Reihe: Highlights der SuedKultur Music-Night am 7. Okt. 2017

Eine große musikalische Geste

´Almost Golden` im Glanz der Sonne: Sängerin Nora Sänger kommt mit Band zur SuedKultur Music-Night in die Fischhalle. (Foto: Sandra Wiering)

Am 7. Oktober 2017 rockt der Süden Hamburgs. Die Initiative SuedKultur lädt zum 7. Male zur Music-Night. Wir stellen Euch im Vorfeld einige Highlights vor. Hier: Die Hamburger Sängerin Nora Sänger in der Fischhalle.

Zum Sommer erst eröffnet ist die Fischhalle im Harburger Hafen bereits eine feste Musiklocation in Hamburg. Das hat mit dem Ambiente direkt am Wasser zu tun. Aber eben auch mit ihrem Betreiber: dem Harburger Hafenbarden Werner Pfeifer.

Am Sa., 7. Okt. um 20.30h hat er nun Nora Sänger zu Gast.

Wenn Nora Sängers finales Track „Lioness“ des neuen Albums „Almost Golden“ erklingt, stellt sich die Frage „Ist das jetzt eigentlich fast herrlich oder schlicht und ergreifend herrlich!?“ Denn die facettenreiche musikalische Reise, auf die uns die Hamburger Songpoetin schickt, bietet dem pop-affinen Hörer die volle Packung: Da ist erstens der Sound. Nora Sängers Mix aus Folk/Americana sowie Anklängen des Westküstensounds der 60er und 70er bietet viel Vertrautes, ist frisch und eigen und auf die charmanteste Art und Weise „undeutsch“.

Da sind zweitens: Abwechslungsreiche Kompositionen. Ob die große kalifornische Rock-Nummer wie „Thank You“, ein souliger Country-Walzer wie „When I Come Home“ oder das bescheidene und ehrliche „Destination“ – Nora Sänger bietet uns Vielfalt innerhalb ihres vintage but contemporary Folkpop.

Drittens: Hitverdächtige Hooks, die niemals banal oder gewollt wirken. So scheint sich Nora während des immer wiederkehrenden „Nananana“ auf „If“ durch die Musik zu dem inspirieren lassen, was sie als nächstes sagen will. Und ihr Mitwipp-Refrain bei „All Over The Place“ macht einfach Spaß!

Und viertens gelingt Nora mit ihrer mal kräftig strahlenden, mal zart schmelzenden Stimme die große musikalische Geste, wie wenn sie bei „Jump“ einen ganzen Chor anführt, genauso wie Intimität – ihre Bitte „Tell me how you want me to be“ bei „Lioness“ hat geradezu etwas Zerbrechliches.

Noras Werdegang ähnelt dem vieler Vollblutmusiker: als 4-Jährige weiß sie, dass sie einmal Sängerin werden wird, als sie „All At Once“ von Whitney Houstons Debut-Album hört. Sie komponiert und notiert ihre ersten Lieder im Alter von 6 Jahren, erlernt als Kind und Teenager verschiedene Instrumenten, und bekommt mit 14 schließlich den heißersehnten Gesangsunterricht. Mit 19 beginnt sie, ihr Songwriting ernsthaft zu verfolgen und studiert nach dem Abitur Pop- und Jazzgesang an der SängerAkademie Hamburg und im renommierten „Popkurs“ der Hochschule für Musik und Theater, Hamburg. Mit Ende ihres Studiums im Jahr 2006 beginnt eine recht lange Suche nach musikalischer Identität. „Ich hab‘ mich selbst lange Zeit nicht erkannt“, sinniert die 32-jährige Wahl-St.-Paulianerin. „Ich wollte unbedingt ein Pop-Produkt in Knallfarben sein, so’n Mix aus Katy Perry und Gewn Stefani. Ich habe recht lange gebraucht um einzusehen, dass ich das einfach nicht bin.“ Nachdem sich Nora mit ihren Songs durch verschiedene Bandprojekte mäandert hat, bringt das Jahr 2012 die Kehrtwende: „Plötzlich hatte ich keine Band mehr und war auf mich selbst gestellt. Obwohl ich zunächst Bammel hatte, alles allein machen zu müssen, war dies im Endeffekt ein wertvoller Prozess.“ Denn während sie Solo-Gigs spielt, sich selbst auf dem Klavier oder der Gitarre begleitet, findet sie sich: Die Singer-Songwriterin, schörkellos, down to earth, ehrlich, die durch ihre sympathische Art und ihr Storytelling schnell eine Verbindung zu ihrem Publikum aufbaut. Eine klassische Folk-Sängerin und Song-schreiberin eben. „Plötzlich hatte ich das Gefühl, echten ‚Nora-Spirit‘ gefunden zu haben… den wollte ich natürlich im Zuge der Aufnahmen für ein Album nicht totproduziert sehen.“ 

