Müllerhandwerk und Kivelingsfest als immaterielles Kulturerbe vorgeschlagen

„Gelebte Traditionen in unserem Land“

Der Prototyp der Windräder soll nach dem Willen von Niedersachsens Kulturminsterium zum immateriellen Kulturerbe werden. (Foto-Rabe/pixabay)

Deutschland hat nun ein Heimatministerium und auch Niedersachsen besinnt sich auf Traditionen. Nun soll das Kivelingsfest gewürdigt werden. Dabei hat es einen recht kriegerischen Ursprung.

In einer Pressemitteilung des niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kultur (MWK) heißt es:

„Niedersachsen ist reich an landestypischen Traditionen. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) schlägt zwei von ihnen für das bundesweite Verzeichnis immateriellen Kulturerbes vor: das Müllerhandwerk in Wind- und Wassermühlen und das Kivelingsfest in Lingen.

„Das Lingener Kivelingsfest und das Handwerk der Müllerinnen und Müller in Wind- und Wassermühlen sind gelebte Traditionen in unserem Land, die sich durch das große Engagement vieler Niedersächsinnen und Niedersachsen auszeichnen. Sie laden ein, sich mit unserer kulturellen Geschichte zu beschäftigen, und sind eine Bereicherung für uns alle“, sagt der Niedersächsische Kulturminister Björn Thümler.

Niedersächsische Gemeinschaften und Gruppen, die gelebte Traditionen vertreten und weitergeben, konnten sich 2017 beim MWK bewerben, um vom Land für die Aufnahme in das nationale Verzeichnis immateriellen Kulturerbes vorgeschlagen zu werden. Alle Anträge wurden durch eine Expertenjury geprüft. Die beiden ausgewählten Traditionen werden nun an die Kultusministerkonferenz weitergeleitet.

Im Laufe des Jahres werden alle von den Bundesländern eingereichten Anträge von einem unabhängigen Expertengremium bei der Deutschen UNESCO-Kommission geprüft. Die Anträge, die den internationalen Richtlinien entsprechen, bilden das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes. Es ist die Grundlage für Anmeldungen zur internationalen Liste des immateriellen Erbes der UNESCO.“

Hintergrund:

Das Müllerhandwerk in Wind- und Wassermühlen legte über Jahrhunderte die Grundlage für gesellschaftliche Entwicklung, wurde heute allerdings vom industriellen Getreidemahlen überholt. Dank der Handwerksmüllerinnen und -müller wird diese Tradition weiterhin gelebt. Bei Aktionen wie dem Deutschen Mühlentag öffnen sie ihre Mühlen und geben ihr handwerkliches Wissen weiter.

Das Kivelingsfest in Lingen (Ems) ist ein historisches Volksfest, das alle drei Jahre am Pfingstwochenende vom „Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen ‚Die Kivelinge‘ e.V.“ von 1372 organisiert wird. Die Mitglieder des Vereins sind traditionell unverheiratete Männer, die das Fest mit zahlreichen anderen Gruppen durchführen. Die über 600 Jahre alte Tradition des Festes zeichnet sich durch ihre hohe Bürgerbeteiligung aus.“

Der Bürgersöhne-Aufzug zu Lingen, »Die Kivelinge« e.V. – der mit zu den ältesten Vereinen in Deutschland zählt – entstand geschichtlicher Quellen nach im Jahr 1372. Während einer Belagerung der Festung Lingen rief der Magistrat der Stadt, da das heimische Heer anderweitig in Kämpfe verwickelt war, als letzte Möglichkeit die jungen, unverheirateten Bürgersöhne auf die Wälle, um ihre Heimatstadt zu verteidigen. Die Bürgersöhne verteidigten – so ist es überliefert – mit Löwenmut ihre Heimatstadt ganze drei Tage lang gegen die Belagerer und retteten somit Lingen vor der Erstürmung. In Gedenken an diese Tat erhielten die Bürgersöhne vom Magistrat das Recht, alle drei Jahre in der Stadt ein großes Fest zu feiern. Dieser Brauch lebt noch heute im Historischen Kivelingsfest weiter.

Quelle: www.mwk.niedersachsen.de

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