Künstler*innen beim Harburger Kulturtag am 4. Nov. 2017 – Yvette Kießling

„Flüsse sind identitätsbestimmend“

Yvette Kießlijng - "grüne Bucht“, Öl auf Leinwand auf Holz, 55 x 60 cm, 2014

Am 4. November 2017 findet zum 14. Male der Harburger Kulturtag statt. Dabei ist immer auch der Verein „Künstler zu Gast in Harburg“ im Mayr`schen Haus vertreten. In diesem Jahr: Yvette Kießling aus Leipzig. Wir haben mal nachgefragt.

Yvette Kießling ist 1978 geboren und lebt in Leipzig. Sie studierte dort als Meisterschülerin von Arno Ring, dem „Vater der Neuen Leipziger Schule“. Ihr Sujet ist die Landschaftsmalerei. Sie ist aber auch als Fotografin aktiv und absolviert viele Studienreisen. Nun ist zu Gast in Harburg.

Tiefgang (TG): Hallo und herzlich willkommen, Yvette Kießling. Sie sind dieses Jahr unsere „Künstlerin zu Gast in Harburg“. Wie ist der Kontakt zum Verein „Künstler zu Gast in Harburg“ überhaupt entstanden?

Yvette Kießling: Über verschiedene Aufenthalte in Hamburg, auch in Harburg und den Kontakt zu Prof. Busch habe ich von der Möglichkeit im Künstlerhaus Harburg arbeiten zu können erfahren und mich beworben.

TG: Sie stellen in Hamburg nicht zum ersten Mal aus. Ist Ihnen da der Harburger Kulturtag schon zuvor mal „untergekommen“. Also wussten Sie von ihm?

Yvette Kießling: Nein, ich kannte ihn bisher noch nicht.

TG:  Sie beschäftigen sich mit Lithografie, Malerei und Radierungen. Waren das immer schon ihre Prioritäten? Was gefällt Ihnen an diesen Techniken und Wirkungen besonders?

Yvette Kießling: Die grafischen Techniken sind mir bereits im Studium sehr wichtig gewesen. Ich habe immer parallel zur Malerei auch in der Radierung und später nach dem Studium mehr und mehr auch in der Lithografie gearbeitet. Die Grafik macht es mir möglich, verschiedene malerische und kompositionelle Ideen zu erproben. Die verschiedenen Wege und Möglichkeiten, die aus dem Arbeiten im Wechselspiel Malerei – Grafik erwachsen, sind für mich sehr wichtig und fruchtbar.

Zu Gast in Harburg: Yvette Kießling

 

TG: Sie waren Meisterschülerin bei Arno Rink, der seinerseits wesentlich das Kunststudium in Leipzig als Rektor prägte. Hat er Ihr Schaffen geprägt oder beeinflusst er es noch heute und wenn in wie fern?

Yvette Kießling: Arno Rink war ein großartiger Lehrer. Er hat meine Arbeit, meine künstlerischen Entwicklung sehr gefördert. Gerade in der Entscheidung für das Arbeiten vor der Natur, vor der Landschaft hat er in langen und intensiven Gesprächen und Bildbetrachtungen maßgeblich beigetragen.

TG: Sie leben und arbeiten in Leipzig. Eine Stadt, die zur Zeit für jung und wachsend steht. Wie ist Ihr Eindruck? Was gibt Ihnen die Stadt aus künstlerischer Sicht?

 

Yvette Kießling: Leipzig ist eine wunderbare Stadt, um als Künstler gut leben und arbeiten zu können. Durch das eigene Atelier in der Spinnerei bin ich fachlich und kollegial bestens vernetzt.

Schwierig günstigen Raum zu finden

Momentan verändert sich durch den Boom im Bau und Ausbau von Wohn- und Gewerbeflächen viel, gerade hier im Leipziger Westen. Die Mieten steigen und es wird schwieriger, günstigen Raum zu finden. Im Vergleich zu Städten wie München, Hamburg oder Frankfurt aber ist es als Künstler noch immer sehr günstig, hier zu leben und eine sehr lebendige und breite Kunstszene zu genießen.

TG: Wie sind Sie persönlich zur Kunst gekommen?

Yvette Kießling: Für mich stand es immer fest, Malerin zu werden und ich bin sehr dankbar, dass ich diesen Weg über die Leipziger Hochschule nehmen konnte.

TG: In Ihren Werken dominiert Landschaftliches und vor allem Fluss, kann das sein? Und wenn, wie kommt´s?

Yvette Kießling: Seit vielen Jahren beschäftige ich mich ausschließlich mit dem Thema Landschaft. Im speziellen mit dem Thema Fluss. Die Faszination besteht seit meiner Kindheit in Thüringen und hat sich hier in Leipzig an diversen Flüssen fortgesetzt. Flüsse sind landschaftsprägend und identitätsbestimmend für die Anwohner. Mich fasziniert besonders die Energie großer Ströme, wie beispielsweise der Elbe. Die verschiedenen Landschaftsräume, die an den Ufern, in der direkten Umgebung zu finden sind, ziehen mich immer wieder in ihren Bann. Dazu kommt die Faszination der „Gestaltlosigkeit“ des Wassers an sich, der riesigen Herausforderung, dies in einem Bild zu fassen.

TG:  Was erwarten Sie von Harburg, wenn Sie jetzt hier artist in residence sind?

Yvette Kießling: Ich möchte mich vor allem weiter mit meinem langjährigen Thema Elbe beschäftigen. Besonders interessiert mich hier die Insel Wilhelmsburg mit ihren Elbufern und sie durchziehenden Wasserwegen.

Langjähriges Thema „Elbe“

Ich werde die Zeit nutzen, intensiv vor Ort zu arbeiten – diese Möglichkeit bietet mir der Aufenthalt im Mayrischen Haus in Harburg sehr perfekt.

TG: Was erwartet uns zum Harburger Kulturtag?

Yvette Kießling: Ich möchte in Harburg eine geschlossene Reihe von Bildern schaffen und neue malerische Möglichkeiten ausloten. Ich bin gespannt, im direkten Bezug neue Bilder den Menschen vor Ort zeigen zu können.

TG: Vielen Dank für das Gespräch und wir freuen uns auf Sie!

Am Sa., 4. Nov. 2017 ist Yvette Kießling im Rahmen des 14. Harburger Kulturtags von 12 – 20h mit aktuellen Arbeiten als „Künstlerin zu Gast in Harburg“ im Mayr`schen Haus in der Lämmertwiete 14, 21 073 Hamburg zu erleben.

Weiterführende Links:

www.yvettekiessling.de oder www.kuenstler-zu-gast-in-harburg.de  

Das komplette Programm des Kulturtags zum Herunterlanden unter: Harburger Kulturtag Flyer.pdf

(Das Interview für „Tiefgang“ führte Heiko Langanke)

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