Der 15. Harburger Kulturtag lädt am 4. November zur Entdeckungstour:

Ein Haus voll Ziervogel

Seit schon 15 Jahren treibt es an einem Herbsttag tausende Menschen vor die Tür und in die Musenstätten Harburgs. Denn dann ist Harburger Kulturtag und es gibt viel zu entdecken. Etwa in der Sammlung Falckenberg.

Dieses Jahr ist es der Sonntag, 4. November zwischen 10 und 20h, an dem die Pforten zur Kultur sich öffnen. Und die Sammlung Harald Falckenberg, der kürzlich seinen 75. Geburtstag feiern konnte, wartet mit einer viel gelobten Ausstellung auf: das Werk von Ralf Ziervogel.

Der Titel der Ausstellung lautet „As If“ und präsentiert auf gleich drei Stockwerken der einstigen Phoenix-Werkshalle rund 130 Werke des Meisterschülers. Darunter groß- und kleinformatige, oft drastische Zeichnungen, Videos und Installationen. Ralf Ziervogel wurde 1975 in Clausthal-Zellerfeld geboren und absolvierte als Meisterschüler den Studiengang der Bildenden Kunst an der Universität der Künste Berlin mit dem Schwerpunkt Zeichnung. Er war Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes und erhielt ein internationales Stipendium für einen Studienaufenthalt 2014 in der Deutschen Akademie Rom Casa Baldi.

Seit 2014 arbeitet Ziervogel an einem Zyklus mit Körperprints: aus fragmentarischen Abdrucken in schwarzer Gouache, entsteht ein neuer dynamischer Körper auf bis zu fünf Meter großen Blättern. Jede Bewegung, jede Pressung und Verwischung auf dem Papier wird von selbsterfassten, handgeschriebenen Texten begleitet, die, wie ein großes Spinnennetz über die schwarzen Abdrucke gespannt, eine zweite Ebene der Arbeiten bilden.

Aus der Konsequenz zeichnerischer Inhalte resultieren dreidimensionale Arbeiten, die über Jahre oder sogar Jahrzehnte entwickelt werden. Sie sind Ziervogels Utopien, als riesige Bauwerke, kleine Versuchsanlagen, Skulpturen oder Installationen verarbeitet. Die Videos aus den Jahren 2001-2004, kurze, affektartige Gefühlsbeschreibungen generieren ein Konvolut an Existenzmöglichkeiten und sind dennoch als Verweissysteme zu verstehen.

Ralf Ziervogels Arbeiten waren unter anderem auf der Kunst- und Architekturbiennale in Venedig, in der Kunsthalle Wien, dem Museum of Modern Art in New York, dem Modern Art Museum of Fort Worth in Texas, der Kunsthalle Düsseldorf, der DESTE Foundation for Contemporary Art in Athen, dem maison rouge in Paris und in der Pinakothek der Moderne in München zu sehen.

Mancher Kunst-Stoff Ziervogels ist grenzwertig und im Grunde erst ab 18 Jahren betrachtbar. So will es das Jugendschutzgesetz. Werke der Ausstellung verstören bewusst das moralische Empfinden verletzen religiöse Gefühle. Ralf Ziervogel „hat beträchtliche Fantasien vor allem in Bezug auf Folterszenarien entwickelt, bei denen sämtliche bekannte und unbekannte Körperöffnungen sowie ausdrucksvoll geformte Schwänze die Hauptrollen übernehmen“, schrieb die ´taz`.

Der Künstler lebt und arbeitet derzeit in Berlin.

Die Sonderöffnung der Sammlung Falckenberg am Harburger Kulturtag beginnt um 13 Uhr, um 14, 15 und 16 Uhr gibt es je eine Führung zur Sammlung. Weiterführend: deichtorhallen.de/sammlungfalckenberg

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