Hört selbst:

Und so entscheidet Nora, die Album-Produktion ganz nach ihren Vorstellungen zu gestalten, jenseits der Vorgaben etwa einer Plattenfirma oder eines Managements. Einen Teil der Kosten für „Almost Golden“, welches in zwei Sessions 2013 und 2014 aufgenommen wird, trägt Nora selbst und bekommt darüber hinaus wertvolle Unterstützung durch ein Crowdfunding. Und so ist „Almost Golden“ eher musiziert und nicht produziert im heutigen Sinne, wo unter Produktion häufig Klang-Gebastel am Computer verstanden wird.

Das aktuelle Album

„Bevor ich 2013 das erste Mal mit Jo, Dominik, Nils und Robin in die Drei 30 Studios gegangen bin um Aufnahmen für mein Album zu machen, habe ich mir eine Fotografie von 1970 aus dem Internet ausgedruckt und aufgehängt, auf der Carole King zusammen mit ihrer Band im Studio sitzt und ihr legendäres Album „Tapestry“ einspielt. Als Wegweiser, als Motivation.“ Tatsächlich fühlt sich Nora am meisten zu den Klassikern der Popmusik hingezogen. „Ich würde behaupten, meine Parade-Nummer auf Auftritten ist „You Make Me Feel Like A Natural Woman“ solo am Klavier performt und ja, ein Teil von mir wünscht sich, dass man auch heute noch mit einem Song wie „America“ von Simon & Garfunkel rebellieren kann.“ 

Premium Jam-Session

Und weiter: „Die Aufnahmen zu ‚Almost Golden‘ waren ein Träumchen“, erzählt Nora. „Wir haben es ja old school-mäßig live eingespielt, das Ganze hatte etwas von einer Premium Jam-Session. Kein Wunder bei diesen Top- Musikern!“ Tatsächlich gehören Robin Fuhrmann (dr), Dominik Pobot (key) und Jo Varain (b) zu den angesagtesten jungen Musikern Hamburgs, spielen für gestandene Stars wie Ina Müller, Lokalmatadoren wie Caroline Fortenbacher oder Reinhold Beckmann und diverse aufstrebende Bands der Hamburger Szene. Und Nils Tuxen (git), der, bevor er sich über die letzten 30 Jahre einen Ruf als Experte in all things Country aufbaute (Truck Stop, Texas Lightning, Konstantin Wecker, Jon Flemming Olsen), schon Ende der 60er in New York City in Fusion-Bands spielte, ist ohnehin ein Kapitel für sich. „Nils hat immer noch ein Instrument mehr.“ lacht Nora. „Man denkt, man hat schon alles aufgenommen, und dann zaubert er noch  eine kleine Harfe aus dem Hut oder kommt mit einem folkloristischen Saiteninstrument aus Portugal um die Ecke. Einfach genial!“

In diesem Sinne:  Lasst euch von Nora Sänger durch die Nacht führen- die SuedKultur Music-Night!

Sa., 7. Okt. 2017: Fischhalle, Kanalplatz 16, 21079 Hamburg, www.fischhalle-harburg.de

vor ab um 19 Uhr – Werner Pfeifer und die Hafenbande, 20.30 Uhr – Nora Sänger und Band, danach: 21.30 Uhr – Kate Louisa

weiterführender Link: norasaenger.de

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