Bund prämiert Live-Musikclubs mit 1,85 Mio. Euro - Bewerbungsphase bis Ende Juni

Ein Applaus an die deutsche Clubszene

Große Bühne für die Bühnenmacher: Applaus-Preisverleihung 2016 in Köln. (Foto: Initiative Musik)

In der ganzen Republik wird gerockt, gejazzt und gepopt, was das Zeug hält. Da will auch das Kulturstaatsministerium fetzen und zahlt einen hohen Eintritt.

Zum vierten Male wird der einst als „Bundesspielstättenpreis“ titulierte Fördertitel für überwiegend privat finanzierte Musikclubs in Deutschland ausgeschrieben. Mittlerweile heißt er „APPLAUS“ und wird von der Kulturstaatsministerin der Bundesregierung, zur Zeit Monika Grütters, vergeben.

Es geht summa summarum um 1,85 Millionen Euro. Damit ist der Preis der höchstdotierte Bundesmusikpreis. Der APPLAUS-Preis wird dabei in in drei Kategorien vergeben:

  • Kategorie I: Spielstätten mit regelmäßig mehreren Livemusikveranstaltungen in der Woche im Jahr 2016: Preisgeld: 40.000 Euro,
  • Kategorie II: Spielstätten mit durchschnittlich einer Livemusikveranstaltung pro Woche im Jahr 2016: Preisgeld: 20.000 Euro,
  • Kategorie III: Spielstätten sowie Veranstalter, die im Rahmen fester Programmreihen mindestens 10 Livemusikveranstaltungen im Jahr 2016 durchführten, Preisgeld 7.500 Euro.

Neu als Preise sind die Auszeichnungen für „Audience Development“ sowie „Artist Development“ hinzugekommen.

Der Audience Development-Preis prämiert kreative und nachhaltige Aktionen, mit denen neue Zielgruppen gewonnen und das Stammpublikum gepflegt werden. Beim Artist Development hingegen soll die Förderung der lokalen bzw. regionalen Musikszene ausgezeichnet werden. Die Preise sind mit je 7500 Euro dotiert. Des Weiteren kann die Jury einen freien Sonderpreis vergeben, der ebenso dotiert werden kann.

Das Bewerbungsverfahren für APPLAUS 2017 läuft bis zum 30. Juni 2017 – 18 Uhr.

Der Spielstättenprogrammpreis „APPLAUS – Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten“ der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien verbindet konkrete finanzielle Unterstützung für Clubbetreiber mit mehr öffentlicher Aufmerksamkeit für ihre musikalischen Angebote und Belange. Ausgezeichnet werden kulturell herausragende Livemusikprogramme, die maßgeblich zum Erhalt der kulturellen Vielfalt in Deutschland beitragen. Die Initiative Musik realisiert „APPLAUS – Auszeichnung der Programmplanung unabhängiger Spielstätten“ unter Einbeziehung der Bundeskonferenz Jazz und der Live Musik Kommission – Verband der Musikspielstätten in Deutschland e.V..

Voraussetzungen zur Teilnahme sind u.a. aber, dass der Club nicht mehr als 1.000 Besuchende umfasst und sich überwiegend (mind. 60%) aus eigenen Mitteln statt öffentlicher Unterstützung finanziert.

Die Teilnahmebedingungen finden sich hier: initiative-musik.de-Teilnahmebedingungen

Das Online-Antragsverfahren findet sich hier: antragsverwaltung.de

In der Jury sitzen in diesem Jahr:

  • Steffen Deeg – Leitungsteam Cairo Würzburg
  • Prof. Dieter Gorny – Aufsichtsratsvorsitzender der Initiative Musik, Vorsitzender der Jury
  • Julia Hülsmann, Musikerin
  • Uli Kempendorff, Musiker
  • Reiner Michalke, Programmchef Stadtgarten Köln
  • Esther Rieger-Breuer, Geschäftsführerin Riegerous Artist Management
  • Constanze Schliebs, Künstleragentur AsiaNetwork
  • Dieter Schubert, Geschäftsführender Gesellschafter a.s.s. concerts & promotion
  • Julia von Wild, Freie Kulturmanagerin

Ansprechpartner für weitere Fragen:

Björn Kagel & Geoffrey Vasseur

Mo., Mi., Fr. 10-14 Uhr

T:  030 – 531 475 45 – 1

E-Mail: sppp(at)initiative-musik(dot)de

Hintergrund:

Die ursprüngliche Idee für den Spielstättenprogrammpreis wurde 2003 von der Bundeskonferenz Jazz (BK Jazz) entwickelt. Die BK Jazz setzte sich in etlichen Sitzungen und Gesprächen auf bundespolitischer Ebene für diesen Preis ein und konnte letztendlich gemeinsam mit der Initiative Musik erreichen, dass der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages im November 2012 erstmals 1 Million Euro für dessen Realisierung freigab.

Mehr kommunale Aufmerksamkeit

Ziel des Preises ist es, die kulturelle Leistung der kleinen Spielstätten und Konzertreihen des Jazz, Rock und Pop zu würdigen, sie strukturell zu stärken und ihnen kommunal wie regional höhere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Stellvertretend für die enorm wichtige kulturelle Arbeit der Spielstätten werden seither besonders die Programmmacher gewürdigt, die sich durch ein qualitativ hochwertiges und ambitioniertes Livemusikprogramm im Vorjahr ausgezeichnet haben.

„Künstler und Spielstättenbetreiber sitzen gemeinsam in einem Boot. Nur zusammen können wir für eine Stärkung der Jazzszene in Deutschland sorgen“, so Jazz-Pianistin Julia Hülsmann bei der ersten Verleihung des Preises 2013. „Der Spielstättenprogrammpreis zeigt deshalb genau in die richtige Richtung, denn ausgezeichnet werden Spielstätten, die nicht nur ein künstlerisch herausragendes Programmm bieten, sondern auch auf angemessene Bedingungen für die Musiker achten.“

Die Neiddebatte

Aber wie immer, wenn es ums Geld geht, ist auch in kulturellen Bereichen die Neiddebatte nicht weit. So schrieb 2015 Oliver Hochkeppel treffend in der ´Süddeutschen Zeitung`: „Man musste nicht lange nachfragen, um zu erfahren, dass sich die Jury komplett verkracht, ja, dass es eine Frontstellung der vier Jazzvertreter gegen die fünf Popdelegierten gegeben hatte. Ein offener Brief konnte mit Mühe unterdrückt werden, doch die Jazzmusikerin Angelika Niescier reiste aus Protest gar nicht zur Verleihung an. Und auch Jurymitglied Cornelia Vossebein, Geschäftsführerin der Zeche Carl in Essen, deutete auf der Bühne ihre Enttäuschung an, dass so wenig inhaltlich diskutiert worden wäre. Sieht man sich die Verleihung genauer an, registriert man in der Tat eine auffällige Zunahme der prämierten Pop-Clubs.“  

(2. Juni 2017, hl)

 

 

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