Ein Plädoyer für Schwarz

Fliege schwarz - Ulrike Hinrichs

 

Mit Schwarz ist es wie mit dem schlechten Wetter, beides wird zu Unrecht in die depressive Ecke gestellt. Schwarz hat mehr Optimismus verdient.

von Ulrike Hinrichs

Anlässlich eines interessanten Beitrags, der kürzlich in der Frankfurter Allgemeinen über den Künstler Florian Heinke erschien und der überwiegend schwarz geprägte Bilder malt, fiel mir wieder einmal das schlechte Image der Farbe Schwarz auf. Auch in meiner täglichen Arbeit als Kunsttherapeutin erlebe ich regelmäßig die negative Bewertung von Schwarz. Die Farbe ist aber besser als ihr Ruf.

Licht beschreibt der Physiker Markolf H. Nimez als Gedächtnis der Welt. Licht „transportiert und sammelt Informationen im gesamten Kosmos und ist somit ein Speicher von allem, was im Kosmos geschieht.“ Schwarz bedeutet die Abwesenheit von Licht. Und Farbe ist ein Phänomen des Lichts. Daher sagen auch einige, dass Schwarz gar keine Farbe sei. Aber diese Spitzfindigkeiten wollen wir hier unkommentiert lassen.

Schwarz ist dort, wo das Licht abwesend ist. Wo kein Licht ist, geht es in die Tiefe, ins Unbekannte, in den Schattenbereich. Das Unkalkulierbare, das sich hinter dem Schwarz verbirgt, macht den Menschen Angst. Daher verbinden viele mit Schwarz eher Angst, Bedrohung, Tod und Verderben. Dort wo es hell ist, können wir genau hinschauen, die Umgebung kontrollieren und Gefahren erkennen. Im Dunkeln dagegen muss man auf die Instinkte und die Intuition vertrauen, die Kontrolle abgeben, sich führen lassen.

Schwarz erinnert an die Magie der Nacht. Im Schutze der Dunkelheit ist alles verborgen. Damit ist Schwarz auch ein Zeichen des Schutzes, eine Farbe, die verhüllt, verdeckt, ummantelt und umhüllt. Schwarz steht für Klarheit und Stabilität und kann ebenso geheimnisvoll wie edel wirken.

Auch kulturell sind wir stark von den Farbzuschreibungen geprägt. Während in unserer Kultur etwa Schwarz für Trauer steht, ist es in China dagegen Weiß.

Redewendungen prägen ebenso unsere Beurteilung.  „Sich schwarz ärgern“ oder „den schwarzen Peter ziehen“ sind negativ konnotierte Sprüche. Gleiches gilt für die „schwarze Magie“ als Schadenszauber oder die „schwarze Pädagogik“, die den Willen des Kindes brechen will.

Farben sind Symbole. Wie alle Symbole zeigen sie eine kollektive und eine individuelle Deutung. Schwarz dominierte Bilder können in uns die Schattenseite anspielen, aber auch die positive Seite der Farbe bedienen. Das kommt ganz auf den Betrachter an. Symbole beinhalten keine allgemeingültigen Zuschreibungen. Im Vordergrund steht die individuelle Bedeutung. Symbole, zu denen auch Farben gehören,  haben aber auch eine archetypische Essenz. Der Sinn des symbolischen Ausdrucks ist nach C.G. Jung darin zu suchen, „analogisch ein noch Unbekanntes und Werdendes zu präzisieren“. Symbole komprimieren Bedeutungen auf das Wesentliche. Ein Symbol gibt Orientierung. „Es verbindet Bedeutungsdefizit mit Sinnüberschuss“, wie es Röhl beschreibt. Symbole haben eine unmittelbare und überwältigende Wirkung auf das Bewusstsein. Denn sie schleichen sich an unserem Verstand vorbei und treffen sofort in unser Inneres. Darin liegt auch der Grund, warum der künstlerische Ausdruck persönliche und auch kollektive Themen ganz unmittelbar spiegeln kann. Das gilt eben auch für die Farbsymbolik, die besonders gut Gefühle transportiert.

Literatur

  • G. Jung in Menzen, Karl-Heinz (2017, S. 195). Heil-Kunst. Entwicklungsgeschichte der Kunsttherapie.
  • Hinrichs, Ulrike (2019). Kunst als Sprache der Intuition – Der holografische Ansatz in der Kunsttherapie und kunstanalogen Transformationsprozessen
  • Markolf H. Nimez (2020, S. 47), Die Welt mit anderen Augen sehen.
  • Röhl, Klaus F. Die Macht der Symbole 

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