3. SuedLese präsentiert Harburger Biografie mit Aktualität:

Die Zeitreise des Hardy Andrecz

Hardy als kleiner Junge im Kreise seiner Familie. Seine und viel deutsche Geschichte liegen da noch vor ihm. (Bild: Archiv)

Ein Harburger erfährt von der SuedLese und fragt, ob man dort seine Biografie lesen könne. Diese erscheint gerade als Buch und ist eine wahre Zeitreise mit viel Aktualität. Und wird natürlich gelesen …

Hardy Andrecz – „Von der Wiege bis (fast) zur Bahre“: dieses Buch erzählt die Geschichte eines unehelichen Jungen, der kurz vor Kriegsausbruch in Pommern geboren wurde. Er kam auf abenteuerliche Weise zu liebevollen Pflegeeltern und wuchs die ersten sechs Jahre wohlbehütet im Kreis der neuen Familie auf. Dann aber zerstörte der Krieg die friedliche Idylle. Der Junge wurde mit seiner Pflegemutter vom Rest der Familie getrennt und war ohne väterliche Hand auf sich gestellt. Sein Verhalten nahm überwiegend egoistische Züge an.
Nach Kriegsende kehrte er mit seiner Pflegemutter wieder in seine Heimatstadt zurück. Nichts war wie vorher. Der Vater war ins KZ verschleppt und dort umgebracht worden. Der Junge hatte ja schon den Einmarsch der Russen erlebt und nun kam noch das polnische Militär mit seinen Angehörigen dazu. Vergewaltigungen (Russen) und Plünderungen (Polen) waren an der Tagesordnung und mittendrin der kleine inzwischen 10 jährige Junge.

Er ist jetzt 82 und erlebte viel: als Kind einer Liebschaft kam er aufgrund arischer Gesetze zu Pflegeeltern in Stettin. Krieg, die Flucht vor ihm, die Suche nach einem neuen Zuhause. Arbeit im ruhrgebietlichen Bergbau und schließlich Polizeibeamter in Hamburg. Irgendwann steht er an der Kasse eines Möbelhauses und hört den Namen seines leiblichen Vaters.

Eine Autobiografie, die ebenso reich an aktuellen Themen ist wie auch trotz teils tieftrauriger Geschichten mit vitaler Leichtigkeit über die Irrungen und Wirrungen des Lebens berichtet.

Dieser Mann ist nun unheilbar an Krebs erkrankt, aber noch voller Lebensmut und Tatendrang. Im Elbe Wochenblatt liest er von den Literaturtagen der 3. SuedLese, die nun den ganzen April über als Literaturtage den Süden Hamburgs einnehmen und fragt, ob es möglich sei, auch sein gerade in Druck befindliches Werk als Harburger Autor zu lesen.

Gesagt, getan – denn sonst wäre SuedKultur nicht eben diese Kulturinitiative: und so wird das Mitglied der Harburger Schreibwerkstatt Christoph Rommel am Mittwoch, den 18. April um 19h im Sozialkontor Harburg¸ Schwarzenbergstraße 49, 21073 Hamburg, aus dem Buch lesen.

Unter dem Titel „Von der Wiege bis (fast) zur Bahre“ berichtet es von der Kindheit in Stettin, Krieg, Flucht und das Erwachsenwerden im Nachkriegsdeutschland. Die Arbeit – erst unter, dann über Tage – Ehe und Familie werden in den Blick genommen. Höhen und Tiefen, Irrungen und Wirrungen, alles dabei. Immer mit Humor und ohne Rechthaberei erzählt. Ein Stück Zeitgeschichte, ein Menschenleben.

Termin:

Mi., 18. April um 19h im Sozialkontor Harburg¸ Schwarzenbergstraße 49, 21073, Zeitreise. Hardy Andrecz lässt sein Leben Revue passieren. Gelesen von Christoph Rommel (dieser Termin findet sich nicht im gedrukcten Programmheft!)

Buch:

Hardy Andrecz: „Von der Wiege bis (fast) zur Bahre“, 238. S. teils bebildert, ersch. März 2018, Rediroma-Verlag, ISBN 978-3-96103-337-9; Preis 11,95 €,

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