bei gleicher Arbeit bedeutend fortschrittlicher.

Die Zeiten haben sich geändert. Früher war es nicht unbedingt besser, aber übersichtlicher. Es gab Arbeitnehmer und Hausfrauen. Mit der Emanzipation und zunehmender Berufstätigkeit des weiblichen Geschlechts fanden Begriffe wie MitarbeiterInnen Einzug in den Sprachgebrauch. Doch das reicht eben nicht.

Politiker_innen können ein Lied davon singen, wie heikel die Umsetzung der Gleichstellung ist, damit sich niemand/ niefraud auf den Schlips getreten fühlt, z. B. dadurch, dass eine Frauenquote oder Einkommensgerechtigkeit ins Gespräch gebracht wird. Moment mal! Ist der Schlips nicht ein maskulines Merkmal?

Bis zur Gleichberechtigung scheint es noch ein weiter Weg zu sein und schwieriges Gelände. Die Sprache hinkt der Zeit voraus. Selbst Vereine und Privatunternehmen müssen sich mit dieser Problematik auseinandersetzen und nach außen konsequent beide Geschlechter im Blick behalten, wenn sie um Käufer*innen werben und Mitgliederinnen gewinnen wollen.

Selbst bei der Nennung einer Mehrzahl, liebe LeserINNEN, geht der/ die Texter§in besser auf Nummer sicher. Dass es nur Anrufbeantworter gibt, könnte irgendwann für einen handfesten Skandal sorgen!

Eigentlich müsste man/ frau die Artikel selbst mal auf den Prüfstand stellen und gegebenenfalls abschaffen, weil DER diskriminierend sein könnte.

Und was ist mit Transgendern, die sich vielleicht ausgegrenzt fühlen? Wo hört das je auf? Wieviel Zeit vertrödeln wir mit diesem Kleinklein? Hätten wir die Gleichberechtigung erreicht, würde kein Mensch auf die Idee kommen, soviel Energie darauf zu verwenden, den Korrekturstift bei der Schriftsprache anzusetzen.

Ich fühle mich beinahe wie eine Verräterin, weil ich das Thema so wörtlich nehme, statt die Form wahren zu wollen. Ich hoffe, niemand/niefraud nimmt mir meine ehernen Motive ab. Ich bin für Emanzipation (auch für mehr Rechte und Respekt, auch für Hausmänner und Väter), aber für weniger Hürden beim Schreiben und Sprechen. Ich wünsche mir Barrierefreiheit für die Sprache.

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