Deichtorhallen Hamburg und Kampnagel starten gemeinsames Digitalprojekt

»Diversify The Code«

Geht mit der digitalen Technik in der Kunst alles den Bach runter? (Foto Schmidsi / Pixabay)

Was nützt die Digitalität der Kunst? Dieser Frage gehen nun die Deichtorhallen, Kampnagel und der Chaos Computer Club gemeinsam nach.

 

Mit dem gemeinsamen Projekt »Diversify the Code! Künstlerische Produktion und institutioneller Strukturwandel« im digitalen Raum haben die Deichtorhallen Hamburg und Kampnagel im Rahmen des Fonds Digital der Kulturstiftung des Bundes ihre Kooperation begonnen. Der Chaos Computer Club (CCC) begleitet das Projekt als digitaler Partner.

Das Kooperationsvorhaben »Diversify the Code!« geht der Frage nach, wie digitale Technologien für die künstlerische Arbeit, deren Vermittlung sowie für eine umfassende Neustrukturierung interner Arbeits- und Produktionsstrukturen der Häuser entwickelt und eingesetzt werden können. Der digitalen Entwicklung soll dabei im besten Sinne kritisch begegnet werden; mit dem Projekttitel »Diversify the Code« wird das Anliegen ausgedrückt, sich für Diversität in der Technologie-Entwicklung einzusetzen; denn nur wenn die Diversität der Gesellschaft in den Entwicklungsstrukturen repräsentiert ist, kann das entwickelte Produkt der Vielfalt der Nutzer:innen gerecht werden.

Im Rahmen des Projektes werden beide Häuser die Vernetzung von Kunst und Technologie unterstützen und befördern. In digitalen Forschungsresidenzen und Laboratorien soll zur Rolle von Technologie in der künstlerischen Praxis experimentiert werden – den Häusern geht es hier vor allem darum, den Raum für interdisziplinären Austausch zwischen bildenden und performativen Künsten und Technologien zu fördern und neue (digitale) Ansätze künstlerischen Ausdrucks zu erforschen. Darüber hinaus werden zum einen Open Source-Anwendungen entwickelt, welche die Zusammenarbeit in den Häusern verbessern und dem Selbstverständnis sowie der betrieblichen Praxis beider Häuser entsprechen.

Amelie Deuflhard: „Kampnagel stand schon immer für Sparten-verschmelzende Kunst; digitale Technologie ist als Teil davon nicht mehr wegzudenken, weder aus den Strukturen noch aus den künstlerischen Mitteln und Ästhetiken. Mit unserer Kooperation möchten wir in diesem Bereich neue Impulse setzen und Experimente fördern – und uns dabei gemäß dem Motto Diversify the Code kritisch mit diskriminierenden Strukturen und einseitigen, dominierenden Perspektiven in diesem Feld auseinandersetzen.“

Dirk Luckow, Intendant der Deichtorhallen Hamburg: „Das Online-Projekt Diversify the Code! hat für die Zukunft unserer Häuser eine große Relevanz. Kulturschaffende und Besucher*innen wird entgegen der Logik großer Suchmaschinen, Internet-Anbieter und Netzstrukturen ein neuer Zugang zu den Institutionen und ihren Programmen ermöglicht. So soll ein spannender Ort für jüngere künstlerische Szenen und kulturelle Netzaktivitäten entstehen, der Diskurse rund um Prozessorientierung, Interdisziplinarität und digitaler Transformation aufgreift. Dabei wollen wir uns auch Methoden der »Open source culture« und des »creative coding« bedienen: Von der Vereinfachung interner Kommunikationsabläufe über neu gestaltete Vermittlungskonzepte bis hin zu künstlerischen Produktionsmöglichkeiten für die von uns erdachten digitalen Plattformen, um Kunst und Kultur, Technologie und Bildung neu in unser Angebot zu integrieren.“

Bert Antonius Kaufmann, kaufmännischer Direktor der Deichtorhallen Hamburg: „Die Förderung im Fonds Digital der Kulturstiftung des Bundes ist eine große Chance für alle beteiligten Institutionen. Sie ermöglicht die gemeinsame Entwicklung neuer digitaler Infrastrukturen und damit die Verbesserung interner Organisationsprozesse. Bei diesem Prozess wollen wir alle Mitarbeiter:innen miteinbeziehen und ganz im Sinne des Open Source-Gedankens vorgehen.“

Kampnagel, die Deichtorhallen Hamburg und der CCC wissen, dass das Netz kein »neutraler« Ort ist und die ihm zugrundeliegenden Technologien nicht objektiv sind. Tatsächlich konstituieren diese Technologien scheinbar neutrale Informationen, Systeme und Strukturen von einer bestimmten gesellschaftlich dominanten Perspektive aus. Es gilt die Digitalisierung daher divers zu gestalten, ihr Potential nutzbar zu machen, um Zugänge gerechter und nachhaltiger zu verteilen, selbstbestimmte Nutzung zu stärken, Datenhoheit zurück zu gewinnen und Wissen zu teilen.

Der Fonds Digital der Kulturstiftung des Bundes ermöglicht Kulturinstitutionen, richtungsweisende digitale Vorhaben umzusetzen, Veränderungsprozesse auszubauen, mit neuen digitalen Ästhetiken und Ausdrucksformen zu experimentieren sowie die digitale Profilierung ihrer Häuser weiter voranzutreiben. Insgesamt sind  36  Kulturinstitutionen beteiligt. Kampnagel und die Deichtorhallen blicken bereits auf erfolgreiche Kooperationen zurück, darunter die Kunstinstallation White Bouncy Castle von William Forsythe, Dana Caspersen und Joel Ryan (2010) sowie das Ausstellungsprojekt Retrospective von Xavier Le Roy (2013).

Das Verbundprojekt »Diversify the Code! Künstlerische Produktion und institutioneller Strukturwandel« ist gefördert im Fonds Digital im Programm Kultur Digital der Kulturstiftung des Bundes.

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